Måneskin – Teatro d’ira: Vol. I

von am 12. Juni 2021 in Album

Måneskin – Teatro d’ira: Vol. I

Überzeugender als erwartet: Auf dem ihrer (u.a.) Song Contest-Siegernummer Zitti e buoni vorweggeschickten (Mini)Album Teatro d’ira – Vol. I spielen Måneskin solide Hard- und Classic Rock-Standards im Geiste harmloser 70s.

Das zweite Studioalbum der Band aus Lazio gönnt sich nur einen tatsächlichen Ausfall: Die stampfende Dancerock-Bagatelle I Wanna Be Your Slave ist abseits seiner oberflächlichen Entertainment-Attitüde nicht nur stilistisch komplett austauschbar, es ist angesichts der Schere aus international verständlichen Lyrics und qualitativer Offenbarungseide auch eine schlechte Idee, auf englisch zu singen. Was so auch das etwas bessere, weil mit einer stärkere Hook ausgestattete For Your Love unterstreicht. Die zu bemüht und hilflosen Versuche von Damiano David auf den verruchten Spuren von Robert Plant zu wandeln wirken dann doch ein bisschen arg gestelzt.
Mehr noch ist die Performance des Leadsingers aber auch grundlegend weitaus kraftvoller, zwingender und authentischer ausgefallen, wenn er in seiner Muttersprache intoniert, stakkatohaft zum Rap tendiert und griffige Emotionen anstelle massentauglich konstruierter Pastiche liefert. Dann reißt er das generische Ausgangsmaterial auch locker über den banalen Durchschnitt.

Zitti e buoni hat nämlich schon die Qualitäten von Teatro d’ira – Vol. I vorweggenommen (egal, ob man sich der Platte erst mit dem Song Contest-Sieg im Rückspiegel nähert, oder den knackig-catchy hängen bleibenden Opener schon Wochen vor dem Triumph als Opener der Platte kennenlernte). Die insgesamt acht Songs des Albums leben von den eingängigen Gesangsmelodien Melodien von David, während die Kompositionen an sich absolut Baukasten-Stücke darstellen, sich das Songwriting auf 08/15-Riffs ohne Wiedererkennungswert oder individuelle Merkmale verlässtn.
Das keinerlei Halbwertszeit aufweisende, ohne prägnante Eindrücke durchlaufende In nome del padre bekommt alleine durch die packende Performance und dem Vortrag des Sängers eine Existenzgrundlage, Lividi sui gomiti überzeugt ebenfalls primär durch die empörend-dringlich aufkochenden Vocals und hat sekundär zudem einen nett twistenden Rock’n’Roll-Ausstieg. Von La paura del buio bleibt ein schmissiger Groove und Drive, der chorale Abgang ist eine charmante Idee.

Das größte Manko von Teatro d’ira – Vol. I ist also die absolut risikoscheue, keinerlei aufregende Spannung erzeugende Gangart der Musik, die frustrierend harmlos, gefällig und beliebig die Stereotypen des Genres bedient.
Wieviel Substanz jedoch grundlegend nichtsdestotrotz in Måneskin steckt, zeigen die beiden ruhiger ausgelegten Nummern, die die Breitbeinigkeit zugunsten der emotionalen Gefühlsebene zurückschrauben. Das wohl romantische Coraline ist sehnsüchtig gezupft einfach sehr schön, selbst wenn alleine der Einstieg des Schlagzeugspiel so symptomatisch pures Malen nach Zahlen darstellt. Und Vent’anni schöpft als kontemplative Powerballade aus dem Blues, um zur erhebenden Stadion-Geste  mit verträumten Harmonien zu finden.
Dass nach knapp 30 Minuten bereits wieder Schluss ist, kommt entlang solcher aufzeigender Highlights dem kurzweiligen Unterhaltungswert der Platte zusätzlich entgegen. Wenn Greta Van Fleet, die Blues Pills, Kings of Leon oder ähnliche Retro-Konsorten jedenfalls eine Vorband rund um Italien benötigen, haben Måneskin mit diesem braven Sturm im Wasserglas eigentlich einen Fixplatz gepachtet, ohne jemandem wehzutun. Auf dem Schirm behalten sollte man diese junge Truppe jedenfalls, ungeachtet des jüngsten Popularitätsschubes.

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