Inter Arma – The Cavern

von am 7. September 2014 in EP

Inter Arma – The Cavern

Auf Tour kann man schon mal auf Gedanken kommen. Die Relapse-Senkrechtstarter Inter Arma haben etwa beschlossen, zahlreiche Riff-Ideen über nahtlose 45 Minuten in allen erdenklichen Genre-Deklinationen durchzuexerzieren. Was dann absolut kein dummer Gedanke ist, sondern ein schlauchender, epischer Monolith von einem Song.


Nach dem imposanten ‚Sky Burial‚ im letzten Jahr setzt sich die Band aus Richmond ihre Ziele also noch eine kleine Spur höher, und findet über eine knappe Dreiviertelstunde auch tatsächlich die homogensten Verbindungsbrücken von malmendem Post-Metal zu Sludge und Postrockmotiven – aufgenommen während der letzten Tour scheinen die gemeinsamen Konzerte mit Baroness und Russian Circles durchwegs ihre Spuren auf ‚The Cavern‚ hinterlassen zu haben. Eingearbeitete Gäste steuern dazu ein zusätzliches Intrumentarium über Theremin, Orgeln, Streicher oder Synthesizer bei und immer wieder scheint es so, als würden Inter Arma ihre Ideen und Riffarbeiten konsequent entlang ihrer Lieblingsbands und markantesten Einflüsse  ausbreiten – was dann durchaus gleichermaßen als Verneigung wie auch Arschtritt an die Kollegen funktioniert.

Was passiert da nun alles? ‚The Cavern‚ fährt erst einmal die Betriebssysteme im satten Dolby Surround hoch und wärmt sich mit folkigem Fingepickiking und frühmorgendlicher Violine auf, bevor sich ein Stoner-Riff hoch und höher türmt. Nach viereinhalb Minuten platzt der Gesang los, und das Szenario klingt, als ob Kylesa als sportlich-schleppende Doom Band wiedergeboren worden wären. Synthies beginnen zwar im Hintergrund zu leuchten, aber die Gesichtszüge werden gleichzeitig grimmiger, die Stimmung dunkler. Die Band scharrt sich wie ein hungriges Rudel um das anleitende Riff, attackiert es in Schüben. Nach dreizehneinhalb Minuten die erste Sollbruchstelle: Inter Arma kappen die Leinen und schielen zum Tech-Metal, zu der progressiven Herangehensweise von Mastodon und lassen die schleppenden, treibenden Kracken-Drums im Dialog mit den hyperaktiv arbeitenden, in den Himmel starrenden Gitarren den Weg vorgeben: ein Rausch.
Danach atmet das Geschehen durch, Violinen leiten das Wechselspiel aus straight nach vorne gehendem Rock und einer schwer walzenden Passage mit weiter Prärie und Winterlandschaft vor sich, US Christmas (Erinnerungen an ‚The Valley Path‚ werden wach!) sind nicht weit.

Nach und nach schwingt sich ‚The Cavern‚ aus, beruhigt sich mit einer sphärischen Atempause, die Windhand-Girl Dorthia Cottrell in ein majestätisches Licht taucht. Inter Arma lassen sich nicht lange bitten und gniddeln mit einem episch in die Breite gehenden Metalgitarren-Intermezzo los, das sich keine Pause mehr zu gönnen wollen scheint. Plötzlich taucht das Mastodon-eske Muster wieder auf und Inter Arma arbeiten sich folgerichtig wieder zu den Anfängen von ‚The Cavern‚ zurück, diesmal aber im Black Metal-Zwielicht.
Dass diese Anfänge aus anderen Perspektiven bereits knapp 40 Minuten her sind, verschwimmt in der Wahrnehmung: darf man anhand solcher Brocken tatsächlich von einer imposanten Kurzweiligkeit reden? Von einer beeindruckenden Leistung hingegen mit Sicherheit: Americana, Black Metal-Ausläufer, Prog,…Inter Arma können alles. Vor allem nicht als prätentiöses Schaulaufen der eigenen Künste inszeniert, sondern als stringenter Fluss, der sich durchwegs schlüssig und homogen entfaltet. Kurzum: diese Band arbeitet an einer gewissen Vormachtstellung.

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