Leoniden – Invert India

von am 4. November 2014 in EP

Leoniden – Invert India

Warum da die im Pressetext die Rede von Justin Timberlake und Techno ist bleibt offen. Fest steht hingegen: Fünf Jungs aus Kiel entführen 5 zappelige Mathrocknummern mit einem zwingendem Händchen für eingängige Indie-Melodien auf die Postpunk-Tanzfläche.

Leoniden fackeln nicht lange. Gleich das eröffnende ‚Storm‚ zieht schnurstracks hin zum Ohrwurmrefrain, reklamiert mit treibenden, zappelnden Rhythmen, verschachtelt-oszillierenden Gitarrenläufen, die so auch Toe in den Sinn kommend könnten und dem dringlich aus dem Fenster gelehnten (ja, auch polarisieren könnenden) Gesang eine unbedingte Hit-Affinität für sich, die ‚Invert India‚ so auch über seine gesamten 19 Minuten Spielzeit nicht mehr abschütteln wollen wird: wie man schmissige Popmomente in zackiger Tanzbarkeit präsentiert, das weiß das Quintett mit dem Sterschnuppennamen mit einer beachtlichen Versiertheit.

Gelegentlich mag das gar zu frontal zu Werke gehen – wenn die Songstrukturen etwas zu vorhersehbar dem Strophe/Refrain/Strophe-Schema entgegenhetzen etwa. Aber diese Melodien müssen nun mal raus, rein in die Beine. Über den brillant trocken produzierten Bass/Schlagzeug Beat von ‚City‚ fügen sich die frickelnden Gitarren und die wärmende Synthiedecke, als würden Leoniden verstanden haben, wie The Kooks auf ihrer aktuellen Platte eventuell stellenweise gerne geklungen hätten und präsentieren sich wie beim schwindelfrei groovenden ‚STRGGL‚ in den Startlöchern, um Phoenix notfalls auf Augenhöhe begegnen zu können. Der immanente Funk geht hier Hand in Hand mit elaboriertem Disco-Soul, selbst das nachdenklich-atmosphärische ‚Offshore‚ geht ätherisch nach vorne: eine verdammt zappelige Ruhe.

Constant‚ nimmt sich bereits davor etwas weiter zurück, verkneift sich im ausfransenden Schlußpart einen allzu offensichtlichen Schwenk zurück zum Chorus, ohne dabei seine Griffigkeit zu verlieren und flirtet stattdessen mit Electronic-Momenten. Sowie der Aussicht, dass Leoniden die Abwesenheit von Bloc Party in naher Zukunft eventuell gar vergessen machen könnten. Denn um es noch einmal hervorzuheben: jeder dieser fünf Songs hat absolutes Single-Potential und Leoniden sollten dem Hamburger Label Delikatess Tonträger  in Zukunft wohl noch so manche Chart-Freude machen [Edit: oder auch leider nicht]. Nicht zuletzt dann, wenn die Kieler auf Albumlänge ihr volles Potential abrufen können und die auf ‚Invert India‚ immer wieder angedeuteten Facetten neben der Start-Ziel-Eingängigkeit noch weiter ausarbeiten.

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