Punch – They Don’t Have To Believe

von am 1. Oktober 2014 in Album

Punch – They Don’t Have To Believe

Notfalls genügen Punch gerade einmal 5 Sekunden, um ihrem explodierenden Unmut gebührenden Ausdruck verleihen. So zu hören im Titeltrack, der freilich nur das Epizentrum der so schnörkellosen wie brutal angepissten 20 Minuten-Katharsis ‚They Don’t Have To Believe‚ geworden ist.

…but they should stay out of my way!“ brüllt Meghan O’Neil Pennie sich einen Kehlkopfriss fordernd und klare Grenzen ziehend im Titeltrack hinten nach, peitscht den so zornigen Hardcore ihrer Band in wenigen Augenblicken zum Sieden konzentrierten Zenit ihrer dritten Studioplatte, ihrer definitiven Veröffentlichung: ein derart wütendes Gebräu aus sozialkritischer  Galle (Veganismus, Feminismus, Politik) die niemandem als sich selbst verpflichtet ist, verpackt in zum Bersten aggressiven Sprintern haben die Kalifornier selbst auf der grandiosen – und Rückblickend geradezu prophetisch betitelten – Nothing Lasts‚-EP von 2011 nicht derart kompromisslos und lückenlos hinbekommen.
Im Nachhinein kann man da natürlich so schlau sein und zu Recht feststellen: nachdem sich Punch erst so lange verkrochen hatten, das man sich nicht mehr sicher sein konnte ob die Band überhaupt noch existierte, kommt das lange vorbereitete ‚They Don’t Have To Believe‚ in seiner Bedingungslosigkeit einem finalen Statement gleich, das keine Fragen mehr offen lässt. Der Ausstieg von O’Neil Pennie nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung konnte einen also durchaus am falschen Fuß erwischen – unerklärlich überraschend wirkt er dann allerdings nicht: dass Punch hiernach in dieser Konstellation vorerst alles gesagt haben glaubt man gerne.

Dabei gibt sich Meghan auf ‚They Don’t Have To Believe‚ keineswegs als die beschriebene schüchterne und verschlossene Person, sondern lässt sich von Ehemann Alex Pennie und dessen Goodtime Boys aus der Ferne via ‚Rain‚ zu einer schonungslosen und expliziten Gefühlskatharsis pushen – ihre eigenen Jungs wiederum spornt dies zu Höchstleistungen an. Das Tempo ist unmittelbar hoch, Blastbeats halten sich zwar eingangs noch in Grenzen, der Bassgroove formt den Sound, bis sich die Dinge in einer Kettenreaktion verselbstständigen, der Grindcore in Griffweite kommt, die Finger im Griffbrett entlangrutschen bis sie bluten: Punch spielten sich in den drei Studiotagen mit Jack Shirley (obwohl ein Deathwish-Produkt tut es gut, mal nicht den klassischen Kurt Ballou Sound vorgesetzt zu bekommen) in einen wahren Rausch.
In ‚Not Sorry‚ zerfleischen sich Gitarren und Drums gegenseitig, ‚Personal Space‚ galoppiert direkt in die Raserei und hat trotzdem Zeit für ein sich mächtig in die Höhe aufbäumendes Riff, ‚Self Help‘ erhält Unterstützung in Form von Gang Shouts. ‚Promises Kept‚ gerät zum gemischtgeschlechtlichen Schlagabtausch an der Grenze zum Powerviolence von Trash Talk, ‚Unconditional‘ zur aufreibenden Beziehungsanalyse. Wieviele Wendungen und Finten Punch dabei in ihre hechtenden Songs komprimieren hinterlässt atemlos, die zwei Minutenmarke wird nur einmal geknackt: ‚Denial‚ gönnt sich einen regelrecht elendslange anmutende Startrampe um Spannungen zu verdichten – in einer anderen Zukunft der ideale Konzertopener. Wie es für Punch nach dem Ausstieg von O’Neil Pennie weitergehen wird steht derweil wohl noch in den Sternen. Was sich bleiben wird ist allerdings die stärkste, weil dynamischste und konzenztrierteste Platte einer der besten Hardcorebands jüngerer Vergangenheit.

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