Record Store Day 2013

von am 30. April 2013 in Sonstiges

Record Store Day 2013

Mittlerweile gefühltermaßen eher die Regel als die Ausnahme: der schier unüberblickbaren Schwemme an Veröffentlichungen zum alljährlichen Record Store Day begegnen einige Plattenläden bereits eingangs mit unverschämten Preisen, die finanziell zumeist freche Weiterverwertung via Ebay, Discogs und Co. ist dann der zusätzliche Faustschlag für Fanherzen und Brieftaschen. Hinter diesem fahlen Beigeschmack gab es aber auch dieses Jahr wieder zahlreiche Must-Haves, obskure Sammlerstücke und verzichtbare Veröffentlichungen zu ergattern. Der Record Store Day 2013 in augewählten Kurzbetrachtungen:

Record Store Day 2013 Kurzreviews: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

Soundgarden - King Animal Demos  Soundgarden – ‚King Animal Demos‘

Bones of Birds‚, ‚By Crooked Steps‚, ‚Halfway There‚, ‚Worse Dreams‚, ‚Black Saturday‚ und ‚A Thouthand Days Before‚ vom durchwegs grandiosen Soundgarden-Comeback ‚King Animal‚ im unaufgeblasenen Demogewand. „This is the first time these recordings have been available together.“ heißt es in der Zusatzinfo. Was einerseits stimmt, andererseits auch meint: bis auf ‚Halfway There‚ waren alle Demos auch schon auf der „exklusiven“ Amazon(/Best Buy/Australien)-Version des sechsten Studioalbum der Seatle-Legende zu finden – besagten Song bekamen bisher hingegen nur iTunes-Kunden angeboten. Wer nach 16 Jahren Soundgarden-Abstinenz also nicht gleich mehrere der anstrengend vielen Versionen der Platte gekauft hat darf sich also freuen, ebenso wie Vinylfreunde (gab es ja zuvor nur digital oder auf CD, die Songs).  Dass die von der Band in den TNC Studios in Los Angeles und dem Deke River Studio in Seattle aufgenommenen Songs wegen der noch fehlenden Nachdrücklichkeit der (Kaum-)Produktion gegen die Albumversionen natürlich abstinken müssen steht nicht zur Debatte. Vor allem, weil die reduzierteren Rohfassungen Beweis genug für die unheimliche Stärke des Songmaterial an sich sind. Schade hingegen, dass nur Amerika in den Genuss des pinkfärbigen Vinyl kommt, Europa wegen Produktionsschwierigkeiten mit dem weniger stimmigen Schwarz Vorlieb nehmen muss.

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Mumford & Sons - Live from Bull MooseMumford & Sons – ‚Live from Bull Moose‘

Mumford & Sons im Livegewand. Statt des üblichen Arena-Programmes gönnten sich die Engländer am 3. August 2012 allerdings die beinahe heimelige Atmosphäre vom Bull Moose Record Store in Scarborough, Maine. Die pathosgetränkten Melodien mit stampfender Bassdrum und dängelndem Banjo, die man schon von den beiden Studioalben der Band kennt, haben hier natürlich trotzdem Platz. Auf ‚Live from Bull Moose‚ sind das abgesehen von ‚Awake My Soul‚ drei Songs vom (besseren) zweiten Album ‚Babel‚: vor allem der Instant Hit ‚I Will Wait‚ ist ungeachtet seines (Keane-)E-Pianos nackter und aufgrund der reduzierten Produktion weitaus weniger aufdringlich als die Studioversion. Marcus Mumford und seine Pseudo-Söhne präsentieren sich dabei in aufegelter Spiellaune, der Frontmann gibt den sympathischen Interaktionspunkt und schüchternen Entertainer, das artige Publikum wird zu Beginn und am Ende jedes Songs in das stimmungsvolle Szenario geschnitten. Überhaupt ist hier alles etwas weniger stumpf und frontal agierend als auf den pappsatten, brachialen Studioalben und damit auch für grundsätzlich der Band abgeneigte Hörer eine Zugangsmöglichkeit zu Mumford & Sons. Erscheint neben der 12″-Version übrigens auch als CD.

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Ty Segall - Ty Rex  Ty Segall – ‚Ty Rex‘

Nachdem der vielleicht tüchtigste unter den aktuellen Retro-Rockern bereits am Record Store Day 2011 der 70s Legende um Marc Bolan gehuldigt hatte wiederholt der Kalifornier Ty Segall das Spiel dieses Jahr abermals: zu hören gibt es diesmal Versionen von ‚Cat Black (The Wizard’s Hat)‚ und des 1971er ‚Electric Warrior‚-Songs ‚The Motivator‚. Zweimal sparsam instrumentiertes (Gesang, Gitarre und Schlagzeug) Lo-Fi Schrammeltum mit ordentlich viel Charme und einer dicken Staubschicht über dem Sound, dabei auch zurückgenommener und ruhiger, als es beispielsweise die zahlreichen Segall-Platten im Jahr 2012 waren. Freilich vor allem keine Detailstudie, sondern vielmehr ein spontaner Schnappschuss. Damit eine nette Kleinigkeit, die der Record Store Day 2013 abgeworfen hat. Und trotzdem auch eine kleine Enttäuschung, wenn man bedenkt, dass Teil 1 von ‚Ty Rex‚ mit drei mal so vielen Songs deutlich üppiger ausgefallen ist als Teil 2. Also wieder einmal so eine Preis/ Leistungs-Geschichte am Record Store Day über die man hadern kann.

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Chelsea Wolfe & King Dude - Sing Songs Together  Chelsea Wolfe & King Dude – ‚Sing Songs Together…‘

Der hippe Black-Metaller auf Folkpfaden und die entrückte Experimental-Folk-Singer/Songwriterin: das Doppel passt zusammen wie Friedhof und Geisterstunde. Genau dort spielen sich die beiden über knapp 10 Minuten aufgefahrenen Songs hier auch ab. Der King Dude schmiedet mit ‚Satan’s Ghost‚ einen im 60s-Hallmeer massiv nach vorne gehenden Tremolo-Rocksong, beinahe majestätisch in die Breite wachsend und deutlich stärker als das Material auf der wiederkäuenden ‚Holy Trinity‚ EP. In ‚Fight Like Gods‚ breitet TJ Cowgills Tourpartnerin Wolfe dann eine gespenstische und unheilversprechende Elegie aus, die sich atmosphärisch sogar noch eindringlicher gibt als sein kongenialer, zupackenderer Konterpart. Beide Songs weben sich übrigens den jeweiligen nicht als Urheber angegebenen Künstler in den traumwandlerisch gemalten Skellett-Background ein. Und weil ‚Sing Songs Together‚ zwar als Record Store Day Release läuft aber streng genommen bereits auf der King Dude & Chelsea Wolfe – Tour davor erhältlich war, bekommt man die 7″ auch problemlos im Online-Store der Musiker.

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Moby and Mark Lanegan - The Lonely Night  Moby & Mark Lanegan – ‚The Lonely Night‘

Eine der spannendsten Auswüchse des Schallplattenladen-Feiertages sind sicherlich die immer wieder auftauchenden unmöglichen aber möglichen Kollaborationen verschiedener Künstler. Hier also der vegane Werbungsmusik-Revolutionierer und der grantelnde Kettenraucher des Grunge. Allerdings ist dies keine so abwegige Zusammenarbeit, wie es auf den ersten Blick wirkt: hat man Mobys Frühphase als Rocker einerseits im Auge und natürlich andererseits vor allem Lanegan, der bekanntlich bereits reichlich Erfahrung mit Songs hat, deren Ursprünge sich im elektronischen Bereich verorten lassen. Neben Lanegans eigenem letzten Studioalbum ‚Blues Funeral‘ wären das vor allem externen Arbeiten mit UNKLE oder Soulsavers. Dabei scheint es immer auch ein wenig ein Glücksspiel zu sein ob der musikalische Partner etwaige Schwächen des Songwriters Mark Lanegan aufzuwerten versteht oder aber sich gar zu sehr auf die Ausnahmestimme des ehemaligen Screaming Trees-Frontmannes verlässt. Bei dem melancholisch treibenden Soundmeer ‚The Lonely Night‚ ist leider eher zweiteres der Fall. Was aber nicht so schlimm ist: atmosphärisch dicht und stimmungsvoll ist der ambientartige Song nämlich trotzdem. Kann man also ruhigen Gewissens gut finden – und die beiden drangepappten Remixarbeiten (Photek schraubt eine schiebende Tanzillusion in die Zeilupe, Moby selbst an einer überlangen und äußerst gelungenen Lounge-Nummer mit markant-niedergeschlagenen Piano) insgeheim sogar noch interessanter.

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R.E.M. - Live in GreensboroR.E.M. – ‚Live In Greensboro‘

Am 14 Mai wird ‚Green‚, das sechste Album (und gleichzeitig erste der Band bei dem Major Warner) der nunmehr auch schon seit zwei Jahren im Ruhestand befindlichen R.E.M. im Zuge der 25th Anniversary-Serie neu aufgelegt. Im Anhang: ein 21 Songs-starker Live-Mitschnitt von einem Gig der Band am 10. November 1989 in North Carolina. Als wäre dieses Reissue also nicht bereits rappelvoll genug beladen, wurde das kommende Material am diesjährigen Record Store Day weniger angeteasert, als reichhaltig erweitert. 5 weitere Songs gibt es in EP-Form zur Ergänzung, darunter mit Fanlieblingen wie etwa (dem falsch betitelten) ‚Feeling Gravitys Pull‚ oder dem frühen Hit ‚So. Central Rain (I’m Sorry)‚ – also alles andere als Setlistfüller. Der Sound ist dabei ebenso stimmig geraten wie die Aufmachung der CD – ob der beigepackte Patch tatsächlich ein von der 1989-Tour übrig geblieben ist, kann man glauben oder nicht. Schick ist er in jedem Fall.

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