Mono – For My Parents

von am 30. August 2012 in Reviews

Mono – For My Parents

Niemand sonst versteht Postrock so sehr als Soundtrack fürs Kopfkino wie Mono. Auf ihrem sechsten Studioalbum schmelzen die Japaner ihre filigranen Gitarrenlandschaften und wellenförmigen Songs nun endgültig in orchestrale Scoreflächen.

Den Scheideweg zwischen Intensivierung und Kursänderung haben Mono passiert. In den etwas mehr als drei Jahren seit ‚Hymn to the Immortal Wind‚ bzw. den knappen zwei seit der Livedokumentation ‚Holy Ground: NYC Live with the Wordless Music Orchestra‚ haben die Japaner sich für eine systematischen Zuspitzung der seit dem Vorgänger gehegten Zuneigung zu orchestralen Arrangements über ihren zarten Postrock Konzentrationen entschieden, ‚For My Parents‚ spannt den Bogen über die selben Eckpfeiler wie seine beiden Discographievorgänger, tut dies aber noch selbstsicherer, bestimmter und auch fokussierter, sogar noch ausladender – und findet gerade darin seine große Klasse wie auch Achillesferse.

Denn wer es sich einfach machen will, kann die so konzentriert zu Werke gehenden Japaner damit abkanzeln, dass sie wohl nie mehr die Güteklasse des so herzerwärmend Postrock-Meisterwerks ‚You Are There‚ von 2006 erreichen werden. Was eventuell stimmen könnte, aber letztendlich keine Rolle spielt, da Takaakira Goto, Hideki Suematsu, Tamaki Kunishi und Yasunori Takada dies wahrscheinlich ohnedies nicht wollen, zumindest nicht in gängigen Schemen, wie auch ‚For My Parents‚ nun nocheinmal unterstreicht. Mono haben die entdeckte Klassik in ihre Musik verinnerlicht, streben nun in bisher ungehörter Konsequenz das Epische jenseits ihres langjährigen Bandinstrumentariums an. Die Gitarren im Meer aus Reverb werden immer noch gefühlvoll mit dem Plektrum über schwelgend melancholischen Melodien gestreichelt, Ausbrüche damit kommen jedoch kaum noch vor. Die Postrockband Mono geht ein wenig im dramatischen Pomp, Bombast und Pathos unter, breite Streicher lassen den Orchestergraben beben, der nächste große Tusch ist nie weit entfernt.

Die Symbiose zwischen Orchester und Postrock ist für Mono auf ‚For My Parents‚ damit wohl abgeschlossen. Territorium, das auf ‚Hymns for the Immortal Wind‘ aufgezeigt wurde, ist drei Jahre später aufs ausführlichste vermessen worden, das Songwriting an der Ausrichtung optimiert, eine Steigerung oder Verdichtung der Gangart kaum mehr möglich. Das lässt Anhänger der Anfangsphase der Band eventuell unbefriedigt zurück, bedient aber allein mit dem wunderbar majestätischen ‚Legend‚ (nicht nur aufgrund des Titels sind Vergleiche zu Joe Hisaishi’s ‚Mononoke Hime‚ – Theme zulässig) oder dem meditierenden Ruhepol ‚Dream Odyssey‚ aber einige der schönsten Postrock Momente der letzten Jahre. Auch, weil Mono nun nicht mehr nur herausragend aus dem Genre agieren, sondern tatsächlich ihr eigenes Subgenre kreiert haben, mittlerweile schlicht einzigartig klingen. Und  natürlich ist das dazu alles, was Mono-Musik in all ihren Spektren immer schon war: sie ist ergreifend, berührend, anmutig und geradezu unwirklich schön, schlicht erhaben. Melancholisch verträumte Instrumentalepen, eine Achterbahnfahrt im Zeitlupenmodus. Der Konzentrationsfokus schultert etwaige Stagnationsmomente dabei spielend auf hohem Niveau, Ermüdungserscheinungen gehen in der Pracht der Kompositionen unter, wenn überhaupt scheitert ‚For My Parents‚ in seiner Ambition also nur marginal – an den Erwartungshaltungen -, es bleibt dennoch kein Schritt,  für den man Mono nicht zutiefst dankbar sein müsste.

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