Majical Cloudz – Wait & See

von am 18. Januar 2016 in EP

Majical Cloudz – Wait & See

Wait & See‚ liefert den endgültigen Beweis: Majical Cloudz haben ordentlich selektiert, welche Songs es auf ihre 2016er-Schönheit ‚Are You Alone?‚ schaffen sollten – und welche nicht. Weil das bei diesem Prozess ausgemusterte Material aber nicht aufgrund qualitativer Gründe außen vor gelassen wurde, gibt es nun den Appendix in Form einer sehr feinen 5-Song-EP.

Die hier versammelten 20 Minuten an bisher unbekannter, aber letztendlich durch und durch typischer Majical Cloudz-Musik (also: Minimalistische Elektronikgebilde mit der Seele im Pop und dem gebrochenen Herzen in grenzenloser Melancholie) wären zu verschiedenen Zeiten der Albumproduktion von ‚Are You Alone?‚ entstanden, erklärt Devon Welsh die Hintergrundgeschichte dieser überraschend aus der Hüfte geschossenen Ep: Die fünf Songs hätten aus verschiedenen Gründen nicht auf das (je nach Zählweise) dritte Majical Cloudz-Album gepasst, würden aber für sich genommen eine schlüssige, stimmungstechnisch und inhaltlich verankerte Einheit bilden. Recht hat der Kanadier – und zu gut wären die Nummern außerdem gewesen, um in der Schublade zu verschwinden.

Was das Material von ‚Wait & See‚ und ‚Are You Alone?‘ vordergründig unterscheidet, ist in erster Linie tatsächlich die Zugänglichkeit: Die Songs der EP sind elegischer, verschlüsselter, weniger unmittelbar infektiös, verlangen eben mehr Zeit. Insofern ist es keine schlechte Idee dem durchaus sinnvollen Titel dieser Songsammlung Folge zu leisten und die Magie der Majical Cloudz geduldig einwirken zu lassen.
Im eröffnenden Titelsong fängt Devon Welsh einen rückwärts geloopten Bandsalat zu einer versöhnlichen Ahnung von einem potentiellen Ohrwurm ein, freilich hat Matthew Otto im Hintergrund viel mehr Spaß daran, die Dinge verspult um sich selbst winden zu lassen. ‚Heaven‚ ist dagegen ein vergleichsweise straighter Synthiesong. Die gefederte Drummaschine pulsiert hämmernd, fast schon martialisch, die Soundnebel schimmern bedrohlich und hoffnungsvoll dem Tod entgegen, drumherum transzendieren die Effekte. Welsh tanzt zutiefst romantisch, vielleicht etwas zu lange, wenn man die Augen nicht schließt, liefert aber unzählige der Zeilen, für die man Majical Cloudz verehren kann: „You say, ‚When I’m dead, I will never feel this strange again’/…/I sing about this feeling/ We won’t always feel it/ We’re on our way to heaven„.

Danach schraubt das Duo Tempo und Entgegenkommen zurück, verlangt ein weniger eingängiges Entgegenkommen in die etablierte Hohheitszone. Das ätherische ‚Let Me Lie‚ döst insofern als eine mit aller Zeit der Welt laufende Spirale, die meditativ in ihren Träumen verharrt und etwas zu bereitwillig dem Drang zum schöngeistigen lamentieren nachgibt. ‚Pretty‚ ist neben dem pianolastigen Sphäre-Highlight ‚My Heart Soaks Up Every Drop of Your Blood‚ (was für ein Titel alleine!) dagegen durchaus  munterer, jedoch in erster Linie ebenfalls vor allem ein angenehmes Trademarkstück. Unaufregend und subtil, zuverlässig beinahe: Wer dieser Nachzügler-EP zum Tourstart also vorwerfen will, dass man all das von  Majical Cloudz bereits kennt und das unverkennbare Songwriting auf den letzten beiden Studioalben zudem auch aufwühlender und effektiver zelebriert wurde, der hat natürlich Recht.
Ein Strick lässt sich daraus für die fünf Überbleibsel deswegen aber nicht drehen. Wo die Nummern auf ‚Are You Alone?‚ wohl tatsächlich unnötigen, weil nur bedingt zum Punkt kommenden Ballast dargestellt hätten, entfalten sie für sich genommen durchaus eine betörende Sogwirkung. Fünf feine Nachzügler nicht ganz auf Augenhöhe mit den Albenkollegen also, die vor allem aus Perspektive der Hardcorefans definitiv zu schade für die Mottenkiste gewesen wären.

07

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