Converge – Endless Arrow

von am 20. März 2020 in Reviews

Converge – Endless Arrow

Nicht endlos, aber nun über 30 Minuten lang: Kurt Ballou hat den Converge-Song Aimless Arrow zu dem experimentellen Ambient-Noise-Bastard Endless Arrow mutieren lassen.

Der Converge-Truppe wird in der Isolation nicht langweilig: Während ein neues Old Man Gloom-Album bereits in den Startlöchern scharrt, Ben Koller sich zu einem Weird Al-Tribute zuschalten lässt oder der Katalog von Deathwish Inc. aktuell zum Solidaritätspreis via Bandcamp vertrieben wird, hat sich Gitarrist und Produzent Ballou den Opener der 2012er Converge-Platte All We Love We Leave Behind zur Studio-Brust genommen.
Die Band dazu: „To keep people entertained in these challenging times, Converge present “Endless Arrow”; A over 30 minute ambient/experimental version of our song “Aimless Arrow” created by Kurt Ballou. This ambient/experimental track is offered as a “Pay What You Want” download.

Im Dark Ambient und Drone ersaufend zeigt sich das Stück im Co)))nverge-Modus allerdings durchschaubar inspiriert und eher als nette Paulstretch-Bedroom-Spielerei: Ballou addiert Synthies, Reverb und Noise, dreht das Stück mit allerlei brütenden und gemeinen Effekten durch die StudioMangel, dehnt aber im Grunde mit enorm gedrosselten Tempo nur das Original hypnotisch rauschend in die Länge.
Das zeigt, warum Kollegen wie Sunn O))) oder Sightless Pit in diesem Metier in einer andere Liga spielen, funktioniert als dunkle Klanglandschaft aber zumindest einnehmend und atmosphärisch dicht.

Ohne Anlaufzeit sind da unheilvoll dräuende Texturen über Endless Arrow, majestätisch im Hall verschwimmende Slo-Mo-Ahnungen von eindringlichen Wellengängen. Mutmaßliche Stimmen bleiben gespenstische Visionen von Schreien aus dem Jenseits ohne Konturen, die im hypnotischen Sog eines fast heroischen Untertons dräuen. Dass Ballou das Stück ein bisschen überhastet angeht, die Schübe zu rasch wachsen und wieder abebben lassend auf den Kontext der Genre-Etikette bezogen eine gewisse unangenehme Hektik verbreitet, entwickelt sich zum Spannungsmoment der Nummer, die eine ungewohnt rasende Dringlichkeit für derartige Zeitlupen-Aufnahmen in die Schwärze der Nacht liegt.
Man kann dies also als kreativ eingeschränkten Zeitvertreib in der Pandemie-Zeit überanalysieren – schöner wäre es aber, Endless Arrow als ersten, noch zaghaften Schritt in eine weitere stilistische Richtung für Ballou und Converge zu deuten.

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