Record Store Day 2013

von am 24. April 2013 in Sonstiges

Record Store Day 2013

Mittlerweile gefühltermaßen eher die Regel als die Ausnahme: der schier unüberblickbaren Schwemme an Veröffentlichungen zum alljährlichen Record Store Day begegnen einige Plattenläden bereits eingangs mit unverschämten Preisen, die finanziell zumeist freche Weiterverwertung via Ebay, Discogs und Co. ist dann der zusätzliche Faustschlag für Fanherzen und Brieftaschen. Hinter diesem fahlen Beigeschmack gab es aber auch dieses Jahr wieder zahlreiche Must-Haves, obskure Sammlerstücke und verzichtbare Veröffentlichungen zu ergattern. Der Record Store Day 2013 in augewählten Kurzbetrachtungen:

Record Store Day 2013 Kurzreviews: Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 |

Touchè Amorè - Title Fight

Touchè Amorè / Title Fight – Split

Eine fulminante Fingerübung für die beiden Senkrechtstarter des jungen Harcore. Touchè Amorè nähern sich mit ihrer Interpretatation des ‚Shed‚-Songs ‚Crescent-Shaped Depression‚ weitestgehend zielgenau dem Title Fight-Original an – mit einem generell gegen mehr Alternative gehenden Sound, offenen Gitarren und einem melodischer brüllenden Jeremy Bolm. Die erst letztes Jahr mit ‚Flora Green‚ auftrumpfenden Title Fight hingegen verleiben sich das ‚Parting The Sea Between Brightness And Me‚-Mosaik ‚Face Ghost‚ atemberaubend nahtlos zugunsten ihrer eigenen Trademarks ein, versehen nicht nur die variierte Bridge des kompakten Angriffs mit ihrer beinahe melancholischen, juvenilen Hardcore-Angst. Bewegen sich die knapp 5 Minuten somit überraschenderweise musikalisch deutlicher im Title Fight-Reich, reiht sich die Splitsingle optisch in den Reigen aus Touchè Amorè-Veröffentlichungen der letzten Monate mit The Casket Lottery und Pianos Become the Teeth ein. 1000 Stück auf rotem Vinyl bietet der Record Store Day – andersfarbige Versionen sollen aber folgen.

07

Boysetsfire - Bled Dry  Boysetsfire – ‚Bled Dry‘

Auch wenn Sänger Nathan Gray Boysetsfire im Interview unlängst zur „Nebenbeschäftigung“ seines neuen Bandprojekt I Am Heresy degradiert hat: im Juni kommt via Bridge 9 das fünfte Studioalbum der Newark-Legende in den Handel. Einen ersten Vorgeschmack darauf liefert das mit gewohnt aufzeigendem Video ausgestattete ‚Bled Dry‚ – eine 95 Sekunden lange Wutbombe aus keifendem Gesang, martialischem Schlagzeug, metallisch riffenden Gitarren und leichtem Psycho-Flirren, bevor das Gaspedal hinten raus kurz angetippt wird. Konventioneller ist das kraftvolle ‚Bring Back The Fight‚. Hier verschweißen Boysetsfire im Schatten ihrer bisherigen Discographie emotionale Hardcore-Aggresivität mit der ureigenen hymnischen Melodik. Die Stimmung-machenden, so nervigen wie allgegenwärtigen „Hey-Hey„’s hätte es da weniger dringend gebraucht als das sportliche Gitarrensolo. Trotzdem: ein vielversprechender Ausblick – auch wenn beide Songs nichts auf dem Studioalbum landen werden! – auf das erste Album der Band seit 7 Jahren. Limitiert auf 1000 Stück, davon 300 auf weißem Vinyl.

06

MGMT - Alien Days  MGMT – ‚Alien Days

Eine schrullige Angelegenheit für Hardcore-Fans. Nicht die Musik, sondern die Veröffentlichungsweise. Natürlich durfte man 3 Jahre nach ‚Congratulations‚ gespannt sein, wohin die Reise für MGMT mit ihrem dritten Album gehen würde. Die erste Single des selbstbetitelten ‚MGMT‚ zeigt nun: grundsätzlich in die selbe Richtung, in der uns Benjamin Goldwasser und Andrew VanWyngarden zuletzt in ihrem wunderbar schillernden psychedelisch Pop-Nebel in der Schwebe haben verweilen lassen. Es gibt also wieder androgyne Gesänge (zu Beginn gar als Kindermusical getarnt) und kaleidoskopartige Melodien, über stramm-entspanntem Rhythmus und folkiger Akustikgitarre. Weniger gefällig hingegen die B-Seite ‚Message 7 from Hearty White‚: eine über enervierende 5 Minuten langgezogene Erzählung, die spätestens nach dem ersten Durchgang keinerlei Wiederhörwert hat. Weil MGMT ihre solide Rückkehr aber eben in wenig massentauglicher und spleeniger Kasettenform (+ Downloadcode) einläuten machen sie auch unmissverständlich klar: dies hier ist in der Form eine schrullige Angelegenheit für Hardcore-Fans, im Inhalt aber schon einmal die Andeutung der Fortsetzung aller vorangegangener Hipster-Träume.

05

Black Keys - The Stooges - No Fun  The Black Keys / The Stooges – ‚No Fun‘

2002 waren Dan Auerbach und Patrick Carney noch nicht mit Brian Burton bekannt und ihre Blues-Rock-Welt damit noch bester in Ordnung. avon zeugten auch authentische Verinnerlichung von zahlreichen Klassikern und Evergreens zur damaligen Zeit, wie eben ‚No Fun‚, – einem der Grundbausteine mit denen Iggy Pop und seine Stooges 1969 den Proto-Punk erfanden. Qualitativ sind die beiden Songs jeder auf seine Weise über jeden Zweifel erhaben, der eine ohnedies ein unsterblicher Klassiker, der andere der stilvolle Tribut daran. Daher die Stooges-Version des Songs auf die eine oder andere Art auf Vinyl jedoch nach wie vor problemlos erhältlich ist, werden sich die 7500 potentiellen Käufer der Side-by-Side-Veröffentlichung vor allem über die bis dato nur auf der CD-Version von ‚The Moan‚ zu findenden Black Keys-Exkursion freuen. Im glänzendem orange-roten Bubblegum-Look unter der schwitzendem PVC-Verpackung (!)  ist die 7″ zudem hübsch anzusehen.

05

Nick Cave and the Bad Seeds - Animal X  Nick Cave & the Bad Seeds – ‚Animal X

Nachdem schon ‚Needle Boy‚ und ‚Lightning Bolts‚, die beiden Bonus-Tracks von ‚Push The Sky Away‚ in der Limited Edition enttäuschenderweise als Videodatei bzw. nur im überteuerten Pimp-Packet des Albums als 7″ geliefert worden waren, kramt Nick Cave einen weiteren Song aus den Überbleibseln seines 15. Bad Seeds-Studiowerkes im Single-Format hervor. ‚Animal X‚ kommt als Picture Disc, auf beiden Seiten mit dem Titeltrack bespielt und mit fetten X markiert daher. Musikalisch bleiben dabei keine Zweifel offen weswegen der Song nicht so recht in den ‚Push The Sky Away‚-Kontext passen wollte: ‚Animal X‚ rudert mit eindringlichem Spoken Word-Einsatz von Cave über fiebrig dröhnende, verzogene, disharmonische Streicherwellen. Was anfangs verstörend wirkt, entfaltet bald eine ungemeine, gar melodische Anziehungskraft in dem unruhigen Szenario. Auch wenn der Song an sich nicht die Qualität seiner Albumkollegen erreicht verdeutlicht er wie unglaublich ergiebig die ‚Push The Sky Away‚-Sessions für die Bad Seeds waren. Sollte da noch mehr Material davon in der Schublade schlummern, wäre eine Veröffentlichung also fantastisch – und auch ärgerlich, angesichts des dürftigen Preis/Leistung-Verhältnisses von ‚Animal X‚.

07

Deftones - Live Volume I - Selections from Adrenaline  Deftones – ‚Live: Volume I – Selections from Adrenaline‘

Nachdem ‚Cover‚ ja nicht einmal ansatzweise alle Coversongs der grandiosen Cover-Band Deftones zusammenfassen konnte, hätte sich eine Fortsetzung dazu förmlich aufgedrängt. Aber nichts da, die Kalifornier starten stattdessen eine neue EP-Reihe mit ausgewählten Live-Versionen aus ihrem reichhaltigen Repertoire. Mit einer Auflage von 3000 Stück beginnt ‚Vol. 1‚ dabei ganz zu Beginn der Karriere Mannen um Chino Moreno (man stellte sich damals dem Publikum sogar noch ganz artig vor), bei drei Songs vom Debütalbum ‚Adrenaline‚ sowie der B-Seite ‚Teething‚. Produziert wurde das am 13. Oktober 1996 aufgenommene Material von John „Wedge“ Branon, der tolle Sound ist dicht und drückend, die Band spielt kraftvoll, wobei die Konzertbesucher bis auf wenige Momente aus dem Geschehen gemischt wurden. Trotz oder gerade wegen der durchwegs stimmungsvoller Atmosphäre sind vier Songs selbst für die Hauptzielgruppe der hartgesottenen Fans trotzdem etwas arg spärlich ausgefallen. Komplettisten ärgern sich eventuell weniger heftig über (den wie beinahe jedem RSD-Release) den frechen Preis, sondern schwelgen nostalgissch in dieser Erinnerung an ‚Adrenaline‚. Auf den bereits für dieses Jahr angekündigten zweiten Teil (‚Live: Volume 2 – Selections From Around The Fur‚) der Zeitreise und den Weg bis hin zu ‚Koy No Yokan‚ darf man sich trotzdem freuen. Zumal man sich dann ja selbst ein Livealbum mit fulminanter Setlist zusammenbasteln kann.

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  • Boysetsfire - Boysetsfire - […] Plague Years‚ anschließt und dessen Abschluss durch die aufpolierte, verbesserte Neo-Version des 2013-Rohdiamanten ‚Bled Dry‚ durchaus Symbolcharakter hat: Boysetsfire…

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