David Duchovny – Prince of Pieces
Pünktlich zum Release des Akte X-Lego-Sets und der Entwicklung des Serien-Reboots durch Ryan Coogler meldet sich auch der Musiker David Duchovny mit seinem vierten Album zurück: Prince of Pieces.
Darauf klingt der unlängst seinen 66. Geburtstag gefeiert habende Amerikaner mit Hilfe seiner Band – neben dem auch am Songwriting beteiligten Trio um Colin Lee, Pat McCusker und Mitchell Stewart besteht diese aus Keenan O’Meara, Davis Rowan und Seb Modak – endgültig , als müsste er in diesem Metier niemanden mehr etwas beweisen. Was nach Hell Or Highwater (2015), Every Third Thought (2018) und vor allem Gestureland (2021) ja auch durchaus eine verdiente Haltung darstellt.
Und (dem aus teilweise schon jahrelang im Brustkasten gelegen habenden Material von) Prince of Pieces zumindest eingangs absolut entgegenkommt. Das Titelstück eröffnet selbstsicher als entspannte Singer-Songwriter-Souveränität im Americana, Roots und Folk Rock, ist unaufgeregt und im besten Sinne routiniert. Zudem schön subtil arrangiert und durch den angedeuteten Einsatz von Backing Chören auch latent erhebend. Die gesanglichen Limitierungen von Sänger Duchovny werden so nicht nur geschickt umgangen, sondern schaffen eine Umgebung, die seine charismatische Stimmfarbe zur Geltung bringt und ihn sogar dramatischer und dringlicher wirken lässt, während der Musik hinten raus der Raum zur Entfaltung überlassen wird.
Die flotte, gelöste Aufbruchstimmung des exemplarisch angenehm zu hörenden, eingängigen The Anchor hält dieses Niveau ebenso wie das tiefenentspannte Catherine’s Wheel in seiner melancholischen Fröhlichkeit. Doch nach diesem prägnanten eröffnenden Trio wird Prince of Pieces allerdings unverbindlicher.
Was erst kein Problem darstellt: Die von Streichern begleitete, wehmütige Schönheit Born to Last zeigt schließlich der Kniff, nicht zu sentimental oder gar kitschig zu werden. Und Giving Up the Ghost schunkelt stimmungsvoll und gefällig plätschernd – jedoch im Kontext keineswegs langweilig. Was dem zu gemütlichen Teach Yourself später nicht mehr gelingen wird, wo das Album im letzen Viertel (und gerade das nette How Do I, das angenehm verträumte Impossibly Tonight sowie der countryeske Schlafwagen-Rock Stay on the Train) kaum noch pointiert auftritt, sondern auf einen latent belanglosen Durchzug der Gleichförmigkeit hat schalten lassen.
Auch weil Duchovny auf einen klar konturierten Spannungsbogen in der hologenität verzichtet (das zügiger von seinen Drums angetriebe London alleine reicht nicht als Dynamo) wird Prince of Pieces im Verlauf austauschbar und hätte von seinen 51 Minuten Spielzeit gerne auf 40 gekürzt werden dürfen.
Dass Duchovny sich aber wohl einfach von keinem Song trennen wollte, weil keiner davon einen annähernden Ausfall darstellt, ist eine ambivalente Entscheidung, die aber vor allem anhand von Up to You nachvollziehbar wird: Dieser gediegene, vage an Many of Horror erinnernde Dad Rock ist eh gut, aber mitnichten essentiell; er kommt einem auslaugenden Ballast gleich, ohne wirklich zu stören.
Das mit stärker akzentuierten Facetten allerdings im vierten (abermals sofort abholenden) Durchgang mehr drinnen gewesen wäre, zeigen insofern Everyone Gets Lost (das sein im getragenen Tempo begründendes Klavier zwar leider schnell wieder vergisst, nach seinen unspektakulär typisch überzeugenden Melodien und Hooks hinten raus aber ein Petty’esk souliges Gemeinschaftsgefühl andeutet, zu ohne zu dick aufzutragen) und Kinda Love, das vorsichtig eine Art dezent psychedelische Mystik im Lavalampenlicht pflegt. Notwendig hat Agent Mulder solche Flirts mit dem sanften Risiko abseits der Komfortzone freilich nicht – sie täten Album Nummer 5 mit mehr Konsequenz aber eventuell trotzdem gut.


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