Elder – Through Zero
Als fulminante Einheit hat ausgerechnet die nominelle Altlast Liminality / Dream State Return, derer es sich 2025 im Vorfeld des siebten Elder-Albums erst einmal zu entledigen galt, die Erwartungshaltungen an Through Zero nach oben geschraubt.
Wobei die Ansprüche an das mittlerweile längst zur eingeschworenen Einheit zusammengewachsene Quadrat aus Nick DiSalvo, Jack Donovan, Mike Risberg und Mathew Couto eigentlich ja frei von etwaigen Amplituden immer hoch ist: Dass Elder liefern, ist Usus.
Weswegen es eigentlich auch müßig ist, angesichts der konstanten Zuverlässigkeit der nach Deutschland übersiedelten Band einmal mehr drauf hinzuweisen, wie verdammt gut Elder in dem sind, was sie tun; indem sie sich, obwohl sie grundsätzlich so durch und durch eklektisch veranlagt sind – mehr noch, die Verehrung der Band für den fulminanten 70er-Lauf von Yes vielleicht noch nie derart offenkundig wie heute war! -, eine ganz eigene, unverkennbare Nische erarbeitet haben.
Doch es zu erwähnen scheint notwendig, ist diese Gesetzmäßigkeit angesichts Through Zero doch eventuell noch beeindruckender als bisher schon.
Through Zero setzt die Evolution von Elder sicher auch fort, bestätigt sie aber vor allem und lässt die Nuancen der vergangenen 10 Jahre und des stabilen Personalkaders in 54 Minuten kulminieren, die mutmaßlich sogar einen neuen Zenit im Schaffen der Band darstellen. Einem, dem man eigentlich höchstens vorwerfen kann, dass all die Trittsicherheit nicht mehr so aufregend ist, wie es die Frühphase der Diskografie mitunter noch war.
Mitunter selbstsicher und unaufgeregt an Reflections of a Floating World von 2017 anschließend, transzendieren DiSalvo und Co. die Lavalampen-Äquivalente von Stoner-Riffs und unverbindlich aufgegriffene Hooks in einer butterweichen Prog-Heaviness, finden auch wegen zu Lore schielenden Abfahrten in Sight Unseen ohne wirkliche Härte etwas kurzweiliger auf den Punkt als auf Innate Passage (2022) und inhalieren wie selbstverständlich die formoffenen Strukturen des progressiven Space Rock oder psychedelischer Heavy Psych in ihre Formel – wenn das 2015er Meisterstück die Fury Road der Band war, ist Through Zero also eventuell eine Symbiose aus Dune und Interstellar?
In Sigil to Ruin zieht die Rhythmussektion tight und geerdet an, grummelt rollend, während die Gitarren ätherische Schleifen um ein Weltraumabenteuer ziehen und sich mit retrofuturistischen Synth-Flächen und kontemplativ verträumten Vocals (beides übrigens Elemente, die wohl noch nie derart konstant und schlüssig im Sound aufgegangen sind) im jede Facette gut zu hören lassenden Klangbild als Synergie zusammenfügen.
Dass der Opener hinten raus zupackt, aber dennoch wie ein vorangestellter Prolog der Platte klingt, passt – auch, weil der Closer Blighted Age als exemplarisch subversiver Ausklang mit leicht und luftig aus der Beiläufigkeit gezogenen Akustik-Flair diesen Klammer-Aspekt am anderen Ende des Albums ebenso stimmig abrundet.
Capture & Release gönnt sich insofern auch erst einmal ein cinematographish aus den Tasten pluckerndes Intro, bevor der Song fast funky mit Licks zu grooven beginnt und dennoch auch alles assimiliert, was einen knackigen The Sword-Ritt Jenseits des hardrockigen Doom und Stoner ausmacht – nur damit Elder dann auch noch eine Art leichtgängig funkelnden Post-Metal mitnehmen; dessen Schraffuren von jeglicher metallischer Schwere befreit wurden, derweil die Zügel zum kosmischen Veitstanz enger gezogen werden.
Das frickelnde Titelstück wird dagegen von einer unbeschwert optimistischen Aufbruchstimmung beflügelt, die sich erst lichtet und dann ein drückendes Trance-Wechselspiel im Warp-Tunnel der halluzinogenen Farben veranstaltet. Strata ist sogar noch besser, indem es sich bei aller Abgeklärtheit ein wundersames Staunen über die bereisten Welten behalten hat. Das ist eine Schönheit, die nicht stillsitzend jammen will, sich im Kreis drehend oszilliert, und als Trip in das Kaninchenloch in halluzinogene Kaleidoskop-Optik fasziniert. Auf subversive Weise. Denn wie gut Through Zero in dieser und allen anderen Phasen ist, daraus machen die Exil-Amerikaner keine große Sache, sondern füllen bewusst vertraut den Hintergrund und entwickeln „mit dem nächsten Elder-Album eben“ ein Suchtpotential, das seinesgleichen sucht.


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