David Duchovny – Every Third Thought

von am 12. Februar 2018 in Album

David Duchovny – Every Third Thought

Während David Duchovny als Agent Mulder etwas lustlos durch die aktuelle (elfte, und gemessen an den Ratings wohl auch finale) Season von Akte X wandert, überzeugt er mit Every Third Thought  in seiner Rolle als Teilzeit-Singer-Songwriter zum zweiten Mal ansatzlos.

Warum dem so ist, ist ein weiteres Mal schwierig zu bestimmen. Wie schon auf seinem (über allen Erwartungen liegenden) Talentproben-Debüt Hell or Highwater von 2015 serviert Duchovny auf Every Third Thought schließlich einen im Grunde durch und durch harmlos in der Straßenmitte vor sich hercruisenden White Guy-Dadrock. Er streift dafür Blues-, Folk- und Country-Ansätze, serviert den idealen Soundtrack für entspannte Roadtrips oder lockere Zusammenkünfte am Feierabend, und tut dies ohne Hang zur Selbstüberschätzung locker aus dem Handgelenk geschüttelt. Duchovny ist sich dabei wohl durchaus bewusst, dass seine Songs nüchtern betrachtet austauschbar generisch gestrickt sind und keine spektakuläre Individualität forcieren.
Vielleicht liegt aber auch gerade darin eine der bodenständigen Qualitäten des spät berufenen Musikers, der technische und gesangliche Limitierungen mit Hingabe (sowie natürlich primär auch durch die tollen Handwerker Colin Lee, Pat McCusker, Sebastian Modak und Alleskönner Mitchell Stewart im Rücken) auszugleichen versucht; das stete Gefühl vermittelt, es niemandem beweisen zu müssen und sich ganz der simplizistischen Freude an der Sache an sich hingeben zu können.
Wie schon auf Hell or Highwater ist der Kniff hinter dieser gewissen Authentizität, dass Duchovnys Musik (im besten Sinne) unaufdringlich nebenbei läuft, über eine unspektakulär errungene Heavy Rotation aber insgeheim eben vor allem auch das notwendige Gewicht im Songwriting offenbart, um über eine latente Gefälligkeit hinausgehend zu fesseln.

Auf Every Third Thought ist sich Duchovny dieser Fähigkeiten (sowie auch seiner zahlreichen Mängel) offenbar stärker bewusst als bisher und schlau genug, um gewonnene Erkenntnisse in einem reifen zweiten Album zu verarbeiten, das sich an den richtigen Stellen um das Quäntchen ambitionierter gibt, als sein Vorgänger. Wo die Spannungskurven der Songs etwas weiter zusammengerückt und die Songs dadurch musikalisch reichhaltiger inszeniert ausgelegt sind, ist auch die immer auf Sicherheit bedachte Produktion ohne Opulenz subtil größer und (noch) weniger kantig rockend als auf dem hungrigeren, enthusiastischeren und wohl auch energetischer ungeschliffenen Hell or Highwater inszeniert. Ein Wachstum in den Gegebenheiten, das etwaige plätschernde Passagen allerdings ähnlich routiniert kaschiert, wie Duchovnys immer noch arg dünne, monotone und keine relevante Bandbreite an Emotionen transportierende – irgendwo doch  zweckdienlich funktionierende – Singstimme.
Auch die Gesamtdynamik der Platte gewinnt dadurch, obgleich die individuelle Nonchalance einzelner Tracks dadurch weniger unschuldig und dezent kalkulierter wirkt. „I feel like this album presents a real growth lyrically and musically from the first“ sagt Duchovny – was man letztendlich so stehen lassen kann: Every Third Thought ist nicht notwendigerweise besser als Hell or Highwater, aber ein souverän neue Ansätze zeigender, zufriedenstellender Schritt in der Discografie.

Ohne gravierende Ausfälle oder unbedingt zwingende Highlights spielen Duchovny und seine Band das runde Every Third Thought souverän nach Hause, agieren nunmehr auf Sicht schlüssiger. Half Life poltert wuchtig und lässt die Gitarre aufmüpfig dröhnend braten, schwelgt danach aber harmonieverliebt und gibt sich in seinem formidablen Refrain geradezu hymnisch träumend. Der Titelsong klingt folgerichtig wie ein charmant domestizierter Pixies-Rocker, The Last First Time drückt als bieder gniedelnder Stimmungsmacher und das bedingt packende Roman Coin addiert smart funkelnde The Smiths-Gitarren zu seinem gediegenen Vorwärtsdrang. Relative Egalitäten wie das niemandem Schmerzen bereitende Jericho hinterlassen dagegen wenig Eindruck, ohne die Wahrnehmung eklatant zu schmälern, auch das dröge When the Whistle Blows rockt trotz guter Hook zu gedämpft und lässt jene Art ausgelassen mitreißender Leidenschaft vermissen, die Duchovny live zelebriert.
Ein Mangel an erkennbarer Leidenschaft, dem das Studioambiente deutlicher als bisher entgegensteht. Das nachdenkliche Maybe I Can’t driftet etwa an sich beiläufig, bis sorgsame Backroundstimmen den Song arrangementtechnisch gekonnt in die Arme schließen, wohingegen das freundlich schunkelnde Stranger in the Sacred Heart es zwar nicht wie geplant zum Titelsong geschafft hat, vor den geschmackvoll zurückgenommenen Streicher-Begleitungen aber eine feine Tempovariation an den Tag legt.
Kompositorische Wendungen, die Duchovny so bisher noch nicht gelungen sind, und für eine höhere überraschende Abwechslung im angenehmen Fluß sorgen. Übrigens auch nachzuhören, wenn sich Spiral fast dreieinhalb Minuten Zeit nimmt, um sich in sphärisch gedankenverlorenen Minimalismus zu ergehen, bevor der Song vorsichtig aufplatzt und rockigen Druck macht.

Überhaupt ist Every Third Thought gerade als Ganzes wohlüberlegt ausbalanciert. Und das nicht erst, wenn der melancholisch treibende Schlußpunkt Marble Sun den Mut zur vollkommen unaufgeregten Geste folgt. Das relaxte Mo‘ hofiert beispielsweise öde Weniger-ist-Mehr-Plattitüden („Everybody always wants the cream at the top/ But nobody knows when to stop„), schrammt jedoch nur augescheinlich an der Langeweile vorbei: Sobald Duchovny und seine Musiker einen vagen Soul-Anstrich andeuten und einen relaxten Solojam mit Blues-Gefühl in den Song einfließen lassen, ziehen sie auf die Gewinnerstraße, wo das mit Bläsern daherkommende Someone Else’s Girl lakonisch schunkelnd abgedroschene Weisheiten augenzwinkernd raushaut („When it comes to bliss, I’m a communist/../ The greenest grass is always under your own ass„) und einen fast schon funky groovenden Rhythmus zeigt.
Von tatsächlichen Experimente oder Wagnisse will man hierbei jedoch nicht sprechen. Viel eher sind das allesamt Facetten einer vorsichtig nuancierten Evolution im zweckdienlich gewichteten Songwriting, das über weite Strecken auch von den profesionellen Dienstleistern um den talentierten Komponisten und Entertainer – leidlich begabten Sänger – Duchovny getragen wird. Der bleibt kreativ in den kurzweiligen 52 Minuten eben vordergründig bei seinen wertkonservativen Leisten, formuliert seine Basics gekonnt aus. Dass er sich lyrisch über weite Strecken etwas zu elaboriert in religiösen Metaphern und pseudo-bedeutungsscheren english literature-Major-Bildern verliert, bläst Every Third Thought alleine wegen dieser stilistischen Unkompliziertheit nicht prätentiös auf.
Die Gefahr übermütig zu werden besteht also zumindest vorerst nicht: „I love Seventies funk, but I’m not good enough to play it yet. So hopefully, within the next year or so, I’ll get my jazzy chords and come out with a little Sly and the Family Stone tribute album.“ Ob man derartiges allerdings selbst als Fan braucht, darf bezweifelt werden.

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