Racetraitor – Nobody, Son of Nobody
Die Veteranen Racetraitor sitzen weiterhin zwischen den Stühlen, radikalisieren die Fratze ihres eklektischen Nihilismus auf dem hässlichen EP-Bastard Nobody, Son of Nobody nochmals ein wenig kompakter als sonst.
Mittlerweile existiert die Band aus Chicago seit der Reunion vor zehn Jahren ja schon über dreimal so lange, als während ihres ersten Lebens in den 90ern und hält dabei die Release-Rate über Splits, Compilation-Beiträge (wie etwa Shut It Down: Benefit for the Movement for Black Lives oder Riffs for Reproductive Justice) sowie natürlich die beiden Studioalben 2042 (2018) und dem ambitionierteren Clusterfuck Creation and the Timeless Order of Things (2023) hoch.
Dass sie trotz dieser Frequenz nicht an Aggression verloren hat, zeigen Racetraitor diesmal anhand von 8 Songs in 13 Minuten, die den zuletzt eingeschlagenen Weg mit viel Druck am Ventil weitergehend eine Art wütende, sich variabel austobende Collage einfangen – hinter der harschen Ästhetik auch von einem im Verlauf immer wieder glitzernd auftauchenden The Cure-Feenstaub als Patina zusammengehalten.
Five Dead Stars hämmert zur Begrüßung von Nobody, Son of Nobody wie ein sludgig verwaschener Industrial-Hass im Grind. Eine Ausrichtung, die später auch in Red Summer anvisiert wird – mit tackernden Blastbeats, apokalytisch röhrenden und fauchenden Gitarren, als Wutausbruch mit Ministry und Godflesh im Hinterkopf samt hirnqütigwb Blackened-Converge und sinfonischer Folklore vor Augen.
Policy of Hell speit das Kerosin tollwütig, schleppt sich zwischen seinem Rahmen aber doomiger, das Zwischenspiel Primitive Tongue schielt gar tatsächlich zu Primitive Man.
Als Ausgleich dazu poltert A Mirror Watching in einem Orgel-Beet transzendental perkussiv in einer psychedelischen, schamanistischen Trance samt melodischem Klargesang auf bedrohliche Weise ätherisch und Unity of Being lehnt sich andächtig in seinen atmosphärischen Ambient. Dass die Band dabei immer wieder „Take me back home“ erfleht, passt irgendwie zum zerfahrenen, ziellosen, aber niemals inkonsequenten Charakter von Nobody, Son of Nobody.


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