Everything Everything – A Deeper Sea

von am 28. Februar 2018 in EP

Everything Everything – A Deeper Sea

Mit dem nicht zuletzt auf der Insel für Erfolge sorgenden A Fever Dream haben Everythibng Everything vergangenes Jahr ihr viertes exzellentes Studioalbum am Stück vorgelegt. Nichtsdestotrotz ist es gefühltermaßen dennoch das Stiefkind in der Diskografie der englischen Artpop/Indierock-Frickler. Daran hätte auch das auf A Deeper Sea nachgeworfene Material wenig geändert.

Wirklich falsch machen Everything Everything auf den 17 Minuten dieses formell als EP firmierenden Nachschlags freilich wieder nichts. Einzig den Tom Vek Remix von Ivory Tower hätte man sich vollends sparen können. Zwar ist die Idee ganz nett, den Song zuerst von noisig-oszillierenden Gitarren begleiten zu lassen und den behäbigen Beat mit einer düsteren Synth-Wucht zu verstärken, doch übersteigert der gesampelte Einsatz des „I’m in the Ivory Tower„-Refrains die repetitiv konstruierten Strukturen der Neubearbeitung schnell in die nervende Penetranz. Interessant im Ansatz, aber nichts, wofür man öfter zu A Deeper Sea zurückkehren wird.

Deutlich essentieller ist da schon das restliche Material der überraschend veröffentlichten EP. Obwohl praktisch unmittelbar klar ist, weswegen es die Songs nicht auf das A Fever Dream geschafft haben.
Wobei die Entscheidung im Selektionsprozess zumindest hinsichtlich des rundum schönen The Mariana noch knapp ausgefallen sein könnte, pumpt das Highlight von A Deeper Sea doch mit sanfter Eleganz dahin und forciert die atmosphärisch-balladeske Seite von Everything Everything mit ätherischem Wohlklang sowie einer treibenden Dynamik, die Melancholie traumwandelnd tanzbar macht. „It’s about male identity and suicide and the current crisis there is, whether you believe it or not, with being male. I’m trying  to get my head around that and thinking about it quite a lot so I wrote this song. There’s a line about drifting down into the dark sea and falling into the barrier and the [Mariana] trench. It’s another way to talk about all of these things like depression.“ erklärt Sänger Jonathan Higgs.
Das aufgekratzte Breadwinner  positioniert sich dagegen in einer globalen Welt am Abgrund, stapft mit seinem groovigen Rhythmus smart-hibbelig dahin, klingt aber letztendlich eher wie ein leidlich inspiriertes Amalgam aus einigen älteren Songs der Band – quasi ein Everything Everything-Standard by the numbers, dem jedoch der existenzielle Funke Genie und Leidenschaft fehlt.

Das starke Neil Young-Cover Don’t Let It Bring You Down zeigt die Band wiederum von ihrer verletzlichen Seite, sparsam am Piano-Keyboard  gelehnt inszeniert und mit sehnsüchtigen Aufbegehren schwelgend. Hinten raus ziehen die Spannungsbögen ein klein wenig rückkoppelnd rockiger an, bis die Gitarre sogar aufmüpfiges Radiohead-Flair verströmt. Ein feines Fan-Schmankerl, das Everything Everything da in Maida Vale Studios der BBC eingespielt haben.
Was dann auch für A Deeper Sea im Gesamten gilt: Komplettisten und unersättliche Anhänger stellen sich dieses irgendwo doch als halbgares Sammelsurium anmutende Zusammenstellung selbstverständlich zufrieden in die Sammlung – selbst sie werden sich dabei jedoch eingestehen müssen, dass Everything Everything bereits bessere Ausschussware als B Seiten/ Bonustracks aufgefahren haben.

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