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Duke Garwood + Paul May – The Bliss of Myth

Duke Garwood + Paul May - The Bliss of Myth

Morphiner Voodoo-Blues, der bis zum Jazz halluziniert: Duke Garwood und Paul May veröffentlichen ihre einige Jahre in den Archiven verschollene Kooperation The Bliss of Myth.

Drei Jahre sind seit dem jüngsten Soloalbum von Duke Garwood bereits ins Land gezogen. Zeit, die er vor allem gemeinsam mit Mark Lanegan verbracht hat – und mutmaßlich auch mit Schlagzeuger Paul May. Denn die exakte Verortung des nun wie eine verwaschene Erinnerung auftauchenden The Bliss of Myth bleibt passenderweise offen, wie die Linernotes zur spontan kommenden Veröffentlichung darlegen: „What a time we are in, the great unveiling. Musicianeers make music, whenever and however they can, apocalypse or not. A few hot summers ago, two dudes hung out, with a drum kit, a detuned axe, a tape machine, some Mary and some time – the ingredients for this soup. After a few days the tape machine broke, and the tapes went into the box with all the other tapes. Jump clean over a few years and the box that time forgot gets opened, the tape machine now fixed, a beautiful beast awakes: The Bliss of Myth. It’s a bit awkward for us to do retail, so we don’t. Think of this as apples on the driveway, you give what the apple is worth to you. If you have the change, leave what you like, if you don’t, and you need an apple, then take one.  As the universe flows, so do we, for we are stardust, and we know it. Stay safe.

Wo man das beschriebene Aufnahme-Szenario durch die versammelten 39 Minuten imaginative Bilder zeichnend konserviert sieht, setzen sie den Weg der nominellen Alleingänge Garwoods nun weitestgehend nahtlos fort, eventuell auf den ersten Blick etwas weniger stark akzentuiert ausgearbeitet, als etwas Heavy Love (2015) und Garden of Ashes (2017).
Dabei tut sich in den Facetten und Nuancen bis zum individuell etwas ausdrucksschwächeren Finale der Platte durchaus so einiges. Turn on the Lights liebäugelt etwa über eine subtile Orgel mit der Psychedelik und Desert High zappelt mit markanter Hi-Hat zur hippiesk skizzierten Hook im Refrain. Das nominelle Interlude ist eine entschleunigte Meditation im Reverb, während das tatsächliche Intermezzi Polar Jaunt als Instrumental in orientalischer Tempelmusik badet und das ebenso ohne Garwood am Mikrofon inszenierte Caesar mit stacksenden Drums und trippigen Blechbläsern für die beste Ausrichtung von The Bliss of Myth steht – die jazzige.
Nachzuhören auch im über rollende Toms zum sedierten Klapperschlangenfiebertraum rund um Saxofon und Co. seine Trance ausbreitenden Volcanic Syrup; oder noch bestechender dem grandiosen Herzstück Rocco’s Blues, das hier in Wellen aufbrandend mit rituellem Tanz und deliranten Chops die Tiefe des Südens als Impro-Jam beschwört.

All diese Aspekte wehen jedoch körperlos durch einen ungezwungenen Reigen in homogener Ästhetik, passieren gefühlt wie nebenbei, drängen niemals in den Fokus der Aufmerksamkeit. Sparsam ausgelegt döst The Bliss of Myth hinter einem halluzinogenen Schleier, bleibt eben weniger markant anhand einzelner pointierter Szenen hängen, als vielmehr durch seine ganzheitliche Atmosphäre, die den Blues in distanzierter Glut vor dem inneren Auge verschwimmen lässt, unwirklich aus Raum und Zeit gefallen wirkt, wenn sich Garwood wieder über schnöde Begriffe wie Vintage oder Retro hinweghebt. Das ist analoge Transzendenz.
Mays Schlagzeugspiel, das zutiefst entspannt auf einem minimalistischen Kit so unsagbar sanft die Schattierungen vorgibt, harmoniert dabei grandios mit dem Signature Sound des 51 Jährigen Garwood und dessen Songwriting, das typisch strukturoffen ohne Konturen einmal mehr wie die Seance purer Stimmung anmutet. Und eben: Viel zu schade für die Mottenkiste gewesen wäre, wenn man doch ohne Distanz sofort mitten drinnen ist, in diesem intuitiven Rausch.

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