Reba Meyers – Clouded World EP
Marilyn Mansons Tour-Gitarristin Reba Meyers nutzt die Auszeit von Code Orange, um sich mit der Clouded World EP erstmals auf (aus der vetrauten Komfortzone hinausführenden) Solowegen auszuprobieren.
Sie tut dies in einer ambivalenten Ausgangslage. Nach einem katastrophalen 2023 Doppelschlag ihrer Stammband ist die Erwartungshaltung an die 24 Minuten von Clouded World verdammt niedrig, geht aber Hand in Hand mit dem Zweckoptimismus, dass es schwierig für die Meyers werden würde, die beiden Offenbarungseide What Is Really Underneath? und The Above qualitativ zu unterbieten.
Doch dann unternimmt das eröffnende Titelstück wirklich alles, um die so tief liegende Achse aus Qualitätslatte und Anspruch mit einem banalst in breitbeiniger Pose heulendem 08/15-Alternative Rock samt oberflächlicher Teenie-Texte und komplett austauschbarem Riff (nebst unter soliden Lead) zu blamieren: Ein Totalausfall, wie er dafür geschaffen zu sein scheint, Greg Puciato mit tougher Geste zu beeindrucken.
Wirklich irritierend ist dabei aber gerade auch, dass der Mix von Steve Evetts trotz Steve Albinis Produzentenmeisterhand ein wenig danebengeht: Wo sich die Nummer mangels jedweder Songwriting-Klasse primär durch ihre Energie und Attitüde zu definieren versucht, ist die Gitarre hinter den viel zu dominanten Vocals zwar präsent, bekommt aber ebenso kaum Physis, wie das Schlagzeug ohne Druck auskommen muss. Die Summe der keineswegs aufregenden Teile bleibt belanglos, nebensächlich, altbacken.
Danach fängt sich die Clouded World EP jedoch, auch wenn es Meyers wohl selbst nicht ganz klar ist, wohin sie stilistisch will, wie sie etwaige Akzente dafür gewichten soll, oder wann ein Song längst fertig wäre und jede weitere Runde bereits hart an die Nerv-Grenze geht.
Das gefühlt endlose, viel zu bemüht gesungene Certain Uncertainty pluckert jedenfalls trotzdem interessant, elektronisch und beinahe balladesker treibend zu einem Fleshwater’esken Mäandern. Got Your Hold on Me kehrt sogar den Trip Hop a la Martina Topley Bird anhand von Beats und Streichern samt rasselndem Trap und obligatorisch heulendem Solo hervor: Da fehlt zwar noch die wirklich prägende kompositionelle Klasse, doch greifen hier einige Zahnräder auf der atmosphärischen Ebene schon sehr schlüssig ineinander.
Ähnliches gilt für die klackernd plätschernde Depeche Mode-Elektronik in Lust Forbidden, die jedoch nur ästhetisch, nicht aber inhaltlich hängen bleibt.
Auch das heller, melodiöser oszillierend am Indierock angelegte Sanctuary überzeugt durch seine weichere Aufbruchstimmung (obwohl Reba phasenweise ein wenig ratlos zu sein scheint, wie ihre Stimme mit dem Setting umzugehen hat), bevor (das gleichermaßen einen kohärente Rahmen um die EP schließende, wie für sich selbst stehend eigentlich irrig betitelte) Bring Us All Together symptomatisch für das unausgegorene Wesen der Songsammlung sich am Spagat aus der schwülstig angehauchten Ballade mit Twin Peaks-Flair und einer faden A Perfect Circle-Geste diametral verhebt: Ein frankensteinscher Hybrid, der Ambition erkennen lässt, jedoch zuallererst ratlos und unbefriedigt entlässt.


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