Arctic Monkeys – AM

von am 9. September 2013 in Album

Arctic Monkeys – AM

Die Arctic Monkeys sind von Sheffield nach Los Angeles gezogen, kleiden sich maßgeschneidert und sind mit Wüstenmeister Joshua Homme als musikalischer Vaterfigur erwachsen geworden. All das und mehr unterstreicht das mittlerweile auch schon fünften Album der ehemaligen MySpace-Durchstarter nachdrücklich.

AM‚ formuliert nur bis zu einem gewissen Grad erneut die Hypothese aus, dass sich jedes schwächelnde Arctic Monkeys Album mit einem starken abwechselt, und vice versa: nach der einschneidenden Josh Homme-Vorstellung ‚Humbug‚ und der festigenden Berg-und-Talfahrt ‚Suck it and See‚ präsentieren sich die Engländer unter der Ägide von Stammproduzent James Ford also wieder durchgängig in prächtiger Laune, haken weitestgehend bei der Ausrichtung der letzten beiden Studioalben ein. Freilich ist ‚AMlängst nicht derart makellos wie von manchem Jubelpamphlet herbeigeschrieben, alleine grundsätzlich noch weiter entfernt von dem jugendlich übersprudelnden Spielwitz und Tempo des immer noch so spritzigen Einstands ‚Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not‚ – dafür ist Album Fünf aber abgeklärter, relaxter rockend, selbstsicherer auftretend, verführerischer und ja, auch sexy: die kraftvolle Instrumentalarbeit stets auf eine allzeit nonchalante Coolness bedacht, die ähnlich zurückgelehnt und mühelos inszeniert zuletzt gar nicht so unähnlich der prägende Queens of the Stone Age-Kumpel Homme ausgerechnet mit Alex Turner-Beteiligung auf ‚…Like Clockwork‚ aus den Ärmeln geschüttelt hat.
Und ja: ‚AM‚ positioniert die Ziehsöhne des Wüstenfuchses Homme diesmal über weite Strecken beinahe zu versiert in dessen Windschatten, wie die Monkeys hier ihren kaum mehr drängelnden Post-Britrock wieder mit Stoner-affinen Riffs und der seit jeher so furiosen Arbeit der Rhythmussektion kombinieren, schließt die Transformation der letzten Jahre so allerdings auch konkret ab.

Do I Wanna Know?‚ stampft richtungsweisend schwer und elegant als geschmeidiger Chaingang-Blues mit ordentlich Wüstendsand als Rückenwind los, während sich die Prince-verliebten Fistel-Falsett-Bsckgroundgesänge vom schmückenden Beiwerk endgültig zum essentiellen, allgegenwärtige Bestandteil ausgewachsen. Näher dran die kleinen Brüder der Queens zu sein waren Arctic Monkeys jedenfalls noch nie, mit knackigen Purzelbäumen wie ‚R U Mine?‚ oder dem lauernden ‚One for the Road‚ sind sie dazu jedoch plötzlich auch die besseren, weil ähnlich kompakten aber weniger anbiedernden und durchaus noch 70s-tauglichen Portugal. The Man geworden. Auch, wenn ein geschmeidig hoppelnder Hüftschwinger wie ‚Snap Out of It‚ sich anfangs schon gewöhnungsbedürftig weit in den Pop vorwagt – und sich ein bis zu ‚War Pigs‚ hardrockendes ‚Arabella‚ doch vertrauter anfühlt.

Wo die Briten ihren Rock auf der einen Seite also weitestgehend amerikanisiert haben, mehr auf Style denn auf Explosivität achten, schälen sie andererseits auch ihre romantisch-nostalgische Ader weiter hervor: das brillante ‚No. 1 Party Anthem‚ schaukelt balladesk zurückgelehnt und reichlich melancholisch, ‚Mad Sounds‚ hat dann verträumte „Uh-La-Lalas“ auf der Zunge und leuchtende Sternchen in den Augen, während der tackernde Memory Lane-Rock von ‚Fireside‚ als Verbindungsbrücke der Pole samt Vintage-Orgel-Sound und Ex-The Coral Gitarrist Bill Ryder-Jones seine Liebe für die 50er und 60er wohlig kundtut und treibende Percussion in einen smarten Groove verwandelt. Noch markanter ist da schlagzeugtechnisch nur noch ‚Why’d You Only Call Me When You’re High?‚, an dem sich Bassist Nick O’Malley und der wie immer grandiose Matt Helders geschmackvoll und mutig an einen Hip Hop-Beat anlegen, vor dem Turner kurz vor regelrechten Rap-Ansätzen immer noch die Kurve kriegt, und die Arctic Monkeys unmissverständlich deutlich machen, dass die Band während der Entstehungsphase von ‚AM‚ tatsächlich reichlich Material von Dr. Dre und Konsorten konsumiert haben muss.

Dass die Arctic Monkeys dabei aus diesen Gefilden auch eine beinahe zu sehr in die Auslage gestellte, elaborierte Form der Coolness übernommen haben, sich in ihrer Mündel-Rolle allzu genüsslich sonnen, muss man nicht sympathischer finden als die inzwischen abgeschaffte Überschwänglichkeit der Frühphase – oder das diesmalig weitestgehende Fehlen der bisher stets vorhandenen absoluten Übersongs zugunsten eines runden Ganzen. Die ausgewanderten Briten haben sich mittlerweile eben in vielerlei Hinsicht eingependelt ohne sich zu wiederholen, liefern ein konstant hochklassig fließendes Werk, dass jedoch vor allem in den bestechenden ruhigen Momenten und der zweiten Spielhälfte seine Trümpfe besser auszuspielen weiß als in der etwas zu gleichförmig auf seine lässige Ausstrahlung fixierten ersten.
Alten Mustern und Hypothesen folgend zu orakeln dass Album Nummer Sechs hiernach qualitativ wohl allerdings wieder zurückstecken werden müsste – dazu gibt ‚AM‚ (als neben ‚Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not‚ und ‚Humbug‚ wahrscheinlich für die Entwicklung der Bandwichtigstes Album) dann tatsächlich auch kaum Gründe.

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