Crippled Black Phoenix – White Light Generator

von am 17. März 2014 in Album

Crippled Black Phoenix – White Light Generator

Eigentlich wollten sich Crippled Black Phoenix für ihr viertes Album von einer einfacheren Seite präsentieren – am Ende ist es doch wieder ein überlanges Konzeptwerk zwischen langweilend rockender dunkler Seite und einer ansprechenden bis gar großartigen, balladesken helleren Seite geworden. Was dazwischen aber endgültig verloren gegangen ist, ist die Magie der alten Tage.

White Light Generator‚ unterstreicht damit, was sich bereits mit (für die installierten Qualitätsstandards der Kombo aus Bristol) stagnierenden ‚(Mankind) The Crafty Ape‚ und mit dem geradezu erschreckend substanzlos die große Geste suchenden (an dieser Stelle mit Fanbrille bewerteten) ‚No Sadness or Farewell‚ abgezeichnete (obwohl die Formkurve nach der Interims-EP mit John E. Vistic nun wieder dezent nach oben zu zeigen beginnt), vor allem mit der stärker auf trockene Riffs ausgelegten ersten Albumhälfte: während das eröffnende ‚Sweeter Than You‚ (im 1959er Original von Ricky Nelson) noch durchaus leichthändig aber auch deplatziert als romantische Akustikballade mit singender Säge Lagerfeuerstimmung verbreitet, bauen Crippled Black Phoenix unmittelbar danach bedeutungsschwere Progrock-Luftschlösser rund um etablierte Trademarks. Das zweiteilige ‚NO!‚ beginnt in den Schuhen von ‚We Forgotten Who We Are‚ und arbeitet sich danach über 14 Minuten mit der Pink Floyd-Liebe der Band an Klaviertropfen und Keyboardflächen, Chören, schwerfälligen Rhythmen, elaboriert schwülstigen Gitarrensoli und einigen Längen mäandernden Spannungsbögen ab. Derartiges können Greaves und Co. längst aus dem Effeff abrufen.

Danach drohen sich die Briten abermals immer wieder in eine vorhersehbaren Kopie ihrer selbst zu verlieren: ‚Let’s Have An Apocalypse Now!‚ überhöht sein wenig inspiriertes Geriffe mit einem titelrechtfertigenden, zaristisch aufmarschierenden Kriegschor in aller bedrohlich bewölkten Hymnik, ‚Black Light Generator‚ poltert durchaus kurzweilig mit breitbeiniger Pose nach vorne, versagt aber eine Erlösung im Finale, bevor auch ‚Parasites‚ rund um eine stolpernde Gitarrenfigur seine kaum erinnerungswürdige Melodie entfaltet. Allesamt routinierte Standards sicherlich, die sich in reine Gesten vertiefen und an ähnlichen Schwächen wie bereits ‚(Mankind) The Crafty Ape‚ krankt, wenn auch im angenehm kompakteren Rahmen – Crippled Black Phoenix haben derartiges in der exakt selben Gangart (Melodien, Arrangements, Gitarrenarbeit,…) eben schon weitaus eindringlicher, ergreifender, inspirierter und schlichtweg besser hinbekommen. Was fehlt ist der ultimative Kniff, der die Songs über die Souveränität hebt.

Nach dem beklemmenden, unbetitelten Monolog im Zwischenpart kriegen Crippled Black Phoenix mit der helleren, leichter gemeinten und angenehm weitläufig an ‚A Love of Shared Disasters‚ geschulten Seite dann doch noch die Kurve (das wild beginnende ‚Northern Comfort‚ lebt in gemächlicher Folge von der Pianomelodie von Rückkehrerin Tracy Chapman und schlägt dann mit schamanenhafter Psychedelik über die Stränge, ‚Caring Breeds The Horror‚ und ‚You’ll Be Murdered‚ dümpeln gefällig als klassische Endtimeballads dezent ereignislos vor sich her) machen aber ausgerechnet hier das leidige Thema um den Sängerwechsel akuter denn je. Mit Daniel Änghede hat man nach Matt Simpkin und Vistic nicht nur wieder eine Konstante hinter dem Mikro – laut Greaves sogar den seit jeher für die Band vorgesehenen Sänger.

Letztendlich ist es wohl unwichtig wieviel Wahrheitsgehalt tatsächlich hinter dieser Aussage steckt, was zählt ist: Änghede singt gepresst pathetischer, überlädt selbst kleine Gesten gerne auf unangenehme 90er Alternative Rock-Art, kurz: ist trotz aller stimmlichen Ähnlichkeiten eben in keinster Weise ein Joe Volk, was vor allem in den ruhigeren Songs ernüchternd deutlich wird, wenn der Hearts Of Black Science-Musiker nicht hinter einer Wall of Sound stehen darf. Symptomatisch, dass der Schwede seine beste Figur ausgerechnet dann macht, wenn er Volk mutmaßlich nicht nur zu ersetzen versucht, sondern in den Albumhighlights ‚Wake Me Up When It’s Time To Sleep‚ (sanft umwiegt die Band Procul Harum in wehmütiger Stimmung), ‚We Remember You‚ (betörender Wohlklang mit Country-Vibe und elegischem Bläserfinale) und ‚A Brighter Tomorrow‘ (Ennio Morricone inmitten einer feierlichen Todesstimmung) regelrecht als treue Imitation des unfreundlich verabschiedeten, unscheinbaren Ausnahmesänger agiert. Die unter die Haut kriechende Emotionalität eines Volk kann der Bandneuling niemals kanalisieren, jedoch  erfüllt Änghede seinen Part ohne zu glänzen letztendlich so gewöhnungsbedürftig wie adäquat im Königreich Greaves. Wer möchte kann trotzdem die Probe aufs Exempel wagen: für die der limitierten Vinylversion (ausgesprochen dämlich übrigens, dass ein fetter Sticker gleich mal direkt auf das wie immer potthässliche Matthew Dunn-Guerilla-Artwork gepappt wurde) beigelegte 7″ hat die aktuelle Besetzung ‚When You’re Gone‚ neu eingespielt: absolut keine Werbung für Änghede.

Doch auch ungeachtet des Sängerwechsels gelingt es Crippled Black Phoenix selbst in der deutlich stärkeren zweiten Albumhälfte nur in wenigen vereinzelten Momenten zumindest ansatzweise tatsächlich herausragende, überlebensgroße und unsterblich schöne Szenarien zu kreieren nachzustellen, die nicht vollends gegen die Meisterwerke ‚A Love of Shared Disasters‚, ‚The Resurrectionists / Night Raider‚ oder ‚I, Vigilante‚ verblassen.
White Light Generator‚ inszeniert sich dabei stets effektiv, bleibt aber zu oft nur kraftvolle Fassade, fühlt sich niemals wahrhaftig an.
Reduziert auf die stärksten Phasen des Songmaterials (welches phasenweise jenes von ‚Mankind: The Crafty Ape‚ aussticht – nur eben an der Gesangsperformance scheitert) hätte hier ein durchwegs hochklassiges Mini-Album entstehen können. Ob das alleine letztendlich genügt um die Hoffnung am Leben zu halten, dass sich Crippled Black Phoenix in Zukunft ja eventuell doch wieder in die Nähe ihrer atemberaubenden Hochphase aufschwingen zu können bleibt aber leider zu bezweifeln.

06

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2 KommentareKommentieren

  • Oliver - 17. März 2014 Antworten

    Hat er. Es soll aber durchaus vorkommen, dass zwei Menschen eine Platte unterschiedlich wahrnehmen.

  • rog - 18. März 2014 Antworten

    Why you even bother writing such a long winded review if you plainly only want to slag off and disrespect the band? Why did you give it 6/10? That is not bad, you should marked it as 2 judging on your words. Such crappy journalism. What nonsense (2). Daniel is far better for this great band. I love this album! Oliver, you need to get your head out of Volks asshole.

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