Billie Eilish – My Future

von am 1. August 2020 in Single

Billie Eilish – My Future

Der Zustand der Welt ist aktuell wohl nicht der beste, doch ausgerechnet jetzt blickt Billie Eilish mit My Future so optimistisch und gelöst nach vorne, wie vielleicht nie zuvor.

Vielleicht, weil die 18 jährige zusammen mit Finneas O’Connell an einem Punkt angekommen ist, an dem kaum etwas falsch laufen kann: Von den ersten Veröffentlichungen über das Debütalbum When We All Fall Asleep, Where Do We Go? (2019), die nachgeschobene Single Everything I Wanted und die Bond-Nummer No Time To Die – was Eilish anpackt, das scheint unmittelbar zum Instant Hit zu mutieren. Im Umkehrschluss – und auch gerade bedingt durch den symbiotisch Verbund mit Finneas – hat sich mittlerweile eine gewisse Vorhersehbarkeit (nein, kein Autopilot!) eingeschlichen, primär ästhetisch. Man weiß, was man unter dem Trademark Billie Eilish bekommen wird. Insofern bemüht sich My Future dann durchaus, die Dinge zumindest frisch zu halten.

Der Einstieg gerät jedoch mehr als alles andere vertraut, die Gangart ist kein Paradigmenwechsel: Im Ambiente eines entschleunigt und subversiv dröhnenden, eher weich als bedrohlich auftretenden Synthieswabber bettet Eilish ihre Stimme und unverwechselbare Intonation als getragene Elegie, am Soul und Jazz angelehnt. Doch dpätestens wenn der flotte, modern am R&B geschulte Beat mit seinen subtil eingestreuten Funk-Licks übernimmt, wird My Future auch wegen sich selbst findender Zeilen wie „But I, I’m in love/ With my future/ And you don’t know her/ And I I’m in love/ But not with anybody here/ I’ll see you in a couple years“ eine überraschend optimistische und beschwingte Angelegenheit. Billie und Finneas finden abermals neue Facetten im Signature Sound.

Dennoch sind Schönheitsfehler erkennbar. In der Songstruktur ist der Aufbau unausgegoren, das wunderbare Intro zögert den Einsatz der locker groovenden Rhythmik in Relation zum restlichen Song zu lange raus, da sich Eilish zwar im Verlauf genießend, harmonisch säuselnd und verträumt in die Melodiebögen legt, die Perspektiven aber nur dezent über das eingangs installierte Motiv wachsen lässt, My Future zudem zu abrupt endet und gefühltermaßen bereits nach wenigen Durchgängen trotz seiner motivierten Dynamik als essentielles Plus wenig mehr zu entdecken lässt. Vielleicht ist die Single also für die weitere Entwicklung von Eilish wichtiger, denn als (toll produzierte) Momentaufnahme, der ein ausführlicherer, auch weniger brav kontrastierender Kontext (der ja eventuell bald kommen wird) gut getan hätte, um das sommerliche Vergnügen weniger flüchtig erscheinen zu lassen – soll heißen: der Song ist zu kurz geraten.
Dennoch: Wirklich falsch macht Eilish wieder und weiterhin nichts. Mit Fanbrille also noch knapp…

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1 KommentarKommentieren

  • Hannes - 6. August 2020 Antworten

    Kann man so sehen, ich finde, hier wird endlich mal wieder eine fast lyrische Songstruktur verwendet: Im Grunde kommt zweimal das gleiche Thema, mal in melancholisch, dann mit Beat in optimistisch. Für mich ist das kein Intro. Und warum braucht es zwingend eine Fortführung? Der Song bleibt einfach als Gedanke stehen, es passt wunderbar zum Inhalt, so ist das in Gedichten auch oft.

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