Weezer – Weezer (Gold Album)

von am 23. August 2026 in Album

Weezer – Weezer (Gold Album)

Das Gold Album ist nicht wie mancherorts im objektiv ziemlich falschen Ranking behauptet das beste Werk der Band seit Pinkerton (allerdings alleine deswegen, weil seitdem so viele tolle Platten von Cuomo & Co. erschienen sind). Aber im ewigen qualitativen Auf-und-Ab der WeezerDiskografie ist es fraglos in der vorderen Hälfte einzureihen.

Noch wundersamer, als dass die Goldene von Weezer (wegen SZNZ) offiziell als Studio-Langspieler Nummer 20 gewertet wird, ist freilich der traditionsbrechende Umstand, dass erstmals ein selbstbetiteltes Farb-Album der Band ohne ein Foto der vier Musiker an sich auskommt. Zumindest in konventioneller Hinsicht.
Auch deswegen, weil Weezer (Gold Album) ansonsten eine so betont wertkonservativ und gar selbstreferentielle Angelegenheit geworden ist, wie vor allem die kaum subtile Undone (The Sweater Song)-Hommage C.E.O. als Meta-Kommentar über Fan-Nostalgien demonstriert: „Cranking out another nineties jam/ Wish I could do something new/ But nobody wants to hear that/ They just want the classics/ You can’t blame ‚em, really/ There’s something special about your early shit“ sinniert Cuomo erzählend und legt sich dann in den wuchtig rockenden Weezer-Saft unbedingt catchy daherkommender Hooks und bratender Gitarren: „I gotta grow up/ And be a real adult/ Stop complaining/ And give the people what they want.

Das Geheimnis des Erfolgs von Weezer (Golden Album) ist in dieser Ausgangslage, dass das Quartett über die Frischzellenkur Schauspielerei als Kollektiv einen spürbaren Spaß an der vermeintlichen Pflichterfüllung gefunden hat, es seine Stärken im Powerpop und Alternative Rock mit einem fetten, fuzzy Sound kurzerhand verdammt effektiv anvisiert.
It’s kind of a rebirth, in a cool way“ sagt Drummer Patrick Wilson (der so viele Backing Vocals wie noch nie zuvor beisteuern darf) und verortet die Platte zwischen dem blauen Album und Pinkerton.
Richtiger ist es subjektiv aber eigentlich, sie als den nach 2016 erwarteten Nachfolger des weißen Albums zu hören – wenn dieser nicht mehr von einem Leithammel Cuomo in Bestform gestemmt worden wäre, sondern von einem Teamplayer, der sich lieber auf seine Kollegen, denn auf externe Experten verlässt.

Während Cuomo neben C.E.O. nur für eine weitere Nummer die alleinigen Songwriting-Credits verantwortet (nämlich den geduldig Anlauf nehmenden und dann motiviert bouncenden, nicht besonders inspiriert nach Schema-F sofort zufriedenstellend an Bord holenden Opener Say Yes), sorgt das demonstrative Miteinander (im Gegensatz zum roten Album) hinter einer grundlegenden Homogenität und kurzweiligen Kompaktheit sowie der konstanten Form im Niveau (wie auch das rote Album) für ambivalente Erkenntnisse und Ergebnisse.
Allem voran ist da der Umstand, dass der vielleicht beste Song der Platte aus der Feder von Wilson stammt: Das existentialistische Nowhere akzentuiert seine Stromzufuhr entspannt und lässt seinen Refrain im Tempowechsel folkloristisch perlend funkeln: „Why did they, why did they clear the trees/ Just to put up some shitbox condos?“ – grandios!

Und in jedem Fall das klare Highlight einer schwächeren zweiten Album-Hälfte, in der Hoops im Hamsterrad betont holzschnittartig und simpel durch 08/15-Reifen springt, der aber an sich ebenso wenig falsch macht wie der grundsolide Standard The Show Must Go On (dem bis auf seine „On and on and on and On“-Parts höchstens das gewisse Etwas fehlt), Up in the Clouds (das sich erst ans Lagerfeuer setzt, in der Jake Sinclairs imitierenden, passgenau fokussierten, jedoch soundtechnisch nicht sonderlich aufregenden Produktion von Klas Åhlund und Kenneth Blume aka Kenny Beats lieber tolles Business as usual liefert) sowie dem als Déjà-vu Spannungen aufbauenden Closer The LA Sound, der Weezer symptomatisch einen klisscheehaften Fanpleaser mit Hunger, Energie und packender Kraft spielen lässt.

Aber gut, im Schatten der wirklich starken A-Seite der Platte ist dies absolut relativ zu verstehen, so wie gleich das in wuchtiger Heaviness schunkelnde Shine Again unheimlich viel Bock macht – und die superben Singles und Ohrwürmer sich danach die Klinke in die Hand geben.
Don’t Make It Weird stampft und lehnt sich dann am Gaspedal für eine lyrische Sternstunde („Some people call me „River“/ And then they tell me that I don’t got any flow“) zurück und der Instant-Singalong We Might as Well Be Strangers mit Wednesday das Momentum des viral gegangenen Go Away mitgenommen hat. „I was Nancy, you were vicious, uh-huh/ Now I’m not sure I even miss us, uh-huh If/ I sang you a song/ Would you still sing along?“.
Da ist dann in der melodieseligen Sehnsucht an den Wurzeln auch eine bittersüße Tiefe, die dem schnell erschlosseneen Gold Album sonst abgeht. Was ein elementerer Grund ist, weswegen wir es sicher nicht mit dem besten Album seit Pinkerton zu tun haben. Aber immerhin mit dem – je nach Zählweise – stärksten seit SZNZ: Spring oder Ok Human.

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