Melvins – Everybody Loves Sausages

von am 4. April 2013 in Album

Melvins – Everybody Loves Sausages

Das es die Melvins seit jeher so originell wie überzeugend verstehen sich die Songs anderer Künstler einzuverleiben, davon haben sie schon das eine oder andere Lied von The Who oder Kiss gesungen. Auf ‚Everybody Loves Sausage‚ legen sie dieses Talent konsequent mit der Verneigung vor ihren musikalischen Vorbildern zusammen. Nicht nur aufgrund prall gefüllten Gästeliste ein gelungener Tribut.

Man muss nicht ergründen warum ‚Everybody Loves Sausage‚ unter dem Melvins-Banner erscheint, obwohl nicht alle Songs in der Konstellation Dale Crover, Buzz Osborne, Jared Warren und Coady Willis entstanden sind, sondern ein paar auch streng genommen unter der Melvins Lite-Formation mit Trevor Dunn.
Das grundlegende: einiges hier ist bereits altbekannt und für Hardcore-Sammler auf die eine oder andere Art längstens zugänglich. Dazu kommt eine so prägende wie markante Gästliste, die sich wie ein kleines Who is Who aus den Genresümpfen rund um die Melvins liest. Wichtig ist letztendlich jedoch nur, dass sich nach den 54 Minuten hier bestätigt, was bereits vor ‚Everybody Loves Sausage‚ sonnenklar war: die Melvins haben ein Händchen für die ungewöhnlich Adaptionen von Fremdkompositionen – und sie spielen ihre Coverversionen egal ob Welthit oder Geheimtipp immer derart kompromisslos nach den eigenen Wertmassstäben, als wäre es eine Eigenkomposition. Als Einstiegspunkt in die überbordende Discographie der legendären Band aus Washington eignet sich ‚Everybody Loves Sausage‚ aufgrund des phasenweisen Wiedererkennungswertes der Nummern bis zu einem gewissen Grad nun vielleicht sogar müheloser, als es die durch die Bank ausfallfreien Studioalben der letzten Jahr(zehnt)e von Osborne und Co. tun.

So weitreichend das Feld der beackerten Musiker letztendlich ist, so nahtlos wird das (vermutlich) neunzehnte Album der Band durch den Trademark-Sound der Band zusammengehalten. Da macht es keinen Unterschied ob ‚Warhead‚ von Venom mit Neurosis-Kehlkopf Scott Kelley am Mikro gen Doom gewalzt oder der Queen-Klassiker ‚You’re My Best Friend‚ mit dem gehauchen Gesang von Tweak Bird Caleb Benjamin und malträtierend-leichtfüßigem Nintendo-Fiepen androgyn verarbeitet wird. Manche Hits bleiben auch im spontan eingeknüppelter Gewand Hits (‚Black Betty‚ orientiert sich an der Ram Jam-Interpretation des Klassikers), andere wie David Bowie’s ‚Station to Station‚ werden zur 12 minütigen, aufgekratzt-schleppend rockenden Sludge-Industrial Odyssee samt Drone-Interlude und Foetus-Mann JG Thirlwell am Mikro. Kinks-Nummern (‚Attitude‚) klingen mit Blondie’s Clem Burke nun noch mehr nach Punkrock, schier Unmögliches wie der Divine-Song ‚Female Trouble‚ nach verrauchten Tom WaitsRumpelrockKellerbar-Groove. The FugsCarpe Diem‚ bleibt unweit des Originals nahe an abgründigen Beach Boys, ‚Set it on Fire‚von The Scientists wird mit explosiver Mundharmonika-Unterstützung noch weiter in den Proto-Punk gezerrt.

Derartig gut gelaunt und nach Surf-Ausgelassenheit wie im dicht am Original bleibenden ‚Timothy Leary Lives‚ (Pop-O-Pies) rocken The Melvins selten von sich aus. Mit dem theatralischen Jello Biafra and Kevin Rutmanis werden Roxy Music-Exkursionen (‚In Every Dream Home a Heartache‚) dann zum grotesken Gruselkabinett zwischen Nick Cave und Scott Walker, bevor die Birthday Party-Apocalypse losbricht. Das morbide ‚Romance‚ (Tales of Terror) gerät dagegen zum schillernden Noisepop, ‚Art School‚ von The Jam mit Tom Hazelmeyer – ohne die markant schneidenden Wave-Gitarren dafür aber ein paar Promille mehr – zum übermütig holprigen Hardcore-Singalong. Und für ‚Heathen Earth‚ (Throbbing Gristle) mutieren die Melvins zur Experimentalmusik-Kombo sampt fiepender Effektgeräte. Die wandelbare Institution kann eben auch das mühelos, ohne sich verrenken zu müssen.
Tatsächlich essentiell will die kurzweilige Songsammlung ‚Everybody Loves Sausage‚ dabei nie sein. Es geht viel eher darum heimliche Helden mit freundschaftlicher Unterstützung im unnachahmlichen Melvins-Licht auszuleuchten; einen Song wenn schon nicht neu zu erfinden, zumindest interessante Facetten abzugewinnen; und vor allem natürlich den eigenen Spaß an der Okkupation der Titel zu übertragen. Gelingt hier alles. Eine ungemein unterhaltsame Geschichtsstunden ala King Buzzo und Trommelviech Crover also.

07

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