Mark Lanegan – Dark Mark Does Christmas 2012

von am 26. November 2012 in EP

Mark Lanegan – Dark Mark Does Christmas 2012

Ein stimmungsvolles Schmakerl, dass der ehemalige Screaming Trees-Frontmann Mark Lanegan da zum Jahresausklang auf Tour mitbringt. Dazu die Gewissheit, dass selbst der alte Grantler offenbar Weihnachten feiert.

Die hier versammelten, weitestgehend sakralen Songs, sie verschmelzen natürlich nur zu optimal mit dem unverkennbaren Reibeisen-Tiefton der Seattle-Ikone aus der zweiten Reihe der großen Grunge-Welle – und Lanegan und die Jahreszeit mit den kürzer werdenden Tagen, das passt natürlich ohnedies von Haus aus zusammen. Dass ‚Dark Mark Does Christmas 2012‚ als spartanisch inszenierte Weihnachts EP ausschließlich auf Tour vertrieben wird ist deswegen eigentlich eine große Verschwendung, obwohl natürlich: auf Albumlänge, mit ausgefeilterem Spannungsaufbau, würde das wohl noch fantastischer erscheinen, quasi als (Weihnachts-)Wunsch für die Zukunft.

Aber auch so ist ‚Dark Mark Does Christmas 2012‚ ein rundum gelungener, saisonaler Nachsatz zum Anfang des Jahres erschienenen ‚Blues Funeral‚ geworden, zumal jedwede elektronische Elemente vollends aus dem Sound des 48 jährigen verschwunden sind, und einem ursprünglichen, äußerst reduzierten Klanggewandt Platz gemacht haben. ‚The Cherry Tree Carol‚ eröffnet den besinnlichen Reigen so als stockdunkle Western-Ballade über Maria und Josef, die nach E-Banjo klingt und eigentlich auch danach, was David Eugene Edwards eher mit Sixteen Horsepower denn mit Wovenhand aufgenommen hat. Genau dort knüpft ‚Down in the Forrest‚ nahtlos an, ein bedrohlicher Bass kommt aber ganz unten im Mix zu dem knochigen Mini-Instrumentarium hinzu, die Stimmung schwangt außerdem von trostlos zu beschwörend, beinahe feierlich in der grundsätzlichen Dunkelheit, aus der Lanegan’s Stimme eben kommt, um Unheil zu verkünden anstatt zu erlösen.

O Holy Night‚ startet intim, feierlich und ruhiger als die aufwühlenden Vorgänger, dass Lanegan seine Stimme im Refrain jedoch in bisher ungehörte Höhen schraubt, kann durchaus irritieren. Gewöhnungsbedürftig, aber mutig, dazu die meiste Zeit über wunderschön. Noch besser gelingt da nur das Finale mit dem unwerfenden ‚We Three Kings‚ (einem barrock-gezupften Gitarrensong mit Lo-Fi-Sound und einer stimmlichen Leistung zum Niederknien) der tieftraurigen Acapella-Nummer ‚Coventry Carol‚ und natürlich ‚Burn the Flames‚: kein unbekannter Weihnachts-Klassiker, sondern ein Rocky Erickson-Cover mit Slide-Gitarren, die man automatisch mit Twin Peaks assoziiert, vor einem gemächlich getragenen Szenario, dem ansatzweise „rockigsten“ hier, in dem Lanegan mit seinem eindringlichen Gesang im Chorus eine eigene unterirdische Kathedrale aushebt. ‚Dark Mark Does Christmas 2012‚ braucht nicht viele Mittel, um ein Maximum an Intensität zu erzeugen. Und ist damit ein neuerlicher Beweis dafür, dass Lanegan wohl auch ein Kochbuch vorsingen könnte und damit trotzdem Gänsehaut erzeugen würde. Wer zudem Bestätigung dahingehend sucht, dass Lanegan bei Fremdmaterial immer in besserer Form agiert als bei eigenen Songs, wird hier zusätzlich glücklich werden.

 

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