Milhaven – Automata

von am 24. Januar 2012 in EP

Milhaven – Automata

Postrock kann man auch in Bochum. Vier Jungs aus dem Ruhrpott fügen dem Genre keine neuen Akzente hinzu, wissen aber wie man dessen Schönheit majestätisch in Szene setzt.

Grundsätzlich stellt sich natürlich schon die Frage, ob es Bands wie Milhaven wirklich noch braucht. Bands, die wissen, wie man rein instrumentale Musik spannend gestalten kann; wie man ausufernde Melodieführungen zwingend auch auf über 17 Minuten ausdehnen kann, ohne den Faden zu verlieren; wie man atmosphärisch dichte Songmonolithen nach dem Lehrbuch an- und abschwellen lässt ohne zu sehr nach Baukasten zu klingen; wie mächtige Klangkonstrukte auch ohne aggressive Härte druckvoll aus den Boxen marschieren; kurz: wie man packenden Postrock spielt. Genau das machen Milhaven auch auf ‚Automata‚. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Füttern ein Genre mit den genau gleichen Inkredienzien wie es unzählige weitere Bands da draußen auch tun und die man gut und gerne im Vorprogramm von Mono, Mogwai, Goodspeed! You Black Emperor und Co. wohlwollend abnickt – aber nach wenigen Minuten als ferner liefen abhackt.

Milhaven erfinden das Rad des Postrock weder neu noch drehen sie es markant anders als die anderen da draußen. Daraus einen Strcik zu drehen, wäre einfach –  doch das  Kunststück, dass den vier Bochumern gelingt: Für die Dauer der jeweiligen Platte erscheint dies absolut unwichtig. Milhaven spielen ihren Postrock derart erhaben melodieversessen, zum darin verlieren und traumhaft schön, dass alles weitere in den Hintergrund tritt. Das war bisher so, das ändert sich auch auf ‚Automata‚ nicht. Dreimal zelebrieren Milhaven das bekannte Spiel – zu Beginn noch holprig: Der Mammutopener ‚DRZ‚ platziert sich in der Nähe von Omega Massif, hat jedoch einen schöneren Ausblick, schwimmt schlußendlich aber auch zu sehr mit dem Strom: Laut-Leise Dynamik allein bringt den Song nicht von der Stelle und auch nicht aus dem Schatten der großen Genrekollegen.
Dass die Stärke dieser Band ohnedies eher in den ruhigeren Momenten liegt, führen hingegen ‚Zombi‚ und vor allem der über Akustikgitarren schwebende Titelsong eindrucksvoll vor Ohren: Entspannt umgarnen sich die Seiteninstrumente in himmlischem Wohlklang, perlen in melancholischer Schönheit – Explosions in the Sky sind allgegenwärtig, magische Momente in greifbarer Nähe und wenn man anderswo „Chill-Wave“ sagen darf, sollte es auch „Chill-Postrock“ geben dürfen. Genau wegen solcher 15 Minuten stellt sich die Frage bei Milhaven nicht, ob es noch mehr derartige Bands braucht.

Auch deswegen nicht, weil Milhaven den Dienst am Fan groß schreiben. Wie bei den großzügigen Deutschen üblich, gibt es auch ‚Automata‚ wieder unentgeldlich im hauseigenen Bandcamp zum Download. Viel schöner ist aber natürlich die dazupassende Vinylversion: Wer zu den hundert Mitfinanzierern der Platte gehört, hat ‚Automata‚ selbstverständlich schon in schickem grünen Vinyl zuhause, 400 weitere Postrocker dürfen in den Genuss der limitierten schwarzen Auflage kommen, eingebettet in schwerem Gatefold – handnummeriert. Eine feine Sache.

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