Mark Lanegan & Duke Garwood – With Animals

von am 28. August 2018 in Album

Mark Lanegan & Duke Garwood – With Animals

Fünf Jahre nach Black Pudding experimentiert das kongeniale Duo Mark Lanegan und Duke Garwood auf seinem zweiten Kooperationsalbum With Animals, wie konsequent sich ambienter Blues das Fleisch von den Knochen schälen lässt.

Während der Londoner Voodoo-Multiinstrumentalist Garwood in den vergangenen Jahren mit Heavy Love (2015) und Garden of Ashes (2017) traditionsbewusst zur konstanten Hochform auflief, hat sich sein alter Kumpel, die Seattle-Legende Lanegan, ja zuletzt bevorzugt in elektronisch geprägten Gebieten verirrt, um sein Spektrum mit durchwachsenem Erfolg zu erweitern.
Diese Perspektive rückt Garwood auf With Animals, einem konzipierten „healing Album“, nun wieder ein wenig zurecht. Er gönnt Lanegan seine synthetisch unterfütterten Interessen dabei durchaus noch, bringt sie aber in Relation, indem er sie auf ein skelettiertes Minimum reduziert: Eine kalt in die Leere davonlaufende Drummaschine bietet die Grundlage zahlreicher Songs, einzelne Effekte und verspulte Klänge wummern begleitend darüber. Garwood füllt den restlichen, scheinbar endlos in die Tiefe führenden Raum darum herum mit seinen fiebrig-unterkühlten Blues-Gitarren-Trademark-Gewächsen auf, lässt die Atmosphäre als direkte Fortsetzung zu Black Pudding irgendwo im brütenden Staub von Nick Cave wachsen und beschwört eine beklemmend intensive Stimmung, die sich thematisch zwischen wenig Himmel und viel Hölle spannt.

Der Opener Save Me gibt insofern die stilistische Prägung adäquat vor. An die abgedämpften Konserven-Beats schmiegen sich mysteriöse Klangschleifen und sinistere Soundflächen in die Düsternis. Mit viel Hall auf den Stimmen beten Garwood und Lanegan ihren unheilschwangerer Blues für die Postapokalypse oder zumindest die finstersten Stunden der Nacht, flehen mit einer gewissen Resignation: „Midnight children sing your harmony“.
Auf derartig minimalistische Hypnosen und meditative Trancezustände baut With Animals in weiterer Folge gebetsmühlenartig, aber ohne jeden Zwang auf.
Auch Feast to Famine ist etwa ein entschleunigt schleppendes Stück Outlaw-Kunst, die entrückten Bläser (?) in My Shadow Life klingen wie kaputte, abgekämpfte Begleiter über verbrannter Erde. In Scarlett pulsiert die Drum Machine wie ein lebensmüder Herzschlag in Zeitlupe, während das Gerüst von einer einsamen Sinnsuche namens L.A. Blue sich so karg einklatschen lässt, dass es auch Paul Plut gefallen wird.
Stets bleiben Lanegan und Garwood dabei im Zwielicht, arbeiten ihre Songs keineswegs konkret aus, sondern entschlacken sie fragmentarisch und skizzenhaft zur Projektionsfläche. Das hinterlässt insofern über weite Strecken wohl ganz bewusst auch ratlos und unbefriedigend als Sündenpfuhl, der sich selbst kasteit und mit einer absolut fesselnden Präsenz in den Bann seiner Aura zieht.

Nur selten gönnt sich das destruktivierende With Animals in dieser Veranlagung durchatmende Momente – diese streichelnd dafür umso intensiver. Upon Doing Something Wrong lichtet das Szenario etwa mit gezupfter Akustikgitarre, dezent pastoral erhebendem Synthiehintergrund und versöhnlich singenden Stimmen, die in den Texten versuchen Zuversicht und Hoffnung zu finden. Lonesome Infidel ist ein rückwärts abgespielter Drone – darüber ein vergleichsweise heller Gesang der beiden Dunkelmänner, „Liquid Lucifer“ und irgendwann pfeift Lanegan die Melodie gar in das Höhlensystem der Komposition.
Schwer zu sagen auch, ob man sich mit Fortdauer von With Animals nur immer besser an das unwirtliche Wesen der Platte gewöhnt, oder ob sich Garwood und Lanegan tatsächlich immer mehr mit ihrem Ungetüm und der inneren Unruhe aussöhnen.
Bereits der Titelsong erscheint wie später auch One Way Glass hinter dem losen Konstrukt seiner Existenz jedenfalls bereits wie ein im Grunde beinahe poppiger, zugänglicher Song, während Ghost Stories als ätherische Gitarrenkontemplation so nachdenklich und melancholisch wie behutsam und gefühlvoll eine gewisse Zugänglichkeit sucht.
Spacemen könnte mit schärferen Konturen gar Party machen, hat diesbezüglich aber natürlich keine Ambitionen und bleibt ein vage gehauchtes Kopfnicken, bevor der friedfertig gezupfte Desert Song beinahe eine Ballade ala Gustavo Santaolalla liefert. Letztendlich eventuell wie vieles hier nur ein Trugbild. With Animals will schließlich bestenfalls Heilung bieten, nicht unbedingt Trost und sicherlich keine Erlösung.

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