Vondelpark – Seabed

von am 2. April 2013 in Album

Vondelpark – Seabed

Die drei Engländer von Vondelpark hatten es seit ihren Anfängen in der aufstrebenden Rockband Lion Club bis hin zur Neuerfindung als aufstrebende UK-Synthieband nie eilig. Daran ändert sich nun auch mit dem so unaufgeregten, eklektischen Kleinod ‚Seabed‚ nichts. Als würde James Blake mit The Xx einen Cafè del Mar-Sampler basteln.

Was auf dem langerwarteten Debütalbum der Londoner noch stärker zu Tage tritt als auf den vorangegangenen drei EP’s ‚Sauna‚ und ‚NYC Stuff And NYC Bags‚ und ‚Dracula‚: Vondelpark verankern sich in der ätherischen Wohlfühlzone zwischen den so aufgeräumten, mitternächtlichen R&B-Skizzen von The Xx und dem futuristischen Laptop-Soulpop von James Blake, wobei ‚Seabed‚ mit wohlüberlegten Vocoder-Effekten sich noch deutlicher an letzterem orientiert. Vondelpark musizieren vollkommen unaufgeregt mitten aus dem Einflussbereich des elektronisch pulsierenden Spannungsfeld aus dem UK heraus, wo Dubstep noch Dubstep meint, und nicht Skrillex.

Eben jenem Dubstep kommen Vondelpark dabei jedoch nur in Gefilden mit vorangeteihten „Post„-Genredeffinition nahe, ästhetisch wie stimmungsmäßig, quasi UK Bass mit Mittel des Softrock und Chillwave. Burial-Arbeiten mögen Vondelpark durchaus geprägt haben, mehr aber noch bleiben hier hintergründige und unaufdringliche Ambientpopwerke maßgeblich. Nicht nur ‚Blue Again‚ könnte unbearbeitet auf einer Cafè del Mar-Compilation laufen, ‚Seabed‚ speist sich aber vor allem am Zeitgeist und an Platten wie Jamie Woon’s ‚Mirrorwriting‚, lässt Gitarren sphärisch aus dem Rechner kriechen, bis die Grenzen zum Dreampop weit offen sind und ist da so viel mehr Shoedoze als Shoegaze.

Sänger und Bandvorstand Lewis Rainsbury treibt dabei melancholisch inmitten dieser sorgsam arrangierten und programmierten Digi-Popvermutungen aus dezent gesetzten Synthiefeldern und weiten Keyboardwelten, wird aus melancholischen Soundwolken wohlig umspült. Leise Ansätze von 2 Step sorgen für die dynamische Wendigkeit der stetig so bedächtig fließenden Platte. Vorboten wie ‚Dracula‚ haben die zurückgenommene Eingängigkeit der Platte bereits treffend angekündigt. In ‚Always Forever‚ gibt sich der Bass beinahe funky, selbst Handlaps verleiten jedoch nicht zur Feier. Überhaupt lädt ‚Seabed‚ trotz seines allgegenwärtigen, rücksichtsvollen Groove kaum zum Tanzen ein, sondern zum schwelgen und träumen: eine Platte um in der Sonne jegliches Gewicht abzuwerfen.

Das wunderbar umständlich betörende Highlight ‚California Analog Dream‚ ist seit der beinahe drei Jahre alten Originalversion in der nun  überarbeitenden Form noch einnehmender geraten, mit seinen perlenden Gitarren und einer einsamen Mundharmonika unter dem verschachtelten Hi-Hat-Beat, der nicht nur Thom Yorke und seinen Atoms for Peace gefallen müsste, sondern vor allem Phil Selway ein anerkennendes Lächeln abringen sollte. Der gestelzt bemühte Begriff „Radiohead Quietstorm“ ist dennoch kein Genre. Das im Kontext von Vondelpark so oft zitierte „Bandfeeling„, es wird jedoch in Momenten wie diesen am deutlichsten spürbarsten und bleibt grundsätzlich eine der markantesten Stärken des Trios. Im Titelsong rieseln Ambitionen von 80er Bläsern durch das Szenario, man mag erahnen wo die Konstellation hinter ‚Fall Creek Boys Choir‚ über das Ende von ‚Beth/Rest‚ hinaus hätte hinführen können.

Die entrückten Engelschöre aus ‚Bananas (On My Biceps)‚ bleiben eher Vision als Wirklichkeit, dafür werden Vondelpark rhythmisch selten greifbarer als bei dem hier wattig weich dahinlaufenden Schlagzeugmuster. ‚Seabed‚ verzichtet auf die phasenweise noch Richtung dezentem Afrobeat gehenden Percussion der Vorgänger-EP’s und setzt in seinen atmosphärisch dicht verwischten  46 Minuten auf die geschickt angeordneten Grundbausteine seiner Vorbilder querbeet über Genregrenzen hinweg. So positionieren sich Vondelpark aus dem Stand als umsichtige Konstrukteure so stimmungsvoller wie stiller Gefühlswelten, zelebrieren dieses Verständnis aber phasenweise auch noch zu sehr in den Hohheitsgebieten ihrer Idole. Eine effektivere Ersatzdroge bis zum kommenden zweiten James Blake-Werk wird England diese Tage jedoch trotzdem sehr wahrscheinlich nicht ausspucken. Vor allem sollte man nicht vergessen: auch, wenn das Trio es augenscheinlich nicht eilig hat ihre Impulsgeber zu überflügeln – Vondelpark noch am Anfang ihrer jungen Karriere.

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