Hanni El Khatib – Head In The Dirt

von am 10. September 2013 in Album

Hanni El Khatib – Head In The Dirt

Das Zweitwerk von Hanni El Khatib stellt wieder einmal die Frage, was genau Bands (bzw. eben Solomusiker) dazu verleitet, sich mit Dan Auerbach als Produzenten in dessen Nashville-Studio zu begeben. Wahrscheinlich die Gewissheit am Ende ein  bombensicheren Hitalbum in den Händen zu halten. ‚Head in the Dirt‚ opfert dieser Logik folgend jedwede Individualität und klingt mit einer Horde schamloser Ohrwürmer wie ‚El Camino 2.0‚ – und damit wie nahezu jede betreute Arbeit des Black Keys-Gitarristen.

Eingängige Hits schreiben, das konnte Hanni El Khatib natürlich immer schon. Weswegen man dem Autodidakten zahlreiche Songs seines DIY-Einstandes ‚Will the Guns Come Out‘ zur Untermalung von Werbespots und TV-Serien nachvollziehbarerweise aus den Händen riss. Eben das wird sich mit ‚Head in the Dirt‚ keinesfalls ändern, das Gegenteil ist zu erwarten: der am Lo-Fi entlangschrammende Garage-Rock’n’Roll des Vorgängers wurde reichhaltiger am Pop schmiegend ausgebaut, retrofrisch aufpoliert und weichgespült, Kanten wurden abgerundet und der Grad der Zugänglichkeit der Songs zusätzlich erhöht. Dafür sorgt alleine die Vintage-Produktion Auerbachs, der ‚Head in the Dirt‚ sein aus der Zeit gefallenes, gefühlvoll bluesiges Trademark-Soundkostüm ohne Schrammen, Kratzer und Schmutz überstülpt. Das passt natürlich alleine schon insofern, weil Hanni El Khatib offenkundig seit jeher gerne die Cramps oder Jon Spencer gehört hat und die frühen Black Keys-Platten innig verehrt – daraus machte schon ‚Will the Guns Come Out‚ zu keinem Zeitpunkt ein Geheimnis. Auch weil nun aber eine Zähmung zwischen Kalkül und Professionalität die bisherigem Tugenden wie Enthusiasmus und Direktheit weitestgehend ablösen, geht ‚Head in the Dirt‚ gerade durch die tatkräftige Unterstützung von Zufallsbekanntschaft Auerbach in seiner Heldenverehrung und Nahverwandtschaft doch zu weit.

Intonation, Stimmeffekt, der wohlige Groove, der soulige Schleier über allem, alleine die Melodien: wäre Auerbach hieran nicht beteiligt gewesen, müsste sich El Khatib wohl doch einige Plagiatsvorwürfe gefallen lassen. So aber unterstreicht ‚Head in the Dirt‚ einmal mehr die Vermutung, dass der vielbeschäftigte Black Keys-Mann die Platten seiner Schützlinge einfach geschmeidig gleichschaltet – oder wie in diesem Fall eben gefühltermaßen gleich vereinnahmt. Und El Khatib ist offenbar kein Dr. John oder eine Valerie June, die sich genügend eigenständige Persönlichkeit bei der überschattenden Präsenz von Auerbach bewahren können. War das eklektische ‚Will the Guns Come Out‚ also im besten Fall (siehe etwa ‚Wait.Wait.Wait‚) eine charmante bis intime Verneigung vor dem überragenden ‚Keep it Hid‚, möchte ‚Head in the Dirt‚ lieber gleich vollends zum Nachfolger der beiläufigen Egalität ‚El Camino‚ heranwachsen – und kann sich als ähnlich gefälliger Single-Reigen gute Chancen ausrechnen diese Vorgabe auch zu stemmen.

Die Hüften schwingen also vom mit leichter Gospelunterstützung shakenden Titelsong weg stets sauber und effektiv mit, die aufdringlich simple Melodie im poppigen ‚Penny‚ tanzt auf einem aufgeräumten Keyboardbett, der stakkatohafte Bluesrock von ‚Can’t Win ‚em All‚ ist butterweich. ‚Family‚, ‚Save Me‚ oder das rumpelige ‚Pay No Mind‚ wollen verschwitzt nach vorne rocken, sind aber letztendlich als effektive Chartstürmer  handzahme Randale mit aufgemalten Schweißrändern – und eben doch auch kurzweilig durchaus zu zünden verstehende Vergnügen und locker spassige Trivialitäten.
Dass Auerbach und El Khatib mit dem psychedelisch gen Dub und Raggae schlängelnden ‚Low‚, dem beinahe bissigen ‚Sinking In The Sand‚ oder dem orgelnden ‚Skinny Little Girl‚ als softe Version der Queens of the Stone Age noch kleine Akzente setzen ändert freilich nichts mehr daran, dass Hanni El Khatib grundsätzlich immer noch gute Songs schreiben kann, aber ‚Head in the Dirt‚ neben dem mangelnden Eigengeruch gerade durch seine frontale Zugänglichkeit auch eine immens geringe Halbwertszeit aufzuweisen hat. Während man sich also fragen darf, ob elf oberflächlich funktionierende Hits das Fehlen von eigenen Charakterzügen kaschieren können und welcher Song sich am ehesten für exzessiven Mixtape-Gebrauch anbietet, stehen die Chancen nicht schlecht, sich bereits ohnedies an dem ganz und gar nicht unsympathischen Black Keys-Klon satt gehört zu haben.

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