Johnny Blue Skies & The Dark Clouds – Castaways
Daher Sturgill Simpson sein zweites Johnny Blue Skies-Album Mutiny After Midnight nun (pünktlich zu seinem eigenen 48. Geburtstag) als Extended Edition auch auf allen Streaming Plattformen verfügbar gemacht hat, kann sich jedermann von der Qualität von Castaways überzeugen.
Nicht nur die beiden Songs der zum Record Store Day in viel, viel zu knapper Stückzahl aufgelegten EP befinden sich nämlich in der aufgepimpten Version des Langspielers (auf den hiermit insgeheim hingewiesen sein soll!), sondern auch eine grandiose Umdeutung von Eddie Murphy’s Party All The Time, die bisher iTunes-Kunden als Bonus Track vorbehalten war. Als raggaesk zum Dub schielende Interpretation mit sinistrer angejazzt brütender sexy Atmosphäre hintenraus funktioniert der 1985er Hit übrigens ebenso eigenwillig wie fabelhaft.
Castaways selbst besteht dagegen aus zwei anderen Cover-Songs.
Zum einen ist da William Bell’s 1967er-Nummer You Don’t Miss Your Water. Sturg und seine Black Clouds reihen sich hinter bisherigen Verehrern wie Otis Redding, The Byrds, Taj Mahal oder Brian Eno mit einer entspannten Soul-Schmuserei ein, die markant in Orgeltexturen gelegt die Disco-Ästhetik des Studioalbums durch eine ebenso smoothe wie kraftvolle Rhythmussektion gefühlvoll fortsetzt und sich dabei auch noch ein hingebungsvolles Gitarrensolo gönnt.
Und zum anderen spendieren Simpson und seine famose Band – Gitarrist Laur “Little Joe” Joamets, Drummer Miles Miller, Robbie Crowell (Keyboards, Saxofon) und Bassist Kevin Black – mit Procol Harum’s Evergreen A Whiter Shade Of Pale eine Studioaufnahme eines Songs, der sich längst zum Standard im Live-Repertoire von Johnny Blue Skies gemausert hat – tatsächlich aber (auch aufgrund der ikonischen Fallhöhe) musikalisch nahe am Original bleibend und primär die Gesangslinie knödelnd verschiebend eigentlich die „schwächste“ Fremdkomposition darstellt. Trotzdem toll, weil hingebungsvoll, beseelt und leidenschaftlich dargeboten.
A Whiter Shade Of Pale macht macht für die Extended Edition von Mutiny After Midnight übrigens den neuen Album-Closer (oder eher: Appendix), während sich die anderen beiden anderen Tracks mittiger in den regulären Albumfluss einfügen – und diesen zwar nicht ideal sequenziert abrunden, ihn aber in ziemlich perfekt gemixten Übergängen absolut schlüssig ergänzend aufwerten.
Insofern sollte sich spätestens jetzt, durch ein alles noch unterhaltsamer machendes Update, niemand mehr eines der sowieso schon unterhaltsamsten Alben des bisherigen Jahres entgehen lassen. (Und im irrationalerweise extrem optimistisch gesehenen Idealfall gehen die Preise für die physische Version von Castaways ja nun sogar ein wenig hinunter?)


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