Evoken – Hypnagogia

von am 25. Dezember 2018 in Album

Evoken – Hypnagogia

Sechs Jahre nach Atra Mors transportieren Evoken ihren patentierten Funeral Doom für Hypnagogia in hellere Gefilde, fügen Streicher ihn ihre synthieschwangere Zeitlupen-Landschaften.

Das erst sechste Studiowerk der Band aus New Jersey in knapp 24 Jahren ist tatsächlich das erste Konzeptalbum der Institution: Die fiktiven Tagebücher eines Soldaten im ersten Weltkrieg haben suizidale Auswirkungen auf seine Leser.
Für diese Rahmenhandlung addieren Evoken zu ihrem Signature Sound klanglich bisher ungekannte Aspekte, bringen hymnische Streicher in das meisterhaft verinnerlichte Spektrum aus massiven Riffs, (obligatorisch arrangierten) flächigen Synths und heavy malträtierenden Rhythmen, den Death-affinen Growls und doomigen Röcheln sowie (zu pathetisch leidend) rezitierenden Passagen, die die Handlung weiterspinnen.

So lichten Evoken ihren depressiven Morast trotz einer immer noch beklemmenden Dichte in dezent optimistischere, auch irritieren könnende Höhen, ringen ihren typischen Trademarks auf Hypnagogia neue Facetten ab bleiben relevant und hungrig, würdigen das Erbe von My Dying Bride weiterhin nuanciert.
Allerdings kann das Songwriting ohne den Hang zur garstig bodenlosen Tiefe dahinter diesmal nicht ganz die gewohnte Klasse erreichen. Hypnagogia bleibt in seiner atmosphärisch einnehmenden Sogwirkung ein für das Genre zwar überdurchschnittlicher, für Evoken-Standards jedoch nur solider Brocken. Immer wieder scheint die Platte schließlich über nicht zu Ende gedachte Fäden ein wenig zu mäandern. Evoken erreichen wie zufällig strahlende Plateaus, ohne den Weg dorthin jedoch schlüssig zu beschreiben (ein Valorous Consternation klingt mit seinem mystischen, folkigen Mittelding etwa wie ein Fragmentesammelsurium), oder die erarbeitete Aussicht adäquat zu nutzen – beinahe so, als könnte die Band nicht restlos zwingend mit der sich immer wieder auftuenden Schönheit umgehen.

Freilich Jammern auf immens hohem Niveau: Ganzheitliche Nummern wie den unmittelbar packenden, herrlich schwergängigen, dann böse tackernden und verträumt perlenden Opener The Fear After oder dem melancholischen zu heroischen Leads findenden Schadenfreude bis zur imposant aufzeigenden Schlussphase hängen ein Gros der Konkurrenz mühelos ab, sind homogene Eindringlichkeiten.
Den Rest erledigt  das stimmige Gesamtgefühl von Hypnagogia sowie das erstaunlich kurzweilige Gewicht dieser im Ansatz (und alleine grundlegend) ebenso starken, wie im Kontext der restlichen Diskografie auch ein wenig enttäuschenden, weil dezent unausgegorenen Platte. Mit jedem neuen Durchgang stellt dieser Grower jedoch auch in Aussicht, eventuell nur ein Übergangswerk vor dem nächsten Meisterstück der Institution Evoken zu sein.

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