Ty Segall – Twins

von am 18. Oktober 2012 in Album

Ty Segall – Twins

Garagenpunk Ty Segall zeigt auch auf seinem dritten Album im Jahr 2012 keinerlei Ermüdungserscheinungen: kurzweiliger wildert momentan jedenfalls keiner in ungeschönt schmutzigen 60er Rock und zieht dabei beinahe ausnahmslos Hits an Land.

Wo andere lange Reden von Albumtrilogien und sonstigen groß angelegten Songzyklen spucken, macht der Kalifornier ganz einfach: Ty Segall drückt abermals ohne Rücksicht auf Verluste auf das Gaspedal seines mehrere Generationen zurückblickenden aber zeitlos jugendlich einherfallenden Lo-Fi-Rock, rast neuerdings durch eine Veröffentlichungsliste wie er es durch seine Songs in kompromissloser Spielwut immer schon tat – bei Segall wird Musik immer nur im Rückspiegel betrachtet. Garage-Punk und nihilistischer Rock’n’Roll, alles im roten Bereich und genug Distortion im aus jeder Pore triefenden Gemisch aus Schweiß und Adrenalin. Das war auf ‚Hair‚ schon makellos und mit der Ty Segall Band auf ‚Slaughterhouse‚ sogar noch besser – und funktioniert nun auf ‚Twins‚ natürlich auch ein weiteres mal absolut mitreißend.

Egal, ob nun noch ein wenig schwerfällig im Midtempo (‚Thank God for Sinners‚) oder nahe an den galoppierenden Kollegen von Tame Impala (‚They Told Me Too‚), ob da nun der Doom in ähnlich schmutziger Visage um die Ecke biegt wie zuletzt auf ‚Slaughterhouse‚ (‚Ghost‚), Segall einen auf Uncle Acid and the Deadbeats macht (‚Inside Your Heart‚), das Surfbrett auspackt (‚Would You Be My Love‚) oder  die Zügel für die Guided by Voices-Verneigung ‚Would You Be My Love‚ richtig stramm zieht und doch nur für das bestialisch hemmungslose ‚You’re the Doctor‚ das Gaspedal bedingungslos für sich entdeckt: immer hofiert der Senkrechtstarter der rückwärts-begeisterten Feuilletons die ungemein einprägsamen Melodien in seinen prägnant bleibenden Songs, diesmal sogar noch ein Quäntchen stärker als sonst. ‚Twins‚ verausgabt sich genau dort, wie wilder 60s-Rock und exaltierte, staubtrockene Psychedelik ihr jugendgefährdendes Unwesen treiben. Kurz: Ty Segall hat hier ein Dutzend Hits in allen Grundschattierungen der nostalgischen Rockremineszenz rausgehauen. Also alles wie immer eigentlich.

Obwohl sich ‚Twins‚ nach dem fuzz-getränkten Monolithen ‚Slaughterhouse‚ noch stärker nach kurzweiliger Hitsammlung anfühlt, sich nämlich zugänglicher gibt und anstelle der räudigen Stooges wieder die massenkompatiblere Seite des Rock für sich entdeckt hat. Dass Segall stilecht wie der unerhebliche Sohn von John Lennon, Paul McCartney und vor allem Übervater Roger Daltrey klingt ist dann das Tüpfelchen auf i in seinen vor The Who und Konsorten ehrfurchtslos den Hut ziehenden Amalgam.
That’s it!“ verspricht Segall unter reichlich Hall hervorblickend am Ende des schon lange auf seine Veröffentlichung wartenden ‚Who Are You?‚ (ja, Segall darf seine Songs so benennen – muß es eigentlich sogar!) und schmeißt doch noch zwei Sahnsestücke hinten nach, für die beinahe alle Stecker gezogen wurden un ansatzweise Heimeligkeit einkehrt: ‚Gold On the Shore‚ macht die reduzierte Akustikballade am Lagerfeuer und ‚There Is No Tomorrow‚ bringt als versöhnlicher Abschied das Credo des jungen Wilden nocheinmal auf den Punkt, zeigt dazu seine verletzliche Seite, aber keinerlei Schwäche. Wer sich den Soundtrack für seine 60s Parties immer noch mühsam aus allen Lagern zusammensucht, dem ist nicht mehr zu helfen ist. Ty Segall-Platten sind mittlerweile ihre ganz eigenen Hitparaden.

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