Blut aus Nord – What Once Was… Liber II

von am 6. August 2012 in EP

Blut aus Nord – What Once Was… Liber II

Woher die Franzosen die Muse für derartige Wellen der Veröffentlichunge nehmen, bleibt ihr dunkles Geheimnis. 2012 wird jedenfalls nicht nur die ‚777‚-Trilogie beendet, sondern eben auch aus dem Nichts  ‚What Once Was… Liber‚ von 2010 weitergführt.

Während an anderer Stelle die Erwartungshaltung für das im September folgen sollende ‚Cosmosophy‚, das dritte und letzte Album der im vergangenen Jahr mit ‚Sect(s)‚ und ‚The Desanctification‚ begonnene ‚777‚-Konzeptreihe schon lange angeheizt wird, platzt ‚What Once Was… LiberII‘ ohne große Ankündigungen in die rappelvolle Discographie der Franzosen um Chefdenker Vindsval. Ein zusätzlicher Vorab-Hinweis, dass sich die beiden (?) hier versammelten Mammutsongs – zwischen 14:24 und 14:28 Minuten, fein getrennt auf zwei Vinylseiten ohne jedwede Titel – wohl eklatant vom ‚Cosmosophy‚- Material unterscheiden, welches eine in den Fußstapfen von ‚Thematic Emanation of Archetypal Multiplicity‘ marschierende vollkommene Loslösung vom Black Metal zugunsten der Industrial-Fixierung der Band und ihrer Ambient-Vorlieben nicht absurd scheinen lässt. Für ‚What Once Was… Liber II‚ muss nun also eine kurze Facebookmitteilung genügen, um vom Erscheinen der Vinyl-Only EP (in dessen Zuge auch der erste Part noch einmal schick aufgelegt wird) zu kündigen, und nicht nur in dieser Hinsicht macht ‚Liber II‘ alles, um sich dem bisherigen ‚777‚-Trend entgegen zu platziert.

Den klinischen, artifiziellen Sound der letzten Alben sucht man vergeblich, Blut aus Nord haben mit ‚Liber II‚ ein rückwärtsgerichtetes Intermezzo angezettelt, besinnen sich über die knapp 30 Minuten auf ihre eigene Deffinition von traditionellen, unheimlich atmosphärischen Black Metal in rohestem Soundgewand, dissonant und verstörend, nahezu unterproduziert den Ursprüngen des Genres huldigend: nahe an dem also, womit Blut aus Nord im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts der zweiten Welle des Black Metal ihre manischen Nägel ins Kreuz getrieben haben. Die beiden Kompositionen winden sich durch schmutztriefende Industrial-Blastbeats, die Gitarren reißen noiseverhangen den Verputz von den Wänden der Anstalt, in die einen Blut aus Nord– hören immer noch und immer wieder direkt einzuliefern scheint. Vindsval keift sich die Kehle wund, ständig  reiben sich Melodieansätze von neuem an den auf- und ab peitschenden Strukturen, wie viele Songs hier tatsächlich ineinanderfließen, tut nichts zur Sache: das attackiert mit psychotischer „In Your Face„-Attitüde gnadenlos.

What Once Was… Liber II‚ macht seine Sache dabei sogar noch ein Quäntchen besser als sein schon so fesselnder Vorgänger, hält das bestialische Inferno zu jedem Zeitpunkt in klaustrophobischer Dichte spannend, lässt auch in den atmosphärisch drückenden, ruhigeren Parts keinerlei Wohlwollen Aufkommen. Dadurch entsteht in eine Unmittelbarkeit die der ‚777‘-Reihe (zumindest bisher) ein wenig abgeht, ‚Liber II‚ ist in seiner misanthropischen Aggression damit auch eine willkommene Überraschung für all jene, die Blut aus Nord als unverkennbar eigenständige, aber doch eindeutig am Black Metal fokussierte Band lieben.

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