Ash – Islands

von am 15. Mai 2018 in Album

Ash – Islands

Weil es ganz danach aussieht, als würden Weezer einen mit dem Schwarzen Album dieses Jahr doch versetzen, bieten sich (die artworktechnisch auftrumpfenden Star Wars-Fanatiker) Ash mittels Islands als erste Alternative in Sachen nostalgischen Powerpops und sommerlichen Alternative Rocks an.

Zumindest weitestgehend. Denn ein wenig fallen einige Momente doch aus dem (übrigens keineswegs nach Inseln klingenden, sondern weitestgehend absolut homogenen Masse des) Albumfluß – ihre Ausschließlich-Singles-Phase haben Ash ja mittlerweile/glücklichweise endgültig überwunden.
Confessions in the Pool mit eindimensionalen Texten, einer penetrant schimmernden Synthie- und stampfenden Disco-Patina (und damit inszenatorisch aus dem Rahmen fallend) etwa im relativ negativen, positiver hingegen zeigt Did Your Love Burn Out? mit seinem Beatles-Anachronismus auf, der später mit hardrockig abgehakten Blues-Riffs, gniedelnden 70s-Gitarren, Homme-Harmonien und Western-Flair auch ein bisschen in den frei gewordenen Arctic Monkeys-Windschatten von AM schielt, sich dabei aber den angedeuteten Wah-Wah-Funk sparen hätte können. Dann gibt es noch das zu wenig energische, latent britpoppige Is It True? (mit seiner bouncenden Geisterbahn-Orgel) und dem nach gemütlicher Akustik-Schönheit sehnende, hinten raus viel zu vorhersehbar orchestral erblühenden Closer Incoming Waves – solide Nummern, die Hookmachine Wheeler am Mikrofon aber einfach nicht entsprechend kraftvoll und leidenschaftlich intoniert.
Selbst in diesen Szenen hält Islands jedoch ohnedies mit seiner eigentlich insgeheimen Intention hinter dem Berg: Mit den Wurzeln der Ash-Geschichte im greifbaren Rückspiegel eine waschechte Weezer-Platte zu imitieren, die irgendwo zwischen den grünen und der weißen Selbstbetitelten Fanherzen höher schlagen lassen könnte.

Gleich das eröffnende Trio lässt daran zumindest keine Zweifel aufkommen: True Story startet exemplarisch als schön bittersüßer Powerpop/ Alternative Rock, melancholisch, melodisch und sehnsüchtig – eine Beziehungsgeschichte. Schmissig übersetzt das gleich die Gesangslinie bis ins Solo, bevor Annabel sogar noch weiter aufdreht und die nostalgische Crush-Schiene supercatchy bedient.
Buzzkill macht den Sack zu: „The summer is here/ And the summer is gone/ Buzzkill!„. Mehr Weezer geht praktisch nicht, doch Ash ziehen das simplizistisch bratende Ding mit Michael Bradley und Damian O’Neill von den Undertones in der Harmoniebegleitung konsequent durch, hämmert ein Stooges-Piano in den Appendix.
Weniger Single-tauglich wird Islands in weiterer Folge übrigens kaum – das Problem, dass jedoch jeder Song auch um eine Spur zu lang ausfällt, über Gebühr Wiederholungen aushängt und ein ermüdendes Element in sich trägt, allerdings auch nicht. Sei’s drum! Islands spielt seine Karten schließlich mal besser, mal schlechter, aber im Grunde ausfallfrei aus.

All That I Have Left praktiziert ein kompaktes, metallische Powerchord-Riff mit niedliche Leiblichkeit über Midtempo-Drums, wie Rivers es schon unzählige Male benutzt hat, dazu einen Refrain mit mehr Saft und irgendwas von Memories und Herzschmerz. Das nachdenkliche Don’t Need Your Love addiert als entschleunigte und zurückgenommene Ballade ein bisschen romantische Beliebigkeit und Somersault ist nur so lange ein egaler Jahreszeiten-Singalong, bis die munter antauchenden Handclaps locker Stimmung machen, das Instrumentarium lamgsam und enorm subtil funkelnd erweitern – vielleicht in Hinblick auf Confessions in the Pool sogar die Frage aufwerfen, ob eine dezent andere Reihenfolge der Trackliste sinnvoll gewesen wäre.
Das liebliche Silver Suit torkelt wohlig-knackig, It’s a Trap fehlt nach dem prototypisch pochenden Spannungsaufbau ein wenig der nötige Biss – was bleibt ist eine ätherische Atmosphäre für den den Raum elegisch öffnenden Refrain, der hinten raus episch flimmert.
Es sind deswegen auch nur Kleinigkeiten wie die zu gefällige Performance und eine zahme Produktion, die Islands nicht sein volles (adaptierendes) Potential abschöpfen lassen, die unbedingt zwingende Euphorie fehlt. Für die beste Platte der Band seit Meltdown lässt sich daraus allerdings kein Strick drehen, zu entwaffnend ist die Stafette aus potenten kleine Hits, knackigen Ohrwürmer und schmissigen Aussöhnungen mit den den Sommer zurückerobernden Ash. Was eben deutlich mehr ist, als Weezer derzeit für sich reklamieren können.

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