Death Cab For Cutie – Thank You for Today

von am 24. August 2018 in Album

Death Cab For Cutie – Thank You for Today

Death Cab for Cutie haben sich mittlerweile in einer schmerzfreien Massenmarkt-Gefälligkeit eingependelt. Das ist schade. Allerdings funktioniert ihr einst so herzerwärmend-ergreifender Indierock auf Thank You For Today doch wieder überzeugender als zuletzt.

Die Songs sind dabei gar nicht per se inspirierter als zuletzt auf Kintsugi, dem enttäuschenden Autopilot-Abschied von Chris Walla. Mit einer dem Kitsch nicht abgeneigten Glätte laufen Death Cab for Cutie schließlich auch auf Thank You for Today eher weiterhin ansatzlos auf routinierten Schienen, pflegen eine primär angenehme und hübsche Ästhetik, die rundum wohlwollend meditativ umspült, aber im Vergleich zu unsterblich zeitlosen Alben wie Transatlaticism aufgrund ihrer unbedingten Bekömmlichkeit eben auch nicht mehr so ergreifend oder emotional überwältigend funktioniert – das Fünkchen Magie im Fahrwasser von Ben Gibbards Solosongs von einst eben vermissen lässt.
Dennoch bleibt von dem betörenden Thank You for Today trotz allem wieder mehr hängen, als zuletzt. Was auch an der vorsichtigen „Modernisierung“ des typischen Death Cab-Sounds liegt, der sich auf einem rundum reflektierenden achten Studioalbum der Band nur zu gerne in ein latentes 80er-Flair lehnt.

I Dreamt We Spoke Today läuft als versöhnlicher Softrock unverbindllich dahin und zeigt ein schönes Zusammenspiel aus entschleunigten Beats, entspannten Gitarren, nonchalanten Synthieflächen und Gibbards mit Effekten belegter Stimme, wie auch das tanzbare Near Far mit geschlossenen Augen keine konkrete Destination hat. Summer Years klingt dagegen wie eine Melange aus In Rainbows mit markanter The Cure-Aura in der anmutigen Stimmung einer schwerelos schwebenden Nostalgie, die hinten raus vorsichtig einen majestätischeren Überbau bekommt, der aber zaghaft und vage genug bleibt, um niemandem wehzutun.
Die den Weg aus der Komfortzone anttäuschende Single Gold Rush addiert leichtes Gospel-Flair zum geloopten Sample und der subversiven elektronischen Ausstrahlung, und die wartierte stampfende Bassdrum und 80er Klangmalerei von When We Drive ist freundlicher Rock, der ohne Hast an Fahrt aufnimmt, nicht notwendigerweise aber an Dynamik.
Überhaupt diese permanente Zurückhaltung: Die einleitende Akustikgitarre von Autumn Love führt zu einem gelöst aufgehenden Refrain, in dem die Band munterer wirkt, aber partout nicht übergeht – und Northern Lights hat sich den Drive und das perlende Piano von Robert Smith abgeschaut, verschwendet aber The Chvrches-Gast Lauren Mayberry in der vollkommenen Unscheinbarkeit, bevor 60 & Punk als minimalistisches, trauriges Kleinod von einem Zeitlupen-Schwofer die Zuversicht für die Zukunft der Band am Leben hält.

Bei aktiven Konsum können gewisse Aspekte von Thank You for Today gerade wegen des wieder höheren Grades an erinnerungswürdigen Songs dennoch frustrieren. Weil sich praktisch keine Komposition entwickelt, alle nur um eine Grundidee kreisen. You Moved Away hat etwa zwar eine nachhallende Hook, klingt als ätherisch pulsierende Grandezza in dieser Ausrichtung jedoch dennoch beinahe wie schöngeistig plätschernde Sinn- und Ziellosigkeit.
Zudem die Performance: Nicht nur in Your Hurricane, an sich ein klassischer Kanon-Song, klingt Gibbard, als wolle er sich um keinen Preis verausgaben und so vage wie möglich mit Samthandschuhen gestikulieren, während seine konsequent um jede Ahnung von Laustärke herumspielende Band nur ja keine Intensität erzeugen dürfe. Überhaupt pflegt Gibbard mittlerweile textlich eine mit kaum noch intim nachwirkende Pseudo-Tiefgründikeit zu Werke gehende Banalität mit Kalenderspruch-Mentalität.
Böse sein kann man Death Cab for Cutie deswegen allerdings nichtsdestotrotz kaum: Als luftig-melancholischer Soundtrack für lauer Sommerabende schmeichelt sich das zur seichten Berieselung neigende Songwriting entlang zehn solider Standards gerade über die angenehm kompakte Spieldauer von gerade einmal 39 Minuten aus dem Hintergrund in die beiläufige Heavy Rotation, umspült und bettet weich. Auch wenn der Konsum von Thank You for Today nicht wie der Genuss der besten Alben der Band erfüllend wirkt – eine knappe halbe Stunde mit durchschnittlichen  Death Cab for Cutie ist halt dennoch schöner, als eine ohne.

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