Logan Ledger – Logan Ledger

von am 14. August 2020 in Album

Logan Ledger – Logan Ledger

T Bone Burnett sieht die Zukunft von Logan Ledger weniger im reinen Country, als im Rockabilly-infizierten Singer/Songwriter-Americana, der zwischen Roy Orbison, George Jones und Chris Isaak mit schwerem Herzen croont.

Es ist nun weniger so, dass das selbstbetitelte Debüt von Logan Ledger hinter der markanten Handschrift seines namhaften Produzenten Identitätsprobleme hätte – auch wenn gerade Puristen ob der an sich doch traditionellen Wurzeln von Ledger durchaus irritiert von der stilistischen Ausrichtung dieses lange hinausgezögerten Debütalbums zu sein scheinen.
Denn einerseits hat Burnett Recht, wenn er sagt: „He had, and has, a voice filled with history. I could hear echoes of one great singer after another in his tone. He sang without artifice.“ Die Produktion von Logans bisherigem Output mit all ihrem Reverb und Echo ist tatsächlich keine rein ästhetische Entscheidung, sondern kommt dem Songwriting und Wesen der Nummern entgegen – weswegen die sehnsüchtig aus der Nostalgie hallende Balladen auch dann noch im Universum von Lynch Bestand haben werden, wenn etwa Orville Pecks Gangart längst als Style-Gimmick entlarvt sein könnte.
Und andererseits ist diesbezügliches Lob von Querdenker Sturgill Simpson ja an sich ohnedies schon ein adelndes Qualitätsiegel.

Nein, das eigentliche Problem von Ledger bleibt leider vorerst das selbe, wie bereits auf seiner I Don’t Dream Anymore-EP von 2019: Der Mann schreibt (auch unter Mithilfe prominenter Namen wie Steve Earle oder Noah Jackson) mit dezidiert aufzeigenden Nummern wie dem locker zum Honky Tonk gehenden Starlight oder dem knackiger polternden Rocker I Don’t Dream Anymore absolute Hits, tendiert aber nicht nur in diesen dazu, die eingängigen Refrains so weit über Gebühr immer wieder und wieder zu repetieren, bis sich eine unnötig entnervende Übersättigung eingestellt hat.
Was so ganz allgemein bei den flotteren Nummern (die meistens etwas zu vorhersehbar wechselweise in das tendentiell ruhige Material eingestreut wurden) zutrifft, auch bei den beiden aufgefahrenen Upbeat-Coversongs der Platte: (I’m Gonna Get Over This) Some Day (eine Verneigung vor Burnett) macht seine Sache als lockerer hopsender (Zweck)Optimismus zwar besser als das nonchalante – und zu flapsige – Henson Cargill-Stück Skip A Rope, doch beiden gemein ist (wenn auch in weniger gravierendem Ausmaß) eben auch eine gewisse zu frontale Penetranz.
Wie unnötige diese Tendenz ist beweist gerade Electric Fantasy, das auf der zappelnden Hi-Hat tänzelnd auch von der spannungsgeladenem Dynamik und dem grandiosen Gefühlt der Band hinter der schmissigen Nummer lebt: Marc Ribot hat schon mit Tom Waits gearbeitet und tut es hier gemeinsam mit Drummer Jay Bellerose sowie Bassist Dennis Crouch – was die selbe Konstellation bedeutet wie seinerzeit bei Raising Sand von Robert Plant und Alison Krauss. Dazu kommt Tyler Childers‚ Kumpel Russ Pahl sowie Burnett als sporadisch aufgefahrene zusätzliche Gitarristen.

Eventuell will und kann man mit einer solchen Truppe im Rücken ja auch gar nicht immer das Understatement suchen (zumal diese Gewichtungen keine Gleichförmig im Gesamtwerk zulassen), vielleicht muß Ledger seine Rolle aber auch wirklich erst finden.
Am nähersten bei sich selbst (wenn auch freilich ebenso wenig subtil) ist der aus San Francisco nach Nashville übersiedelte Crooner aber trotzdem bereits in den zurückgenommeneren Phasen seines Einstandes – wenn er Ahnungen des Vintage-Pop über den Country schmelzen lassen kann und selbst dann Regentropfen sieht, wenn er im nichtsdestotrotz versöhnlichen Imagining Raindrops bei sonnigem Wetter aus dem Fenster blickt.
Dann besticht vor allem das eröffnende Let The Mermaids Flirt With Me in seiner wunderbar vergangenheitsaffin und ruhig schaukelnden Melancholie, mit Slide-Gitarren ein dezentem Aloha-Feeling, während der romantische Schwofer Invisible Blue hoffnungslos verschmust betört und Nobody Knows als behutsame Nachdenklichkeit den Blues umgarnt: „Oh, where goes the light/ When the day turns to night/ And the sea turns black as coal?/ Nobody knows, but I know/ ‚Cause I’m nobody“.
Ein Tell Me A Lie schippert im verträumten Ambiente, The Lights Of San Francisco suhlt sich balladesk in der Einsamkeit mitternächtlicher Sentimentalität – und es ist genau diese Ausrichtung, die Ledger mit seiner tollen Stimme bereits jetzt meisterhaft beherrscht. Es mag also schon sein, dass er selbst noch nicht immer exakt weiß, wo er hinmöchte. Man kann Burnett aber zustimmen wenn der sagt: „As we have been working together over the last couple of years, I have begun to discover the wide territory he is able to cover, and I look forward to exploring these new worlds of music with him.

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