Sepultura – The Cloud of Unknowing
Farewell, Sepultura: Die sich weiterhin auf ihrer Abschied-Tournee befindlichen Brasilianer besiegeln ihre rund 40 jährige Karriere aus Studio-Sicht mit der durchwachsenen EP The Cloud of Unknowing.
Auf der einzigen Platte mit Neo-Drummer Greyson Nekrutman (der ja 2024 den zu Slipknot abgesprungenen Wunderwutzi Eloy Casagrande auf dem Trio-Karussell mit Suicidal Temdencies beerbt hat) beziehungsweise der zweiten mit A-Lex-Betreuer Stanley Soares als Produzenten, wirkt es ein wenig so, als wäre Sepultura das Verständnis über angestammte Stärken und der Wunsch nach neue Perspektiven aus der Bahn geraten: The Cloud of Unknowing ist ein unausgegorenes 17 minütiges Ganzes, das einigen potentiell tollen Szenen mindestens ebenso viele mediokre Passagen entgegenstellt.
Gleich All Souls Rising startet etwa als geiler, straighter Thrash-Brecher mit überzeugender Performance und viel Leidenschaft. Doch Sepultura wollen keinen archaischen Primitivismus und packen relativ willkürliche orchestrale Einfälle in den Verlauf und skandieren den simplen, stramm mitgröhlbar anstachelnden Shanty-Refrain („Let’s fight/ This fight!“) eine Spur zu oft wiederholt. Trotzdem: Das macht – wie später auch Sacred Books, das als effektiver Brecher mit schunkelndem Refrain das Tempo drosselt und dadurch generell ausgewogener wirkt, wenngleich die Nummer kurzzeitig im Irrtum klimpert, außergewöhnliche Facette hinzuziehen zu müssen – Bock und ruft einmal mehr Erinnerung, dass Sepultura auch in der so gerne unter Wert verkauften Green-Ära einfach eine tolle (wenngleich nicht mehr ikonische) Band waren.
Dass der ambivalente Status der Post-Cavalera-Jahre aber auch nicht von irgendwoher kam, dafür dienen dann die restlichen beiden Stücke als Mahnmal.
Für Beyond the Dream legen sich Sepultura mit galliger Konsequenz in eine cheesy Ballade, die sich generisch solide zwischen einen metallica’esken Hard Rock und Alternative Metal legt.
Das lange atmosphärisch plätschernde The Place geht in in eine ähnliche Richtung, gönnt sich aber ein bisschen mehr Reibeisen und Groove-Härte, dazu eine tolle, agressiver werdende Bass-Linie. Was eh okay ist, Kraft hat und auch motiviert klingt, aber letztlich eben auch an den Dingen vorbeibrädt, die Sepultura eigentlich richtig gut können. Und das ist, gerade als finaler Epitaph einer ziemlich beispiellosen Karriere, irgendwie doch vor allem ernüchternd.


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