Chamber – This Is Goodbye…

von am 12. April 2026 in Album

Chamber – This Is Goodbye…

Die für Emo-Schmissigkeit sorgende Klargesang-Attacke in der Herold-Single Violins hat, mag sie auch nur wenige Sekunden gedauert haben, im Vorfeld von This Is Goodbye… für Besorgnis bei einigen Fans geführt: Suchen Chamber etwa den verweichlichenden Spagat zur anbiedernden Massentauglichkeit?

Es kann Entwarnung gegeben werden, auch wenn auch an anderen Stellen des dritten Albums der Amerikaner cleane Passagen aufblitzen – am deutlichsten zum Einstieg in Scarlet Ink, das wie eine pathetische Post Grunge-Ballade beginnt, die in Windeseile vom Wahnsinn überrannt wird.
Doch nicht nur, dass derartige Facetten derart kompakt gehalten sind, dass sie im Kontext eher wie in die irre führende Sprengfallen anmuten. Nein, diese gesungenen Sekunden und melodischen Tendenzen sind sowieso weniger als Kompromiss oder Zugeständnis an Verdaulichkeit, als eher eine die Aufmerksamkeit schärfende Provokation für die puristische Fan-Basis die spätestens A Love to Kill For (20243) so wütend im Sturm genommen hat – die nebenbei die Bandbreite von Chamber mit einem beibehaltenden Willen zur Radikalität erweitert.

Dafür haben Gitarrist Taylor Stephenson, Bassist Christian Smith, Taylor Carpenter (Drums), Gabe Manuel (Gitarre, Vocals) und Frontmann Jacob Lilly ihren frenetischen Math-Metalcore ansonsten an gefühlt jeder Front noch weiter eingedampft, ihre unbändige Energie in der pflichtgetreu modern so dicht betonierten Produktion kanalisiert und lassen den Pitch Shifter am Whammy Pedal komplett eskalieren.
Von seinem Opener Arms of Eternity weg rast This Is Goodbye… also durch ein panisches Chaos aus zerhackten Beatdown-Sticheleien und animalischer Brutalität. Überall fiept es und bollert hart, manisch und bestialisch heavy. Die Riffs tackern phasenweise gar am Deathcore vorbei, ständig platzen neue Ventile in der atemlosen Aggression auf.

Dass all das in kompakten 29 Minuten die Aufmerksamkeitsspanne nicht sprengt, liegt dann aber eben an den im Rahmen bleibenden Nuancen der Platte, für die Violins die (zumindest vorläufigen) Grenzen ideal ausgetestet hat.
Parting Gift zappelt etwa kurz, als wolle es einen digitalen Remix erzwingen. Und Angel wummert für einen Sekundenbruchteil aus dem Club, um näher denn je an Frontierer zu tranchieren. Pale Blue (Why?) drosselt das Tempo zu einer Art zornigen Sehnsucht als maschinelle Einkehr, die dann ein flehendes Finale über Dillinger-Tugenden vom Zaun bricht. In Resurrect assimiliert die Band dagegen Vincent Bennett von The Acacia Strain in ein Spektrum hinter dem Erbe von Misery Signals, bevor das Ambiente Zwischenspiel Death Without Departure den Boards of Canada-Abgang von In Revolving Doors ankündigt – natürlich inklusive einem cheesy Gesang-Sprengsel, der seine Hymnik im Pit schonungslos abfackelt. Weil Chamber hier höchstens noch Chamber‚esker wüten, als ihre Essenz zu verwässern.

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