„I look like a dude, and feel like a dude, and it sucks….“

von am 1. Februar 2014 in Featured, Randnotiz

„I look like a dude, and feel like a dude, and it sucks….“

Tom Gabel galt jahrelang als das Sinnbild des Punkers: weiß, angepisst- wütend auf die gesamte Welt und vor allem männlich. Seine Band Against Me! spricht in ihren Songs auch politische und gesellschaftliche Konflikthemen an. Daher staunten viele in der männlich dominierten Rockszene nicht schlecht als Sänger Gabel 2012 (via Rolling Stone Magazin) verlautbarte sich schon immer als Frau zu fühlen.

Ein Freundin von Unehrlichkeit war Tom Gabel ja nie wirklich, aber wie direkt er seinen Wünsch als Frau zu leben bereits 2007 im Song ‚The Ocean‘ thematisierte, erstaunt doch: „And if I could have chosen, I would have been born a woman; My mother once told me she would have named me Laura , I’d grow up to be strong and beautiful like her“. Umso erstaunlicher, dass niemand diese Zeilen wirklich für voll genommen hat, sie vielmehr als lyrische Vision betrachtet wurdeAuch nimmt er hier bereits seinen/ihren neuen Namen vorweg. Laura, weil ihn seine Mutter so genannt hätte, wäre er als Frau geboren worden, Grace, weil es der Mädchenname der Mutter war, Jane, weil er ihn einfach „pretty“ findet. Für Laura Jane Grace war ihr Outcoming der lang ersehnte Ausbruch aus ihrem eigenen Körper, aus dem Gefühl sich im falschen Körper zu befinden, der lebensnotwendige Tapetenwechsel. Auf dieses Gefühl angesprochen, antwortete Laura: It’s a feeling of detachment from your body and from yourself. And It’s shitty, man. It’s really fucking shitty.

Seit ihrer frühen Kindheit litt Laura an Geschlechtsidentitätsstörung (englisch: Gender Identy Disorder). Dabei sehen  sich Menschen dem anderen, nicht eigenen Geschlecht zugehörig und fühlen sich dementsprechend unwohl, ein Zustand der oft zu schweren psychischen Erkrankungen und Suchtproblemen führen kann. So auch bei Tommy; so nannten ihn seine Freunde immer, da es weniger maskulin klang. Die Pubertät und der damit verbundene Hormonüberschwang seien für ihn besonders schlimm gewesen, der Wunsch aus seinem Körper auszubrechen unerträglich. Also verlor er sich in harten Drogen und Alkohol um den Schmerz zu unterdrücken. In diese Zeit fällt auch sein Erstkontakt mit Bands wie beispielsweise The Clash und die daraus resultierende Gründung von Against Me!. Der Name; ein klares Statement.

Die Transformation von Tom Gabel in Laura Jane Grace wird wohl Jahre dauern, Hormontherapie, Electrology und am Ende wohl auch plastische Chirurgie werden sie äußerlich verändern. Der Band Against Me! bleibt Laura ebenso erhalten wie ihrer Familie, seine Frau Heather bleibt mit ihr zusammen, sie liebe ihn, nicht sein Geschlecht. Damit ist er nicht alleine. Beinahe ein Drittel aller als Transgender lebenden Frauen fühlen sich nach wie vor zu Frauen hingezogen und führen ihre Beziehungen normal weiter. Einer Studie von Brandon Hill zufolge ist einer von 30.000 Männern als transgender zu diagnostizieren. Auch ist Laura Jane Grace nicht die erste Transgender im Unterhaltungssektor. Komponistin Wendy Carlos (Soundtrack zu Shinning, Die Schöne und das Biest) und Punk- Sängerin Jayne County sind die bekanntesten Beispiele, aber keiner von beiden erregte die Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit die Laura Janes Schritt nach sich zog. Ein Schritt der Gerade im rauen Punk/Rock Bereich Mut erforderte, aber auch auf extrem positives Feedback von Fans und Kollegen stieß.

2014 scheint diese Metamorphose schon weit fortgeschritten zu sein. Optisch ist Laura Jane Grace (im Vergleich zu Tom Gabel ) kaum noch wiederzukennen, aus dem Punker wurde eine stylische Punkerin. Umso erstaunlicher, dass sich stimmlich wenig bis gar nichts verändert hat, Against Me! klingen entgegen der Befürchtungen vieler Fans noch immer wie Against Me!. Mehr noch, mit dem thematisch zur Metamorphose passenden Album ‚Transgender Dysphoria Blues‘ liefert die Band das wohl spannendste und beste Against Me! Werk der vergangenen Jahre ab.

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