Pixies – EP-1

von am 16. September 2013 in EP

Pixies – EP-1

Seit knapp zehn Jahren sind die Pixies zwar wiedervereinigt, seit knapp zwei Dekaden haben sie jedoch abseits der 2004er Single ‚Bam Thwok‚ und dem diesjährigen Kim Deal Abschied ‚Bagboy‚ kein neues Material mehr veröffentlicht. ‚EP-1‚ zeigt, dass das nicht nur ein Fehler war – und es trotzdem schön ist, die Band auch abseits der Bühne wieder zu hören zu bekommen.

There is no Pixies in this Pixies“ heißt es in einer der (überraschend) vielen enttäuschten Besprechungen dieser EP, die selbst nach dem ernüchternd-grottigen (auf der EP nicht vertretenen) Einzelvorboten ‚Bagboy‚ und zahlreichen Jahren Studio-Funkstille nicht mit den immensen Erwartungshaltungen mithalten kann, die man an die Pixies Angesicht der unumstößlich makellosen Veröffentlichungsliste der Band zwischen 1987 und 1991 zwangsläufig immer noch haben kann/ muss.
Eher richtig ist jedoch: ‚EP-1‚ ist sich dessen bewusst, zeigt deswegen eine Band die sich verändert hat (zwei Jahrzehnte ohne Entwicklungsschritt sind trotzdem besser als eine Weiterentwicklung samt gefühltem Rückschritt) und doch: da stecken durchaus noch Pixies in den knapp 15 Minuten Spielzeit. Sie klingen mittlerweile eben einfach nur älter, gezähmter, süßlicher, leichter verdaulich, weniger unberechenbar, weniger mitreißend und weniger exzentrisch – aber selbst innerhalb des eigenen Referenzschattens keineswegs ohne Existenzberechtigung.

EP-1‚ ist keine überragende Rückmeldung der legendären Band geworden, aber eine durch und durch solide – manchmal auch  mehr. Das eingangs erwähnte Zitat straft dabei schon ‚Indie Cindy‚ im Alleingang Lügen: wie da Joey Santiagos Leadgitarre über Frank Blacks Akustische und den stolpernden Rhythmus von David Lovering surft hat nicht nur nostalgische Qualitäten – selbst wenn dem Song durch seine polierte Gil Norton-Studioproduktion im arg versöhnlich flauschigen Wohlfühl-Refrain immer wieder die Puste auszugehen droht und der ausflippende Mittelteil keineswegs so crazy ist wie er gedacht sein dürfte. Dennoch blitzt in diesen viereinhalb Minuten das melodische Genie der klassischen Pixies am vergangenheitstreuesten durch.

Die restlichen Songs fächern sich stilistisch variantenreich auf, fühlen sich mitunter gar fremd an: das atmosphärisch marschierende ‚Andro Queen‚ klingt dank Blacks entrücktem, cleanem und gestauchten Gesangs zwischen angedeutetem Reverb-Meer und wallenden Melancholie-Gitarren irritierend betörend klebrig, sehnsüchtig fließend und vielleicht so verträumt, wie David Lynch das eigentlich gerne würde aber eben nicht kann. ‚What Goes Boom‚ packt dann als Update des deutlich  besseren ‚Is She Weird‚ die hart riffende Grunge-Keule aus, beinahe trotzig und wütend klingt das, vor allem aber im Ansatz angenehm hungrig.
Das schwache ‚Another Toe‚ verdeutlicht hingegen dann am stärksten die Mankos der aktuellen Pixies: da passt zwar die mit dem Strich gebürstete Melodieführung, dennoch rockt das gar zu hüftsteif und ohne Schrammen, ohne die zündenden Ausraster alter Tage dümpelt der Song nur auf B-Seiten Niveau. Kim Deal fehlt nicht nur hier an allen Ecken und Enden und vor allem ab den Harmoniegesängen als kantiger Reibungspunkt. Ob Kim Shattuck sie ersetzen können wird darf bereits jetzt bezweifelt werden, muss sich allerdings erst zeigen: die Bass-Credits bekommt auf ‚EP-1‚ noch „Ding„.

Was ‚EP-1‚ vielleicht am meisten abgeht sind die Extreme. Vollzogen die Pixies immer einen verrückten Seiltanz zwischen Genie und Wahnsinn, der die Band für ihre erste Existenzphase zur mitunter größten Indierock-Kombo des Planeten werden ließ, fühlen sich die vier Songs zu sehr nach Netz und doppeltem Boden an, über dem die Brillanz der späten Achziger und frühen Neunziger nur noch vage schimmert. Derart unverhohlen zutraulichen Pop haben die jedenfalls Pixies selten zuvor gespielt und leider schrammt das nicht selten auch etwas zu knapp an biederem Altherrenrock vorbei. Aber eben: spätestens wenn man die Erwartungshaltungen rund um den Legendenstatus der Band ausklammert, ist ‚EP-1‚ eine gelungene Rückmeldung auf deren Songwriting man durchaus aufbauen kann – und in Zukunft in ähnlicher Veröffentlichungsform wohl auch wird.
Quasi die zu erwartende Enttäuschung, die sich ohne Kraftanstrengung über den gängigen Indierock-Durchschnitt hebt. Zündet vielleicht gerade mit abgenommener Fanbrille am stärksten.

06

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