Interview: Me And Jane Doe

von am 14. Juli 2015 in Featured, Interview

Interview: Me And Jane Doe
© Moira Hille

Die vier Frauen von Me And Jane Doe haben soeben ihr Debütalbum auf Kim Pop veröffentlicht. Heavy Pop sprach mit Denice und Petra über Musik, die sexuelle Seite der Politik und die Aufnahmen zum Album.

Heavy Pop: Ein Album aufzunehmen und dann abzuliefern, ist immer nur eine Momentaufnahme und ein spezieller Blick, der gezeigt wird. Nun ist es euer Debut-Album. Wie empfandet ihr die Arbeit im Studio? Wie die Arbeit am Sound?
Denice: Es war sehr interessant mit jemandem (Wolfgang Möstl) im Studio zu sein, der vorher noch nichts von uns gehört hatte. Er hatte ein frisches Ohr, und er brachte großartige Ideen ein, an die wir nicht gedacht hätten. Dass wir vier nach Graz fuhren, wo wir nicht so viele Leute kennen, wir mussten keine Ablenkung durch außen erwarten, war sehr hilfreich und es machte das Album intensiver.

Wie habt ihr vier euch zusammengefunden? Ich erinnere mich, letztes Jahr hattet ihr noch eine klein wenig andere Besetzung, oder?
D: Petra, Lisa und ich redeten und redeten eine Band zu gründen. Schließlich gelang es uns und wir spielten unser erstes Konzert im Brut Künstlerhaus, wo Usch, die eine fantastische Klavierspielerin ist an uns herantrat, uns sagte wie wunderbar wir wären, aber dass wir unbedingt ein Live Keyboard/Piano brauchen würden. Leider war sie nur ein Jahr dabei, weil sie aus beruflichen Gründen wegziehen musste. Wir waren anfangs der Meinung ein Trio zu bleiben, aber als ich Jasmin und ihr Gitarrenspiel hörte, da wußte ich wir müssen sie für die Band rekrutieren. Ihr Sound ist unglaublich und er fügt total diesen Extra-Layer zu unserer Musik hinzu, den wir davor gesucht hatten. Und: als elektronische Band ist es immer gut, wenn man so viele Live-Instrumente wie möglich hat.

In eurem Pressetext für die Wiener Releaseparty heißt es: „Me And Jane Doe fühlt sich an wie dichter Raureif im Nadelwald, metallene Discotanzfläche, schweres Frauenparfüm, Wolfsgeheul am Abend und langer guter Sex am Klo einer Hotelbar.“ – Wie wichtig ist euch das Körperliche, vielleicht sogar das Sexuelle – als Inspiration zum Beispiel – beim Musik machen?
D: Sehr wichtig! Der Körper einer jeden Einzelnen und eines jeden Einzelnen und die Sexualität wird von der normativen kapitalistischen Gesellschaft so in Besitz genommen, dass es beinah unmöglich ist damit in Berührung zu kommen, was jemand wirklich begehrt. Es kann zu verlockend sein mit der „Anleitung“ zu gehen, die dir die Gesellschaft gibt, wo sexuelle Begierden immer mit dünnen und fitten Körpern in Verbindung gebracht wird, konventionelle Schönheit, eine stromlinienförmige Sexualität bei es nur wunderschön dünnen Cis*Menschen erlaubt ist geil zu sein. Ohne Bezug zur Sexualität. Ich schreibe Texte über Sex, ich will, dass der Sound sexuell aufgeladen ist – aus politischen Gründen. Ich will die Sexualität von queeren Frauen* vom kommerziellen Mainstream zurückgewinnen, wo „queer/lesbisches“ Begehren Fake ist und als Marketing- und Verkaufsstrategie benutzt wird. Wir vermitteln das einzig Wahre (lacht).

Dancefloor, Düsterheit, queer-feministische Texte – ihr seid outstanding mit eurem Sound im österreichischen Musik-Kosmos. Du, Petra, bist für die Synths und Arrangements verantwortlich. Könntest du ein bisschen über deine musikalische Sozialisation sprechen?
Petra: Ja, Lisa spielt noch in einer anderen Band, R:U // {d}ead.[s]ouls, Jasmin spielt in div. Bands u.a. Aivery, Denice ist DJ, Burlesque Performerin, Moderatorin, Veranstalterin, Autorin und hat auch schon in div. Bands gespielt. Ich habe vor 15 Jahren begonnen aufzulegen und gleichzeitig auch die Plattform Ladyshave gegründet. Im Gegensatz zu den anderen in der Band, bin ich eher in der elektronischen Musik beheimatet. Geprägt durch die Manchester Rave Bewegung der späten 80er und frühen 90er, Trip-Hop und Techno. Ich habe erst so vor 5 Jahren angefangen Musik zu produzieren und sehr schnell gemerkt, dass mir Gesang fehlt. Darum habe ich damals auch Denice angesprochen. Was uns aber alle in der Band stark geprägt hat und verbindet, ist Dark Wave.

Und abschließend: was wirst du nach der Releaseshow auflegen, dein momentaner Favourite Tune?
P: Eigentlich bin ich ja Techno DJ, aber im Rhiz werde ich mehr Trap, RnB und Hip-Hop auflegen. U.a. Oh Blimey – Bassface ft. Micah Tron.

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