David Duchovny – Hell Or Highwater

von am 17. Mai 2015 in Album

David Duchovny – Hell Or Highwater

Die versammelten 54 Minuten auf ‚Hell or Highwater‚ werden bis auf weiteres freilich nichts daran ändern, dass man mit dem mittlerweile 54 Jährigen zuallererst Charaktere wie Fox Mulder, Agent Bryson oder Hank Moody verbindet, bevor man an den Songwriter David Duchovny denkt. Dennoch: Dieses Debütalbum ist ein erstaunlich solide abgehangenes Stück Middle-of-the-Road-Rock über den Erwartungen geworden!

Making this record is a dream come true, but I never had this dream – it’s still a shock when I think about how all this music happened“ erklärt Duchovny mit einer angenehmen – im Schauspieler-will-Musiker-sein-Business vor allem ungewohnten – Zurückhaltung die Entstehung seines ersten Studioalbums. „What I do know is that I feel these songs represent the truest expression that I’ve ever been able to achieve and I look forward to sharing it with everyone.” Gerade diese unprätentiöse Heragehensweise ist nun auch eines der großen Trumpfasse der aufgefahrenen 12 Songs: Duchovny weiß, dass er nicht der größte Sänger ist, wenn er zwischen den Schatten von Leonard Cohen, Bob Dylan und Joe Strummer bisweilen ein wenig hüftsteif und monoton in seinen Songs aufgeht, dabei mit banal bleibenden Zeilen ala „You can’t hurt the one you already left behind“ auch gar nicht erst den Anspruch stellt, etwas anderes zu tun, als aus lyrischer Sicht weitestgehend generisch an der Oberfläche von enttäuschten Liebschaften, gefühlvollen Tributen und sozialkritischen Beobachtungen zu kratzen.

Aber Duchovny ist dafür ein überraschend routiniert auftretender Songwriter im unaufdringlichen, (grundsätzlich natürlich harmlos bleibenden) Spannungsfeld aus Barhocker-Rock, schleichendem Roadhouse-Blues und zurückgelehnt gen Country schielendem Folk, der beinahe jeden vorhandenen Mangel in der Grundsubstanz mit einem Gespür für die innere Balance, zuverlässige Hooks und charmante Déjà-vu-Melodien ausgleicht, sein vorhandenes Talent mit sympathischem Understatement präsentiert und dabei eine bescheiden bleibende Freude am Tun zu jedem Zeitpunkt vor jedweden egomanischen Zeitvertreib stellt.
Let It Rain‚ lässt so immer wieder seine Honky-Tonky-Gitarre austreten, der Titelsong lehnt sich mit leichtem Soul in eine ähnliche Springsteen-Atmosphäre wie War on Drugs und ‚Unsaid Undone‚ tänzelt ohne unnötigen Ballast beinahe in die psychedelischen Gefilde von Arbouretum. Einem Mangel an Originalität steht viel Charisma entgegen, deswegen nimmt man Duchovny noch nicht einmal etwas zu hartnäckig agierende Breitbeiner wie das geradlinig-eingängige ‚3000‚ übel, die unnötig schmalzigen Backingchöre im regelrecht absurd gutmütig daherkommenden ‚Another Year‚ oder die Bagatelle ‚Passenger‚; wo einzelne Songs ohnedies etwas zu ausführlich ausgedehnt werden, eine gewisse Identitätslosigkeit (noch) immanent ist und ‚Hell or Highwater‚ hinten raus generell dezent abfällt, bevor ‚When the Times Comes‚ und das wunderbar uferlose ‚Positively Madison Avenue‚ gelungene Storyteller-Ausflüge darstellen.

Wieviel Potential tatsächlich in Duchovnys ersten Gehversuchen als Musiker steckt, zeigt sich dann ganz allgemein sowieso am stärksten in den ruhigeren Momenten der Platte: ‚Stars‚ streichelt voller Zuversicht einen wolkenlosen Nachthimmel, ‚The Things‚ vollführt den Spagat zwischen Niedergeschlagenheit und leichtem Pop mühelos, während das mit Piano- und Streicherunterstütung an sich durchaus beschwingte ‚Lately It’s Always December‚ sogar gar nicht unerfolgreich eine ähnlich dunkle, hintergründige Melancholie wie die ‚American‚-Platten zu beschwören versucht.
Selbst ohne diese auf bestmögliche Weise gefälligen Szenen wäre ‚Hell or Highwater‚ problemlos auf der sicheren Seite angekommen, nicht einmal nur deswegen, weil es Duchovny aus dem Stand heraus gelingt einer jener wenigen Hollywood-Vertreter  zu werden, dessen musikalische Ambitionen keinerlei Selbstüberschätzung oder unangenehm beschämende Aufdringlichkeit anhaftet. Sondern, weil Ungezwungenheit und (ungeschliffenes) Können hier zu einem durchwegs angenehm zu hörenden Debütalbum führen, zu einer zwischen Buch-Release, Aquarius und Akte-X-Comeback absolut erfreulichen Überraschung, auf der sich absolut für die Zukunft aufbauen lässt. Chapeau, Agent Mulder!

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