Lionheart – Valley of Death II

von am 13. Januar 2026 in Album

Lionheart – Valley of Death II

Lionheart klingen mit Valley of Death II weiterhin wie hemmungslos überzeichnete Hardcore-Satire. Allerdings meinen die Oaklander ihren grotesken Beatdown auch diesmal todernst.

Nach Welcome to the West Coast III vor knapp zwei Jahren setzen Rob Watson und Co. nun also nominell den 2019er-Vorgänger Valley of Death fort. Praktisch aber machen derartige konzeptuellen Einordnungen keinen Unterschied: Lionheart spielen ihren Hardcore immer so generisch wie möglich in die vor Plattitüden nur so strotzende Klischee-Ecke, egal welches Banner gerade den Rahmen bildet.
Was auf seine extrem stumpfe Weise ja auch irgendwie geil ist, auf jede andere aber einer schaustellenden Wrestling-Veranstaltung der Szene gleichkommt – und dazu wohl den deutlichsten Jump-the-Shark-Moment der Bandhistorie im mit dem Vorschlaghammer Stimmung machen wollenden Stakkato Chewing Through the Leash auffährt.

All my dogs bark with me like arr-arr, arr-arr, arr-arr, arr-arr“ skandiert Watson – und alle Baha-Hardcore-Men können mitbellen! – nach der extrem nervend repetierten „Aw, yeah!“-Hook.
Eine plumpe Schlachtplatte, deren Pit Kublai Khan TX-Frontmann Matt Honeycutt nur zu bereitwillig zusätzlich ankurbelt. Auch er kann in einem über das Ziel hinausschießenden Muskelspiel aber kaum Maßhalten, das im später, im mit thrashigen Riffs liebäugelnden Titelstück, auch irgendwie absolut schlüssig nachladendes Gewehrgeballer als Beats verwendet, nachdem anderswo bereits beinahe traditionsbewusst bereits Alarmanlagen geschrillt und Sirenen das Tough Guy-Gebaren begleitet haben.

Sobald Bulletproof knackig groovend mit seinem 08/15-Brutalität, simpel mitgröhlbar und in seiner Primitivität assozial moshend in einer klinisch fetten Metalcore-Produktion (keine Ahnung, wo manche hier eine „dreckigen“ Sound hören) den rockenden Standard gesetzt hat, spulen Lionheart also ihr genormtes Programm jedenfalls zuverlässig stupide ab – sie galoppieren in Ice Cold etwa mit einer allgegenwärtigen Nu Metal-Attitüde eilig nach vorne bis in die zähe Zeitlupen-Abrissbirne oder bedienen in der Skizze Roll Call billigste Call and Response-Schüttelreime: „Where my dog’s at?/ We right here motherfucker and we bite back!„, derweil der Verhaltenskodex in die Tiefe geht: „1: you either with us or against us/ 2: ain’t no middle in the trenches/ 3: not sure if I mentioned/ Fuck you and you and you and you!

Dieses absolut konsequente wie kompromisslose Bekenntnis zur oberflächlichen Eindimensionalität ist dann auch so effektiv, dass über kurzweilige 23 Minuten Gesamtspielzeit selbst dann keine Langweile aufkommt, wenn die Veteranen-Gang sich auf der zweiten Hälfte der Platte zwischen Salt the Earth und dem (auch durch A Day to Remember keine neuen Facetten bekommenden) Schlusspunkt Death Grip damit begnügt, ohnedies schon abgedroschene Ideen nochmals in aufgesetzter Penetranz wiederzukauen.
Insofern entlässt auch nur No Peace ratlos, in dem Watson näher als sonst schon am Rap vor einem ambieteren Backdrop posiert: Ein interessantes cinematographisches Setting, dessen Atmosphäre allerdings eher etwas von Methods of Mayhem im Bollo-Milieu hat, und deswegen wie ein szenisches Laienstück anmutet – aber auch Wahrheiten hinaus in die Welt schreit: „I swore the last time was the last time/ But here I am again with the same rhymes/ Here I am again singin‘ the same lines/ Here I am again with the same pain inside/ So can’t somebody tell me when it’s over?

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