Origami Angel – Gami Gang

von am 4. August 2021 in Album

Origami Angel – Gami Gang

Im Kern ist Gami Gang Midwest Emo im Pop-Gewand samt bittersüßer Leidenschaft, optimistischem Schwermut, sympathischer Knackigkeit und humoristisch-flockigem Melodrama.

Drumherum will das wirklich Spaß machende Zweitwerk von Origami Angel aber mehr, während die (für den Sommer ideale) Platte ständig wirkt, als würde sie aus einer Zeit stammen, in der Panic at The Disco oder Say Anything die Szene über den Tellerrand und Mainstream-Grenzen hinaus zu verzücken wussten.
Ein ironisches Trap Intro wird etwa in Form von #GAMIGANG ausprobiert, bevor Self-Destruct metallisch beginnend doch betont fluffig und poppig agiert und sogar Synth-Breakdowns bietet. Möbius Chicken Strip ist zügiger Poppunk und Noah Fence flirtet mit Solo-Ausflüge und Gangshouts, während Mach Bike und Bed Bath & Batman Beyond gniedeln, Isopropyl Alchemy Tempi-Wendungen exerziert und Greenbelt Station als bezaubernd intime gezupfte Introspektive überrascht – die kurzerhand in die jazzige Bossanova-Lounge von Bossa Nova Corps führt. Kno U feuert sich selbst mit Animations-Gesten an und /trust probiert den Spagat zwischen Hip Hop- und Screamo-Versatzstücken, was nicht nur (aber vor allem) Rivers Cuomo den Grinser ins Gesicht treiben wird.

Das progressiv-unberechenbare Songwriting von Gami Gang, das sich mit Freude in unzählige stilistische Einflüsse stürzt und dabei gerne das Risiko eingeht, eher mit zu geringer Aufmerksamkeitsspanne als einer unbändigen Wendigkeit ausgestattet zu sein, geht entlang seiner anachronistischen popkulturellen Referenzen (da kommen DVDs oder Gameboys vor und Songs tragen verschmitzt-smarte Fusions-Titel wie Neutrogena Spektor – samt Metalcore-Part – oder Tom Holland Oates) einfach dynamisch zu Werke. Hinter einer knabenhaft hellen Stimme zeigt das Duo eine enorme Spielfreude und Energie, geht unbekümmert und locker, schmissig und kurzweilig zu Werke. Selbst punkige Hardcore-Passagen transportieren eine immanente geschmeidige Nostalgie und beschwingte Melancholie, deren Sentimentalität eine unbeschwerte Ausgelassenheit behält. Dass man die Platte bis zum nächsten Release der Band vermutlich alsbald wohlwollend aus den Augen verlieren wird: passt schon!
Doch um insofern gleich wenig zum Punkt zu kommen, wie Pat Doherty (drums) und Ryland Heagy (guitar, vocals) aus Washington DC es tun: Gami Gang überspannt den Bogen zwei Jahre nach den Debüt Somewhere City mit 50 Minuten einfach, auch wenn man keinen der 20 Songs wirklich missen möchte. Mit einer strenger selektierenden Hand hätte man einige gefällig auf Durchzug schalten lassende Passagen der Platte einfach auslassen und die Qualitäten effizienter destillieren können.

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