Poison the Well – Peace in Place
Poison the Well ist mit Peace in Place nach 17 Jahren ein nahezu ideales Comeback gelungen – vielleicht sogar das Album, auf das man als Fan seit 23 Jahren gewartet hat? Indem es das Werk ist, das Versions nicht sein konnte, bieten das Kerntrio Jeffrey Moreira, Ryan Primack und Chris Hornbrook – im Studio ohne Gitarrist Vadim Taver und Bassist Noah Harmon arbeitend – jedenfalls ein ideales Bindeglied zwischen den beiden Converge-Platten von 2026 an.
Hart an die Ideallinie ihrer Band gelehnt, kann man Peace in Place nur ein paar wenige Dinge zum Vorwurf machen. Beispielsweise, dass Trembling Level keinen Platz auf dem Langspieler gefunden hat, obwohl die 2025er-Single gut in den Kontext gepässt und sogar ein Highlight des Albums dargestellt hätte – gerade im das hohe Niveau hinten raus (mit den beiden tollen Standards Melted und Plague Them the Most, die nur nichts unbedingt essentielles mehr an den Tisch bringen können) leicht abflachen lassenden Verlauf.
Oder auch, dass Mercedes viel zu schön ist, um als Hidden Track „verschwendet“ zu werden. Zumal der so versöhnlich einer optimistischen Zukunft entgegenblickende Epilog einen optimalen Rahmen um die Platte schließt.
Damit, dass sich die melodischen, clean gesungenen Passagen hier und da ein wenig zu glatt und oft repetiert in einige Stücke drängen(vor allem in Everything Hurts und Bad Bodies), kann man sich jedoch gut arrangieren, sorgen die Band und Produzent Will Putney doch weitestgehend für einen stark ausbalancierten Sound, der den griffig strukturierten Trademark-Metalcore quasi exakt entlang jener Tugenden aufbereitet, für die man Poison the Well immer schon geliebt – und die vergangenen eineinhalb Dekaden schmerzlich vermisst – hat.
Eingängig und anspruchsvoll knüppelt die Heaviness von Wax Mask weg, kontrolliert die Brutalität so zwingend, sich hemmungslos in die emotionale Brandung werfend und zahlreiche herausragende Szenen kreierend.
Primal Bloom kniet sich etwa unschuldig an den Bettrand für eine andächtig betende Einkehr, rattert drumherum aber unerbittlich, und der Instant-Fanpleaser Thoroughbreds stampft seine Spannungen mit punkigem Zug anziehend zur hymnisch wogenden Hook. Der größte Hit dieser Rückkehr ist dennoch Weeping Tones, mit seiner Ohrwurm-Affinität und Killer-Breitseite. Selbst wenn das dunkler und atmosphärischer brodelnde Drifting Without End auf der ruhigeren Seite des Spektrums zu hymnischen Thrice schielt.
All das passiert, als wäre die Band nie weggewesen. Als würde sie nicht in eine boomende Szene zurückkehren, die sich mittlerweile so trendaffin aus dem Backkatalog von Poison The Well speist, dass es eigentlich enormer Ellbogentechnik zur non-nostalgischen Machtdemonstration bedürfe. Doch Peace in Place wütet scheinbar mühelos, zündet hungrig und motiviert. Als müssten die Genre-Pioniere nochmal beweisen, dass sie die Szene-Krone verdienen. Mit einem Schaulaufen.
Am rundesten führt diesen Kreisschluss womöglich A Wake of Vultures vor, das im Galopp mit intensivem Riffing peitscht und sich verträumt in Sehnsucht erhebt, bevor das Wechselspiel aus Hart und Zart sich einen in der Atmosphäre durchatmenden Appendix gönnt. „I want a different me, I want a different you/ I wanna know exactly what we built/ It became a cage/ Showed up to plague us/ Don’t slow down, the seconds are wasted“ sinniert Moreira dann, alles ikonische Gewicht seiner Band in die Waagschale werfend. Und tatsächlich kompensieren die alten Helden – im Schulterschluß mit Kumpels wie Deadguy oder Botch – ihre lange Abwesenheit nahtlos.


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