Jonny Greenwood – The Master

von am 9. September 2012 in Soundtrack

Jonny Greenwood – The Master

Das Radiohead-Allroundgenie und Jonny Greenwood und Regie-Ausnahmekönner Paul Thomas Anderson machen nach der Zusammenarbeit bei dessen 2007er Meisterwerk  ‚There Will Be Blood‚ erneut gemeinsame Sache.

Irgendwo nur selbstverständlich, haben Greenwoods klassisch arrangierte, gegen den Strcih geschulte und verstörend aufwühlend gestaltete Orchesterlandschaften sich zuletzt doch nur zu gut mit den epischen Bildern Andersons ergänzt. Dass das Ergebnis zwar eine Grammy Nominierung erfuhr (jedoch gegen den ‚The Dark Knight Soundtrack von James Newton Howard und Hans Zimmer den kürzeren zog) sowie bei der Oscar-Verleihung ohnedies außen vor gelassen wurde (Greenwood verwendete Material seines ‚Bodysong‚ Soundtracks neu und schied damit von vornherein als Kanditat aus) und damit auszeichnungstechnisch unter Wert verkauft wurde – diesen Irrtum könnte der Score zu Andersons Drama um einen Sektenguru (Philip Seymour Hoffman) und einen orientierungslosen Gefolgsmann (Joaquin Phoenix) nach Ende des zweiten Weltkriegs nun korrigieren, auch wenn schon bei den ersten Auszeichnungen für ‚The MasterVerwirrung herrschte.

So  entfaltet Jonny Greenwoods Score nun bereits  im Vorfeld des weltweiten Kinostarts selbst ohne die entsprechenden Bilder eine ungemein intensive Sogwirkung. Nicht unähnlich den ‚There Will Be Blood‘ Kompositionen schichtet Greenwood die von unter anderem dem London Contemporary Orchestra und dem AUKSO Chamber Orchestra getragenen Kompositionen mit einer inneren Unruhe an seinem Vorbild Krzysztof Penderecki angelehnt auf. So laufen die Oboen in ‚Time Hole‚ einem nervös treibendem Entenschwarm gleich gegeneinander Sturm, die traumwandlerische Unwirklichkeit von ‚Alethia‚ strahlt eine unspezifische Bedrohlichkeit aus. ‚Back Beyond‚ baut seine Intensität als beinahe versöhnliche Schönheit am Abgrund und als trügerische Stille vor dem nächsten drohenden Unwetter auf. So stimmungsvoll wie eindringlich und auch abseits allzu gängiger Konventionen der gesamte Score ausgefallen ist, bleibt dennoch auch Platz für zusätzliche Ausbrecher nach oben: das bereits vorab bekannte ‚Application 45 Version 1‚ verströmt eine nonchalante Leichtigkeit mit seinem dezenten Jazz-Swing unter den dramatisch brodelnden Streichern, ‚Able-Bodied Seamen‚ mit tiefen Basstönen und trottender Percussion ein gewisses Tom Waits-Flair. ‚The Split Saber‚ will ein schimmerndes Leuchten der Hoffnung sein, die anfängliche Opulenz in ‚Baton Sparks‚ mündet hingegen in der puren Kakophonie.

Komplettiert und auch aufgelockert werden die elf Greenwood Stücke durch vier zeitgeschichtlich in die Rahmenhandlung des Films eingefügte Songs. ‚Get Thee Behind Me Satan‚ ist eine anmutig melancholische, bluesgetränkte Jazzgroßtat von The First Lady of Song Ella Fitzgerald, die friedlich schwingende Anmut von Jo Staffords ‚No Other Love‚ lässt die Platte daneben noch freier durchatmen. Mehr Wehmut verströmt da schon das elegante ‚Changing Partners‚ von Helen Forest. Das auf jegliches Instrumentarium verzichtende ‚Don’t Sit Under The Apple Tree (With Anyone Else But Me)‚ ist hingegen ein beschwingt intoniertes Kleinod, inszeniert von Jungsschauspielerin Madisen Beaty, welches nahtlos in das beklemmende Greenwood-Original ‚Atomic Healer‚ übergeht. So ergänzen sich die verwendeten Songs mit dem Soundtrackscore aufs brillanteste, stellen in Symbiose gar einen neuen Höhepunkt im Schaffen Greenwoods als klassischer Komponist dar. Alles andere als zumindest eine Nominierung bei den folgenden Academy Awards wäre dann hiermit auch eine Überraschung.

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