Ty Segall – Mr. Face

von am 23. Januar 2015 in EP

Ty Segall – Mr. Face

Ty Segall empfiehlt sich auf ‚Mr. Face‚ als Innovator der 3D-Szene, tut hier im Grunde aber vor allem vier Songs lang, was er längt besser als alle anderen kann: er wärmt Erinnerungen an 60s und 70s entlang seines unfehlbar wirkenden Songwriter-Laufbandes auf.

Alleine, dass das ausführliche ‚Manipulator‚ diesbezüglich nicht übersättigt hat, sondern man die 14 Minuten dieser EP mit einer ungebrochen anhaltenden Euphorie empfängt, spricht dann eigentlich mit Ausrufezeichen für den Kalifornier. Dabei versucht Segall abseits des wirklich verdammt schicken 3D-Artworks gar nicht erst zu kaschieren, dass er sich auf dem Kurzformat-Nachfolger seines letztjährigen Feuerwerks weitestgehend damit begnügt, mit klassischen Ty Segall-Songs aufzuwarten – die allerdings mit einem Minus an Glam und mehr Akustikgitarren auch den Weg zurück zum reduzierteren ‚Sleeper‚ von 2013 schlagen.
Alleine ‚Drug Mugger‚ ist da unter leicht variierten Umständen doch praktisch der selbe Song wie ‚Tall Man, Skinny Lady‚, bremst sich um seinen Rhyhtmus-Verve allerdings deutlicher aus und markiert so den verdrogteren Bruder des ‚Manipulator‚-Zwillings. Dass Segall seine Kompositionen allesamt aus einem gemeinsamen Anachronismus-Pool zieht und das Rad nicht neu erfindet, sondern es lieber schwungvoll restauriert andreht, das weiß man – derart klar lehnt er sich allerdings sonst nicht an sich selbst an.

Ohne weitere derartig klare Déjà-vu (an das eigene Schaffen) zu wecken, hangelt sich Segall mit den restlichen drei Songs aber auch routinierter von Referenz zu Referenz: ‚Mr. Face‚ ist eine Beatles-Verneigung mit schrammelnder Acoustic-Gitarre aus der Vintage-Kiste und viel Hall auf dem soundtechnisch perfekt konservierten 60s-Kästen. Spätestens wenn die letzte Minute gutgelaunt aufs Gaspedal Richtung Led Zeppelin tritt ahnt man, dass das auch deswegen so viel Spaß macht, weil Segall selbst am begeisterten von dem Rabatz ist, den er tributzollend veranstaltet.
Circles‚ stellt sich danach mit einem dumpf polternden Drumsolo vor und groovt danach mitten hinaus auf die Highways: Richtung Sonnenschein, Strand und verschwommener Sepia-Erinnerungen. Das abschließende Highlight ‚The Picture‚ ist hingegen eine dösende, melancholisch träumende, leichtfüßig perlende Ballade – auf subtile Art regelrecht erhaben.

Same same, but not necessary different, quasi. Passt aber natürlich so. Weil das Songwriting gewohnt stark daherkommt, die unangestrengte Attitüde und beinahe slackerhafter Ausstrahlung der Nummer produktionstechnisch unnachahmlich sitzt, der Nostalgiefaktor immanent strahlt und Segall mit „nur vier weiteren Songs“ seinen Ruf als stärkster Retro-Barde inmitten der imposantesten Schnittmenge aus Qualität und Quantität mühelos unterstreicht: wo ‚Manipulator‚ spielzeittechnisch gar eine Spur zu ausführlich ausgefallen ist, endet das mit schönen dramaturgischen Bogen versehene ‚Mr. Face‚ eventuell eine Spur zu früh. Auf Nachschub wird man aber vermutlich eh nicht lange warten müssen.

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