To Catch a Thief – Monsters

von am 18. März 2014 in Album

To Catch a Thief – Monsters

Nach 3 EPs zwischen 2007 und 2009 setzen To Catch a Thief nun zum ersten und gleichzeitig letzten Streich in voller Länge an. Aufgenommen wurde ‚Monsters‚ nämlich schon 2010 und war ursprünglich als fulminantes Debutalbum gedacht. Durch das Zusammenspiel einiger unglücklicher Umstände ist es nun auch ihr Abgesang. Aber was für einer!

Für den extrem kurzen [1:34] und extrem starken Opener ‚Clocks‚, den man schon 2011 als Vorboten des Albums auf der bezeichnenden und eigens eingerichteten Website 1-2-3-4-5-6-7-8-9-10-11-12-13-14-15-16-17-18-19-20-21-22-23-24.com [inzwischen nicht mehr erreichbar] veröffentlicht hatte, hat man einen furiosen Jamie Lenman aus der damals noch selbst auferlegten Musiker-Pensionierung geholt, der mit seinem mächtigen Geschrei die Hauptstimme herrlich ergänzt und dabei nichts und niemanden ungeschoren davonkommen lässt. Und brüllt er hier noch „I’m not so fucking sure you’ll get to see the sun once again with clocks in your eyes„, scheint auf Jamie’s aktuellem Doppelalbum ‚Muscle Memory‚ der Song ‚One of My Eyes is a Clock‚ als dezenter Augenzwinkerer durch.

Mühelos hangelt sich das Quartett aus Edinburgh von einem Killer-Riff zum andern und vom einen Mörder-Hook zum nächsten, während Gitarrist und Sänger Ally Lane einen unaufhörlich mit Gesangslinien bombardiert, die einen noch wochenlang heimsuchen werden. Unterbrochen wird dieser Wahnsinn bloß von gelegentlichen Abstechern in melancholisch-schaurige Melodien und teils jazzige Akkorde, die dem Albumtitel alle Ehre machen und dabei auch noch für kurzweilige Abwechslung sorgen.

An manchen Stellen wird gesangstechnisch auch eine ungemeine Wandlungsfähigkeit demonstriert – könnte man gelegentlich etwa auf ‚VeinsThomas Erak von The Fall of Troy oder auf ‚A Complaint to GodTides of Man’s ehemaligen Sänger Tilian Pearson hinter dem Mikro vermuten, so ist doch immer ein gewisser Wiedererkennungswert gegeben, vor allem auch durch die hervorragende Mischung aus Screaming und Gesang.
Über die knackigen 38 Minuten Spielzeit werden To Catch a Thief gern ein wenig technisch, aber nie zu technisch, manchmal auch ein wenig wehmütig, ohne aber dabei jemals einen Funken Melodiösität zu verlieren. Neben dem Titeltrack sticht vor allem auch ‚Haunt‚ aus der Masse der 10 Songs hervor, die sich ohne Ausfall durchgehend auf hohem Niveau bewegen. Nicht nur, weil Jamie Lenman auch noch kurz und unauffällig seine Stimme leiht, sondern vor allem aufgrund seines dynamischen Aufbaus inklusive Piano, der dem Song eine zusätzlich gespenstische Atmosphäre verleiht. Und natürlich geht es in den Texten immer wieder um Geister und Monster – „Now all the ghosts we’d left behind, they haunt me“ – und wenn schon nicht direkt, dann doch auf der metaphorischen Ebene.

Ein Blick ins pdf-Booklet dieses aus Geldmangel ausschließlich digital veröffentlichten Albums macht auch klar, warum hier alles so verdammt fett klingt: Sean Genockey, der Mann mit dem Schnurrbart, der sich schon für Reuben’s Abschiedswerk ‚In Nothing We Trust‚ und Engerica’s ‚There are No Happy Endings‚ verantwortlich gezeichnet hat, hat hier auf dem Produzentenstuhl Platz genommen und eine absolut reife Leistung abgeliefert.
Der 17. März ist übrigens nicht bloß der Releasetag von ‚Monsters‚, Sänger Ally Lane holt bei der Gelegenheit gleich zum Doppelschlag aus und veröffentlicht gleichzeitig seine akustische Solo-Debut-EP ‚Open Water‚ und ist damit definitiv nicht der erste Gitarrist und Sänger, der aus Emo-, Punk- und Post-Hardcore Gefilden auf die entspanntere Seite des Pathos und der Folkgitarren wechselt [vgl. Dallas Green, Frank Turner, Chuck Ragan, etc. etc.].
Mit der letzten Nummer ‚Daisies‚ werden To Catch a Thief’s ‚Monster‚ dann mit ein für alle mal schlafen gelegt. Wirklich schade, sie hätten eine gro§e Zukunft gehabt.

09

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