Grouper – Violet Replacement

von am 18. März 2012 in Album

Grouper – Violet Replacement

Nach dem brillianten A | A – Doppelschlag entfernt sich Grouper wieder weiter vom herkömmlichen Songformat: ‚Violet Replacement‚ dokumentiert das Niemals-Ankommen der ewig suchenden Soundtüftlerin Liz Harris.

Mag die Intention hinter Harris verschrobenen akustischen Traumwelt auch so greifbar sein, so frei schwebend entzieht sich die Musik schlußendlich jedweder Griffigkeit. Auch, weil sich unter ihrem Soloprojekt- Alias Grouper die Grenzen zwischen den Genres auflösen, mehr noch, adäquate Begriffe sich selbst aufweichen. Grouper ist Ambient, ist Drone, Shoegaze und auch irgendwie Folk. Es ist nichts von alle dem und in seiner Gesamtheit viel mehr. Eine zeitlose Ahnung anderer Epochen, anderer Welten. Un selbst im siebten Jahr des Projekts stehen nach unzähligen Veröffentlichungen jedweder Form die Zeichen ungebrochen auf Experimentirwut.

Zwei Songs in knapp 90 Minuten sprechen da eine klare Sprache. ‚Violet Replacement‚ ist eine Geisterbahnfahrt durch beklemmende Dronewolken geworden, eine Soundcollage aus düsterem Ambient und ineinander überfließenden Klangmustern, die sich jedweder Handfestigkeit verweigern, natürlich. Als Mittelding zwischen Live Aufnahme und psychedelischer Inszenierung legen sich das 37 Minütige ‚Rolling Gate‚ und das 52 minütige ‚Sleep‚ – keine Songs an sich, Bezeichnungen für die Dauer der jeweiligen Exkursion viel mehr – ihren Namen entsprechend wie wärmende Schleier des Unbehagens über die stickige Luft, ein ätherischer Erfahrungsbericht für den man sich öffnen muß. Mehr noch als auf den vorangegangenen Veröffentlichungen Groupers gilt deswegen: Hierfür muß man in der Stimmung sein und bestenfalls nicht bei dreißig Grad im Park sitzen.

Dass ‚Violet Repacement‚ bloß mit Diktiergeräten und Kassettenrekordern aufgenommen wurde, hört man dem gespenstisch dichtem Ungetüm zu keiner Sekunde an. Spartanisch bewegt sich Harris ohne nennenswerte Instrumentierung abseits  eingefügter Field Recordings, verfremdeter Wurlitzerschleifen und analogen Bandsalat, verzichtet auf ‚Violet Replacement‚ auf Gesang , der Zugang selbst für eingefleischte Fans ein schwieriger sein – weswegen die Doppel CD gleich in derart geringer Auflage vertrieben wurde, dass sich das ohnedies nicht jeder ins Haus holen kann. Ein Liebhaber Ding oder Randgruppenspinnerei. Keine Melodien, keine erkennbaren Strukturen, dafür eine pure, nahezu spirituelle Reise in die Soundästhethik Groupers. Musik – im weitesten Sinne – die man sich im Shufflemodus mit Artverwandten wie Mount Eerie und Sunn O))) reinziehen kann, die aber dennoch klingt wie nichts anderes da draußen.
Das kommt natürlich zu keinem Moment auf den Punkt, will aber auch niemals ankommen. Denn für Grouper ist der Weg ist das Ziel, die Reise eine verschwommenes Vision.

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