Circa Survive – Violent Waves

von am 22. August 2012 in Album

Circa Survive – Violent Waves

Ob es die neu gewonnene Freiheit ohne Label im Rücken ist, die Anthony Green und Co. zu neuen Glanzleistungen anspornt, oder das gefundene Glück in der Familie spielt letztendlich keine Rolle: schon wieder einmal darf man sich über das beste Circa Survive Album bis dato freuen.

Das war beim Vorgänger ‚Blue Sky Noise‚ ja nur in leicht eingeschränkterem Maße der Fall, nahezu makelloses Album hin oder her: der Fokus auf den vielleicht zugänglichsten Hits im Bandkanon hat dem Gesamtfluss jedenfalls nicht nur gut getan. Ein kaum auffälliges Manko, dass ‚Violent Waves‚ nun nicht unbedingt korrigiert, aber zumindest in bestechender Weise zurechtrückt. Irgendwann stellt sich natürlich trotzdem die Frage, warum etwa ein ‚Sharp Practice‚ mit all seinen Slidegitarren im Hintergrund und dem eigentlich doch so eingängig nach vorne peitschenden Refrain nicht sofort als einer der vielen Ohrwürmer und Hits auf ‚Violent Waves‘ erkennbar war. Die Antwort kann nur sein, dass Circa Survive den Bogen zu ‚Juturna‚ und vor allem ‚On Letting Go‚ zurückgespannt haben, qualitativ wie auch, was das Kaschieren von hitverdächtigen Nummern angeht. Denn wieviele Durchgänge auch ‚Violent Waves‚ wieder braucht um zumindest ansatzweise hängen zu bleiben – geschweige denn zu zünden! – ist allein schon Dokument der vergleichslosen Kunst aus Philadelphia.

Losgelöst von Verträgen und Vertrieben haben Circa Survive sich selbst eine substanzreiche Produktion auf den Leib geschneidert und reiben die elf Songs von ‚Violent Waves‚ im Schaulaufen der eigenen Klasse zwischen Weiterentwicklung und Trademark-Optimierung genüsslich und mit spielender Eleganz im verschwitzten T-Shirt auf, bei der alle Richtungen offen scheinen und Limitierungen überhaupt nicht mehr existieren. Der siebenminütige Opener ‚Birth Of The Economic Hit Man‚ ist nur deswegen nicht der längste Song der Bandgeschichte, weil das abschließende ‚I’ll Find A Way‚ noch länger ist, doch bereits eingangs führen Circa Survive eine neue Tugend in das ungreifbar in weiter ferne schwirrende Soundbild aus Anthony Greens himmelhoch jubilierender und leidender Stimme, unkonkreten Gitarrenarbeitn nahe am Prog und vertrackter Rhytmusarbeiten ein: neben hinterrücks packenden Songkonstruktionen und dem Hang zur ganz großen dramatischen Geste binden Circa Survive den ungemein experimentellen Zugang zu Hooks und Melodien nun noch ausladender und progressiver ein, ohne vollends in der Vertracktheit verschwinden zu müssen. ‚Violent Waves‚ wird so beizeiten zur geradezu psychedelischsten Platte der Band, die Entstehung im Jam erscheint nicht vollends absurd.

Dazu hantiert ‚Violent Waves‚ mit einigen der stärksten Songs der Band bis dato, die sich vor allem in der ersten Albumhälfte die Klinke in die Hand drücken: ‚Sharp Practice‚ ist eben die Killerhymne mit Funk im Blut, das folgende ‚Suitcase‚ driftet irgendwann in den balladesken Fiebertraum ab und findet in Rachel Minton von Zolof the Rock & Roll Destroyer den anschmiegsamen Konterpart zu Greens weltfremd betörender Stimme. Nicht der einzige Gastauftritt auf ‚Violent Waves‚, da sich Ex-Thursday Mann Geoff Rickley für das übermächtige ‚The Lottery‚ das Mikro im beschwörenden Refrain schnappt und den immer wieder neu anrollenden Song ins epische hebt. Darüber hinaus verarbeiten Circa Survive Folk und Country in ihr Songwriting (‚Phantasmagoria‚), ‚Think Of Me When They Sound‚ leidet sich durch ehemalige Beziehungen und schwelgt damit auch in der grundtypischen Melancholie der Band. ‚Violent Waves‚ gerät so zum vielleicht abwechslungsreichsten Werk der Band, lässt aber niemals den roten Faden außer Augen, gerät in einen unaufhaltsam einnehmenden Fluß von der ersten bis zur letzten Minute. Und beantwortet eine anderorts gestellte Frage, wie der ansonsten auch gerne einmal enttäuschende Ausnahmesänger Green immer wieder derartige Songs im Bandkontext aus der Traufe heben kann ganz einfach: es ist eigentlich egal. Solange das Gefüge Circa Survive die Ausnahmeband bleibt, die es ist, wie man mit ‚Violent Waves‘ wieder so eindrucksvoll unter Beweiß stellt.

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