Danko Jones – Wild Cat

von am 3. März 2017 in Album

Danko Jones – Wild Cat

Hinter dem schicken Retro-Cover füllt Wild Cat – wertkonservativ wie eh und je – den Trademark-Pool der zuverlässig abliefernden Danko Jones-Discografie wieder mitreißender und hittauglicher auf, als der grundsolide daherkommende Vorgänger Fire Music.

Die dezente Enttäuschung, die Fire Music gerade nach den doch rundum überzeugenden Standards Rock and Roll is Black and Blue sowie Below the Belt als routinierte Pflichtübung mit allzu deutlich das  betankte Festivalpublikum anvisierenden Metal-Szenen hervorrief, wurde freilich schon 2015 ein wenig abgefedert. Erstens rockte das Ergebnis auch trotz der einknickenden Formkurve immer noch ganz ordentlich aus den Boxen,  zweitens hat es schließlich auch seine Vorzüge, wenn man seine Klientel stilistisch ein ums andere Mal derart vorhersehbar bedient wie Danko Jones, John Calabrese und Rich Knox es tun. Wiedergutmachung ist da jederzeit möglich, weil man als Berufener des Heavy-Rock einfach weitermacht und etwaige Ausreißer nach unten vom relativ qualitätskonstanten Œuvre (nach den überragenden Heydays bis inklusive We Sweat Blood) ohnedies anstandslos kompensiert werden.

Also breitbeinig und schwitzend weitermachen wie gehabt. Zwischen AC/DC und Motörhead, Hellacopters und Gluecifer, Hardrock und Rock’n’Roll, Blues und Garage, Testosteron und Libido. Danko Jones bleiben nun einmal Danko Jones bleiben nun einmal Danko Jones, auch auf Studioalbum Nummer 8, kurbeln das Fließband darauf aber eben wieder ein wenig zwingender und leidenschaftlicher an, als zuletzt: Die Motive (allesamt) und Riffs (zumindest zahlreiche) sind irgendwo mehr oder minder bekannt, die Melodien dahinter aber um das Quäntchen schmissiger, die Hooks packender, das Songwriting knackiger und eingängiger, das Gesamtpacket nicht ambitionierter, aber doch effektiver. Wodurch Wild Cat zwar keine einzelne herausragende neue Killertsingle für das bisherige Repertoire abwirft, in Summe aber generell so viel Material mehr hängen bleibt.

Der energiegeladene Mottosong I Gotta Rock bringt die Motivation des Trios so unheimlich archaisch und schnörkellos auf den Punkt, das tollwütig nach vorne gehende Let’s Start Dancing zieht die Zügel pukrockig enger und legt auch noch einen absolut famosen Highlight-Refrain oben drauf. Wegen eines solchen verzeiht man My Little RnR dann auch anstandslos, dass Danko Jones und seine Männer zu weiten Teilen einfach Lovercall neu aufgenommen haben, oder dass das Kraftpacket Going Out Tonight mit gar zu bierseligen Mitgröhl-Passagen penetriert.
Der trocken nach Hause gerockte und mit lasziven Solo aufgeilende Titelsong wiederum übersetzt die Verehrung für Kiss in den Danko Jones-Kontext, während das überragende You Are My Woman Thin Lizzy in all seiner arschkickenden Romantik einen überzeugenderen Tribut zollt, als selbst The Darkness es immer noch tun.

Selbst ohne Geisteblitz abkommende Presser wie das groovende She Likes it machen in diesem Kontext der bedienten Erwartungshaltung schlichtweg Spaß, steigern die Vorfreude auf kommende Livetermine und destillieren die Stärken der Kanadier mit so schweißtreibender wie lässig aus dem Handgelenk geschüttelter Selbstverständlichkeit. Dass das nimmermüde Trio dabei auch  und vor allem Songs wie das nach Baukastenmuster gestrickte Do This Every Night (inklusive plumper Stimmungsanheizer-Part) schon zahlreiche Male so enorm viel besser hinbekommen hat, oder dass Wild Cat bis zu seinen exaltierten Finale mit Revolution (But Then We Make Love) hinten raus ein klein wenig zu generisch die Luft auszugehen droht, schmälert den guten Gesamteindruck der Platte kaum. Schließlich ist das alles ohnedies derart kompakt, dass keine Langeweile aufkommen will. Wofür die Platte inmitten einiger Déjà-vus und Selbstzitate alleine schon Respekt verdient.
Die längst zur Marke gewordenen Handwerker Danko Jones liefern insofern nämlich nicht nur ein weiteres Mal mit einer fast schon klassischen Stil-Unverrückbarkeit so dermaßen zuverlässig ab – nach knapp zwanzig Jahren im Business muss man es erst einmal schaffen, immer noch derart unerschöpfliche Energien zu kanalisieren. Vielleicht nicht mehr der Löwe von einst, aber sicher immer noch kein Schmusekätzchen, dieser Danko Jones.

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