Crippled Black Phoenix – New Dark Age

von am 10. Dezember 2015 in EP

Crippled Black Phoenix – New Dark Age

Während Crippled Black Phoenix hinter den Kulissen nicht zur Ruhe zu kommen scheinen, klingen sie in ihrer musikalischen Entwicklung längst festgefahren. Weil Justin Greaves auf der Trotzreaktion ‚New Dark Age‚ die Positionierung seiner Band als fundamentale Pink Floyd-Erbverwalter wahrhaftig abrundet, muss das aber nicht zwangsläufig etwas schlechtes sein.

Ob und inwiefern es mit Crippled Black Phoenix nach dem durchaus vielversprechenden Neustart ‚White Light Generator‚ überhaupt weitergehen würde, war Anfang des Jahres fraglich. Bandkopf und Gründer Greaves wollte sein anachronistisches Progrock-Vehikel bereits zu Grabe tragen, nachdem einem erbittert über die sozialen Medien ausgetragenen Streit mit Karl Demata die Erkenntnis vorausgegangen war, dass sich der 2014 mit Bassist Chris Heilmann ausgestiegene Gitarrist klammheimlich die Namensrechte an Crippled Black Phoenix sichern hatte lassen. Mittlerweile sind die Fronten zwar weiterhin verhärtet, die Bandgeschicke jedoch zu weiten Teilen wieder in den Händen von Greaves. Und für den Briten klar: Unterkriegen lassen können sich andere, der Phoenix folgt seinem fäusteballenden Motto – Rise Up and Fight.

Zyniker werden nun behaupten, dass die Geschichte hinter ‚New Dark Age‚ beinahe spannender ist, als die versammelten vier Songs. Keine vollends haltlose Unterstellung, selbst wenn man Crippled Black Phoenix an sich wohlgesonnen gegenübersteht. Denn ‚Spider Island‚ (eine mürrisch stampfende Doomballade, die den angekommenen aber ausdrucksarm bleibenden Daniel Änghede drohend gestikulieren lässt „You got no friends here/ Only nightmares“ und dahinter mit angepisster Heavyness liebäugelt) und der Titelsong (ein 18 Minuten Melancholie-Epos, der lange nicht zum Punkt kommt und viel Routine walten lässt, seinen Spannungsbogen hinten raus aber zumindest ansatzweise mit einem hymnisch aufmachenden Postrock-Finale krönt) machen zwar vieles von dem richtig, was man von den Engländern seit jeher gewohnt ist und liebt – nur eben nichts derart magisch, tiefgründig ergreifend oder zumindest in seiner Erhabenheit so emotional übermannend, wie das in der Bandgeschichte zwischen 2006 und 2010 der Fall war. Trotzdem mindestens eine solide Fortführung des Backkatalogs, im Falle von ‚New Dark Age‚ sogar mehr: Derartige Endtime-Ballads schreibt Greaves endlich wieder anstandslos.

Spannender, weil die eigene Wohlfühlzone zugunsten einer konzentrierten Wurzelsuche verlassend (ja, paradox, eigentlich), gelingt der Band dennoch die bereits bekannte, abschließende Kooperation mit der Greaves‚ Zweitband Se Delan, für die sich Crippled Black Phoenix zwei 19 Minüter lang nicht nur vor Pink Floyd’s ‚Echoes‚ (inklusive assimilierten ‚Childhood’s End‚) verneigen, sondern sich vollends in den endlosen Mammuttrack legen, darin aufgehen und zwischen eigenen Trademarks und den ursprünglichen Kompositions- und Stilmerkmalen von Dave Gilmour und Co. eine gleichermaßen Referenzen bedienende wie durchaus eigenständige Interpretation abliefern, in deren weite Jam-Klanglandschaften man sich durchaus ätherisch auflösen kann. Wenn schon Pink Floyd covern, dann genau so.
Ob dies als kreativer Mehrwert reicht, um ‚New Dark Age‚ als überzeugendes Intermezzo in die Discographie der Band einzuordnen, ist dann freilich eine relative Ansichtssache. Und ja: Dass Crippled Black Phoenix mittlerweile tatsächlich die bessere Floyd-Coverband geworden sind, als sie es schaffen würden dem längst klar abgegrasten eigenen Songwriter-Kanon neue Aspekte hinzuzufügen, schmeichelt Greaves und seiner Gang nicht wirklich. Gewichtiger als diese Tatsache hört man als Langzeitfan allerdings lieber auf die wiedergefundene Selbstverständlichkeit, in der das enger zusammengerückte Bandgefüge sich in etablierte Stärken zurücklegt, die Dinge fließen lässt ohne zu sehr nach Reißbrett zu klingen.
Insofern liefert ‚New dark Age‚ musikalisch und entwicklungstechnisch also keinerlei neuen Erkenntnisse aus dem Hause Crippled Black Phoenix  –  zum ersten Mal seit dem nicht kompensierbaren Ausstieg von Joe Volk ist dies aber durchaus eine gute Sache, zeigt die Formkurve hiermit doch seit langem endlich wieder nach oben.

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