Death Cab for Cutie – I Built You A Tower

von am 21. Juni 2026 in Album

Death Cab for Cutie – I Built You A Tower

Das inhaltlich phasenweise arg düstere I Built You a Tower gibt mutmaßlich Anlass zur Besorgnis hinsichtlich der psychischen Verfassung von einem am Trennungsschmerz leidenden Ben Gibbard. Seine Band selbst ist dagegen endgültig wieder auf der qualitativen Sonnenseite des Indie-Lebens angekommen.

Mit den beiden EPs Blue und Georgia war Asphalt Meadows ja die über allen Erwartungen abliefernde Krönung der nach Kintsugi und Thank You For Today wieder nach oben zeigenden Formkurve von Death Cab for Cutie. Und noch wichtiger: Es war kein Strohfeuer. Denn der Nachfolger I Built You a Tower hält als elftes Studioalbun der Band das vor vier Jahren demonstrierte Niveau – zumindest beinahe. Denn im direkten Vergleich waren die einzelnen Highlights 2022 zugegeben noch ein bisschen überragender, wenngleich das Gesamtpaket nun dafür kompakter und in Summe vielleicht sogar insgesamt minimal hochwertiger ausfällt.

Der Eindruck, den I Built You a Tower innerhalb seiner einzelnen Songs hinterlassen wird, ist dezent weniger befriedigend oder erhebend. Stets scheint das kleine Quäntchen Genieblitz zu fehlen, um das das vorhandene Potential tatsächlich auszuloten und aus rundum tollen Bausteinen ein wirklich herausragendes Erlebnis zu machen.
Diesen Umstand bedingend ist es im Umkehrschluss paradoxerweise so, dass sich I Built You a Tower nicht nur wie ein später geborener (abermals von Produzent John Congleton passgenau mit einem organischen Sound samt angenehm rauer Rhythmussektion auf die Welt gebrachter) zweieiiger Zwilling von Asphalt Meadows, sondern sogar ein bisschen mehr noch wie ein beinahe klassisches Death Cab-Album anfühlt.

Das beginnt schon beim reduziert startenden Opener Full of Stars, in dem Gibbard mit Gitarre und Piano so tröstlich und behutsam vorsichtig Spannung aufbaut, um sie von seinen Bandkollegen verhalten im Sternenhimmel auflösen zu lassen. Das bezaubernde Pep Talk wirkt wie eine Erinnerung an Plans und Stone Over Water tickt so berührend wie erhebend.
Das tolle Trio aus dem catchy Trap Door (in dem der Synth poppiger gen 80er-Wundersamkeit pluckert), Riptides (als Andeutung einer großen Geste) und dem als vager Ohrwurm shakend in den Arm nehmenden The Flavor of Metal sorgt zudem dafür, dass die Platte über die volle Distanz auf einem konstant hohen Niveau fesselt und nie nicht fesselt.

Für die beiden griffigsten Szenen sorgen dagegen überraschend rockig angelegte Ausbrüche – Punching the Flowers rumpelt als Instant-Ohrwurm polternd mit schmissigen Verve nach vorne und hat sogar noisige Tendenz, derweil How Heavenly a State mit postpunkiger Attitüde joggt – die gerne etwas von ihrem Elan an das schwelgend-stacksende Envy the Birds oder dem Wohlklang I Built You a Tower (A) – der auf seine Auflösung im Closer I Built You a Tower (A) zu lange warten muss – angeben hätte können.
Doch selbst in diesen weniger unmittelbaren Szenen operieren Gibbard und Co.  wieder mit einer Zuverlässigkeit, die ihrem Status Quo angemessen ist. Und wichtiger als das fehlende Stäubchen Magie ist sowieso eine andere Sache: Muss man sich angesichts der mitunter wirklich dunklen und bedrückenden Texte der Platte entlang solcher Zeilen wie „The acceptance of collapsing/ Under unspeakable weight“ womöglich ernsthafte Sorgen um den scheinbar (wieder einmal) vom Leben und der Liebe gebrochenen Ben Gibbard machen?

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